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„Violanta“ von Erich Wolfgang Korngold, Regie: David Hermann, Premiere am 25.1.2026. Foto: © Marcus Lieberenz

„Violanta“ von Erich Wolfgang Korngold, Regie: David Hermann, Premiere am 25.1.2026. Foto: © Marcus Lieberenz

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Süchtigmachende Ausgrabung: Erich Wolfgang Korngolds „Violanta“ an der Deutschen Oper Berlin

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Eine „Erinnerungsarbeit der besonderen Art“ sieht unser Kritiker Joachim Lange in David Hermanns Inszenierung von Korngolds Jugendwerk. Die Musik macht süchtig.

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Die Musik von Erich Wolfgang Korngold macht süchtig. Mehr noch als die von Richard Strauss, wobei deren Kenntnis einen guten Zugang eröffnet. Die Rezeptionsgeschichte hat es gefügt, dass vor allem die Opern von Strauss und ihre Raffinesse zum Referenzmaßstab geworden sind, an dem auch Korngold gemessen wird. Ein Das-klingt-wie-Strauss geht einem leichter über die Lippen, als ein Das-klingt-wie-Korngold (bezogen auf Strauss). Der Rassenwahn der Nazis, der jüdische Komponisten und ihre Werke aus dem Land und dem Gedächtnis vertrieb, hatte auch nach dem Ende des braunen Spuks seine Nachwirkungen. Strauss machte, wenn auch mit wachsender Hinwendung zum politisch Unverbindlichen, in Deutschland einfach weiter. Während für Korngold mit seiner Flucht in die USA sozusagen die Opernkarriere erledigt war. Dass er bei der Filmmusik in seiner Exilheimat Erfolg hatte, ist nicht wirklich verwunderlich, wenn man das melodisch Einschmeichelnde bedenkt, das in seinen Kompositionen immer wieder aufblitzt und sofort, quasi voraussetzungslos, aufgesogen werden kann.

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Eigentlich war Korngold das Wunderkind der Szene und des beginnenden 20. Jahrhunderts. Obwohl der 1897 in Brünn geborene, 1957 in Los Angeles starb, also Strauss um acht Jahre überlebte, sind er und seine Werke heute der Gegenstand einer langsam in Fahrt gekommenen, aber sich beharrlich haltenden Renaissance seiner Opern. „Die tote Stadt“, mit der er 1920 schlagartig zum etablierten Star seiner Zeit wurde, macht noch jedes Mal Furore, wenn sie auf den Spielplan kommt (demnächst im DNT in Weimar). Aber auch seiner Gegen-Salome „Das Wunder der Heliane“ geht es (wie gerade in Straßburg zu erleben) nicht anders.

Nun also auch „Violanta“ aus dem Jahr 1916. Wer mitrechnet, kommt beim Komponisten auf ein Wunderkindalter von gerade mal 19 Jahren bei der Uraufführung. Dem Publikum wurde da aber nicht nur dieser eigentlich nicht abendfüllende Einakter, sondern zugleich auch noch „Der Ring des Polykrates“ präsentiert. Den hatte man vor neun Jahren in Heidelberg mit MieczyƂaw Weinbergs erst 1983 in Moskau uraufgeführten Stück „Wir gratulieren“ überraschend gelungen kombiniert. Eigentlich spräche nichts dagegen, wenn man Korngold so wie bei der Uraufführung mit sich selbst kombinieren und dem Junggenie einen großen Abend gönnen würde.

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An der Opéra national du Rhin in Strasbourg hat Jakob Peters-Messer seine Inszenierung von Erich Wolfgang Korngolds Oper „Das Wunder der Heliane“ neu einstudiert und damit überzeugt

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„Das Wunder der Heliane“ - das ist vor allem eines des Erich Wolfgang Korngold (1897-1957). Er hatte den Rassenwahn der Nazis in den USA nicht nur überlebt, sondern - quasi als Gegenleistung - Hollywood zu einem Hort der...

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Auf jeden Fall ist es per se ein Verdienst der Deutschen Oper Berlin und ihres bald scheidenden GMD Sir Donald Runnicles , dass sie jetzt „Violanta“ ausgegraben haben. In dem vom Weißen-Rössl-Librettisten Hans Müller-Einingen verfassten Text geht es (wie später auch bei „Heliane“) um das Gefühlsleben einer Frau. Verortet ist die Geschichte im Venedig der Renaissance zur Zeit des Karnevals. Das Gefühlsleben der Frau wird von einer Verbindung aus tiefem Hass und erotischer Anziehung zu einem Mann blockiert, der für den Selbstmord ihrer Schwester verantwortlich ist. Sie löst sich aus dieser Erstarrung, als sie während des Karnevals diesem Prinzen Alfonso begegnet und in ihr Haus lockt. Dort soll ihr Ehemann ihn ermorden, wenn die beiden ein bestimmtes Lied anstimmen. Als es zu der Begegnung kommt, wird im Gespräch der beiden eine Schicht der belastenden Erinnerung nach der anderen abgetragen. Als sich Violanta eingesteht, dass sie den Mann nicht nur hasst, sondern auch liebt, und versucht, den Mord zu verhindern, wird sie selbst das Opfer ihrer Intrigen. Jedenfalls in der Vorlage.

David Hermann (Regie), Jo Schramm (Bühne und Video) und Sybille Wallum (Kostüme) verlegen die Geschichte von Venedig auf eine abstrakte Bühnenscheibe. Aus der Mitte dieser Scheibe schrauben sich bei der Erinnerungsarbeit der besonderen Art verschiedene Räume nach oben, durch die die beiden gehen. Das Therapiegespräch wird damit nicht nur in eine räumliche Gestalt übersetzt. In der Logik dieses Ansatzes wird Prinz Alfonso zu einem äußerlich eher nüchternen Therapeuten. Das Ergebnis dieser Zimmerwanderung bzw. Sitzung ist auch nicht tödlich, sondern die Trennung Violantas von ihrem Mann Simone und die Besinnung auf sich selbst.

Die Musik ist auch in diesem Jugendwerk schon als ein echter Korngold erkennbar, mit Bezügen, auf das, was von ihm noch folgte, aber auch mit diversen Anspielungen auf seine inspirierenden Vorgänger und Zeitgenossen.

Die fordernde Tenorpartie des Alfonso bewältigt der Lette Mihail Culpajevs souverän und mit Kondition. Laura Wilde steigert sich mit wachsender Emphase in die Gefühlsaufwallungen der Violanta hinein, auch wenn sich das noch volumenreicher denken ließe. Ólafur Sigurdarson charakterisiert Simone, als Verlierer dieser Traumabewältigung, mit einnehmender Empathie. Neben diesen Hauptpartien profilieren sich vor allem Stephanie Wake-Edwards mit Mezzowärme als Violantas Amme Barbara sowie der Tenor Andrei Danilov als der in Violanta verliebte Matteo.

Nach dem Geniestreich mit der Inszenierung des „Wunders der Helinane“ von Christof Loy glänzt das Haus an der Bismarckstraße jetzt auch mit der Ausgrabung dieser frühen Korngold-Oper!

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