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Ergreifend: Die Mutter (Claudia Mahnke) betrauert ihren erstochenen Sohn (Christian Clauß). Foto: Xiomara Bender

Ergreifend: Die Mutter (Claudia Mahnke) betrauert ihren erstochenen Sohn (Christian Clauß). Foto: Xiomara Bender

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Operndrama aus dem Vor-Franco-Spanien: Fortners „Bluthochzeit“ in Frankfurt

Vorspann / Teaser

Federico García Lorcas literarisches Schaffen rückt immer wieder zerrüttete Familienkonstellationen in den Mittelpunkt. Unaufgearbeitete Schuldkomplexe, Traumata und gegenseitige Abwertungen ziehen sich durch seine Geschichten. Wobei der republikanisch gesonnene Autor anprangernde Kritik übt an der in ihren Sitten und Gebräuchen gefangenen Gesellschaft, empathiearm im innerfamiliären Dialog zwischen den Generationen. Außerhalb der Familie jedoch zusammenhaltend bis zur Blutrache. Was auch sein 1957 von Wolfgang Fortner vertontes Drama „Bluthochzeit“ prägt.

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Im Mittelpunkt der Handlung steht die verhärmte Mutter. Sowohl ihr Mann als auch einer ihrer beiden Söhne sind infolge einer Familienfehde bei Messerstechereien zu Tode gekommen. Und ihr einziger Sohn, der noch lebt, ist im Begriff, zu just dieser blutrünstigen Familie Félix wieder in Beziehung zu treten. Weil er eine Braut heimzuführen gedenkt, die zuvor schon einmal mit dem jungen Leonardo Félix liiert war, diese Verlobung allerdings gelöst hatte. Félix ging dann eine andere Ehe ein, wurde Vater, ohne jedoch sonderlich starke Liebesgefühle für Frau und Kind aufzubringen. Zu sehr nagt die verletzte Mannesehre, zu stark sind noch die Empfindungen für das Mädchen, das ihn verließ. Am Tag der Hochzeit entführt er die Braut in einen Wald. Der aufgebrachte Bräutigam verfolgt die beiden, holt sie ein. Die beiden Männer bringen sich gegenseitig um. Und drei Frauen bleiben, einsam trauernd, zurück.

Fortners Verständnis von Musiktheater leitet sich deutlich von den beiden Opern Alban Bergs her, hinsichtlich der strengen Umsetzung des Sprachrhythmus’ auch von Leoš Janáček. Das Orchester ist groß besetzt, verlangt alleine 8 Schlagzeuger, verzichtet jedoch auf die Hörner. Was das Klangbild herber macht, passend zu Lorcas Spanien-Ambiente. Zu dem auch Instrumente aus der spanischen Volksmusik wie Kastagnetten oder Gitarren beitragen. Die allerdings nur als punktuelle Farbträger aufleuchten. Wie auch die anderen Einsprengsel aus originalen altspanischen Liedern, die Lorca gemeinsam mit Manuel de Falla einst herausgegeben hatte.

Dirigent Duncan Ward leitet souverän das sowohl im Graben als auch hinter der Bühne hoch präsente Orchester und hat ein optimales Gespür für Fortners Tonsprache zwischen schroffer Dramatik und filigraner Transparenz – wenn sich sinfonisch kompakte Orchesterblöcke in fein gewobene Klanggespinste auflösen und sich aus der Verbindung zwischen gesungenem und gesprochenem Wort spannungsvolles Miteinander ergibt. Denn in der vom Komponisten zugrunde gelegten Singspielform löst sich Lorcas Text immer wieder aus der Musik heraus, verbinden sich Gesang und Sprache zu faszinierender Einheit.

Der Frankfurter Aufführung verhilft die exzellente Ensembleleistung zu lebhaft akklamiertem Erfolg. Herausragend dabei: Claudia Mahnke als Mutter, eine Tragödin, die vor allem im dramatisch sich zuspitzenden zweiten Teil zur Hochform aufläuft. Bezwingend auch das Duett zwischen Leonardo (Mikołai Trạbka) und der unglücklicherweise von ihm begehrten Braut (Magdalena Hinterdobler). In den kleineren Partien fallen die Fortner-erfahrene Karolina Makula (Magd), die dramatisch deklamierende Daniela Ziegler (Tod) und der volumenstarke Tenor AJ Glueckert (Mond) auf. Àlex Ollé inszeniert das Drama im sinnfällig düsteren Bühnenbild Alfons Flores’ und den in strenger Schwärze gehaltenen, perfekt stilisierenden Kostümen von Lluc Castells mit dichter Personenführung stringent und eindringlich.

  • Premiere und besuchte Vorstellung am 10. Mai 2026. Weitere Vorstellungen am 24. und 31. Mai sowie am 6. und 15. Juni 2026.

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