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Doctor Atomic. Timothy Connor. Foto © Alexandra Polina

Doctor Atomic. Timothy Connor. Foto © Alexandra Polina

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„Fuge der Verzweiflung“ – John Adams’ Oper „Doctor Atomic“ am Theater Freiburg

Vorspann / Teaser

Das Saallicht brennt noch, als am Freiburger Theater John Adams’ Oper „Doctor Atomic“ mit ihrer unheimlichen Geräuschkulisse beginnt. Erst allmählich wird es dunkel bei dieser besonderen Ouvertüre, die in den scharfen Dissonanzen des Blechs und den Paukenschlägen den Countdown des ersten Atombombentests schon ankündigt. Auch das erschütternde, offene Ende der Oper, wenn Sätze von Überlebenden aus Hiroshima zitiert werden, lässt Regisseur Marco Štorman das Publikum nicht im geschützten Dunkel erleben. Was zuvor auf der Bühne geschah, betrifft uns unmittelbar. Die Betroffenheit schlägt um in enthusiastischen Jubel. Ein großer Opernabend am Theater Freiburg!

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Generalmusikdirektor André de Ridder hat gemeinsam mit Štorman bereits John Adams’ „Nixon in China“ an der Stuttgarter Staatsoper auf die Bühne gebracht. Seine Interpretation von „Doctor Atomic“ mit dem Philharmonischen Orchester Freiburg, dem Chor und Extrachor des Freiburger Theaters (Einstudierung: Norbert Kleinschmidt) und einem exquisiten Solistenensemble setzt Maßstäbe. Die Bläser fädeln sich perfekt ein in den durchlaufenden, groovenden Puls der Streicher. Nichts wirkt bemüht oder angestrengt – von Beginn an entwickelt die rhythmisch komplexe Musik eine Sogwirkung, die auch der ganz präzise agierende und genau ausbalancierte Chor verstärkt. Aber de Ridder lässt nicht nur die musikalischen Rädchen perfekt ineinandergreifen, sondern schafft auch atmosphärisch dichte Übergänge und findet das richtige Maß für Adams’ zwischen Beschleunigung und Erstarrung angesiedelter Musik. Ein Streichertremolo kann beruhigen – oder Spannung aufbauen. Beeindruckend, wenn der gleiche Ton bis in höchste Lagen ganz sauber intoniert (Solotrompete!) durch die Stimmen jagt. Die rasenden, im Marcatissimo gespielten Streicherläufe im zweiten Akt sind eine auskomponierte Panikattacke, eine Fuge der Verzweiflung.

Frauke Löffel hat für die Freiburger „Doctor Atomic“-Produktion ein Haus-Skelett gebaut, das eine Baracke des Forschungscamps in Los Alamos simuliert, aber im zweiten Akt auch eine japanische Fassade bekommt. Regisseur Štorman arbeitet bewusst mit mehrdeutigen Bildern. Die Konfettikanone sorgt hier nicht für Stimmung, sondern antizipiert schon den radioaktiven Fallout. Auch die rauchenden Grills mit der lodernden Glut wirken eher bedrohlich als heimelig. Das gegrillte Fleisch korrespondiert am Ende auf schreckliche Weise mit den brennenden Menschen, die auf den von der Decke hängenden großformatigen Gemälden abgebildet sind. Und J. Robert Oppenheimer wendet lieber die Würstchen, als auf die Zweifel seiner Kollegen Edward Teller (mit tragfähigem Bass: Jin Seok Lee) und Robert Wilson (präsent: Roberto Gionfriddo) zu hören. Timothy Connor ist in seiner beigen Rentnerjacke (Kostüme: Axel Aust) ein Normalo. In der großen Arie „Batter My Heart“ am Ende des ersten Akts lässt der nordirische Bariton im Falsett auch Zerbrechliches zu, kann sich aber auch mit großer Stimme der Verzweiflung und Einsamkeit Gehör verschaffen. Dieser Oppenheimer ist zunächst ein nahbarer Familienvater, Wissenschaftler und auch Sohn, bevor er am Ende mit sadistischem Grinsen die Knochenmühle in Gang setzt und alleine zurückbleibt. Menschlichkeit und Wärme bringen nur seine Frau Kitty (großartig: Inga Schäfer) und das Kindermädchen Pasqualita (in sich ruhend: Yewon Kim) in die kühle, zynische Männerwelt, die der cholerische General Leslie Groves (markig: Juan Orozco), der zurückhaltende Meteorologe (mit vielen Zwischentönen: Jakob Kunath) und der Militärarzt James Nolan (hell timbriert: Juyoung Mun) komplettieren.

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Theater Freiburg. Doctor Atomic. Ensemble, Opernchor, Extrachor. Foto: © Alexandra Polina

Theater Freiburg. Doctor Atomic. Ensemble, Opernchor, Extrachor. Foto: © Alexandra Polina

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Je näher die Zündung der Bombe rückt, desto stärker breitet sich Angst im Halbdunkel des schwarzen Bühnenraums aus. Nebelschwaden verstärken die Beklemmung. Der Chor, der mit gekrümmten Körpern auch das Leid der Opfer in Hiroshima und Nagasaki verkörpert, kommt als Trauerzug mit Kerzen auf die Bühne und singt mit großer Wucht Apokalyptisches. Dann startet das Philharmonische Orchester Freiburg die unterschiedlichen Pulse des Countdowns. Zunächst hinkend, dann schneller werdend setzt sich die Maschine in Bewegung bis zum bitteren Ende.

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