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„200 Motels“ von Frank Zappa in Genf. Foto: Magali Dougados

„200 Motels“ von Frank Zappa in Genf. Foto: Magali Dougados

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Überdreht reizüberflutet – Mit Frank Zappas „200 Motels“ verabschiedet sich Aviel Cahn in Genf nach Berlin

Vorspann / Teaser

Im Zürcher Opernhaus saß eine Donald-Trump-Figur bei Olga Neuwirths „Monster’s Paradise“ auf einem goldenen Klo. In Genf sieht Peter Hoare mit blonder Perücke, blauem Anzug, roter Krawatte und MAGA-Schirmmütze nicht nur aus wie der aktuelle amerikanische Präsident, der zwei Tage zuvor noch den G-7-Gipfel im benachbarten Évian-les-Bains besuchte. Er imitiert auch dessen Stimme und zuckenden „YMCA“-Tanz. Ein winziger Penis ist auf Gemächthöhe an seine Hose geklebt, um Frank Zappas provokativen Song „Penis Dimension“ über den Zusammenhang von Genitalgröße und Machtmissbrauch ins richtige Bild zu setzen.

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Auch ein Pharao, ein König und andere politisch Potente tragen dieses Accessoire. Im großen Finale entsorgt man den Theater-Trump, der in der Hose ein Epstein-Foto trägt, in einer Mülltonne. Zum ironischen Schlussgebet „Strictly Genteel“ wird zur pathetisch-schrillen Musik ein Riesenpimmel aufgeblasen, der bedrohlich über der glitzernden Szenerie schwebt. Am Ende bekommt der musikalisch packende, szenisch grelle Abend doch noch Biss. Zu seinem Abschied lässt es Intendant Aviel Cahn mit dieser erst ab 16 Jahren zugelassenen Produktion nochmals ordentlich krachen, bevor er zur neuen Saison an die Deutsche Oper Berlin wechselt.

Frank Zappas „200 Motels“ ist auf einer Tournee seiner Band Mothers of Invention entstanden und reflektiert sarkastisch den Tour-Alltag in der amerikanischen Provinz. Die Musik wurde erstmals 1970 vom Los Angeles Philharmonic Orchestra unter Zubin Mehta gespielt. Ein Jahr später erschien der gleichnamige Film mit Ringo Starr in der an Zappa angelehnten Rolle des Bandleaders Larry the Dwarf. Erst im Jahr 2000 wurde der Stoff als Oper beim Holland Festival in Amsterdam inszeniert. Die nun von Regisseur Daniel Kramer in der Genfer Ersatzspielstätte Bâtiment des Forces Motrices gezeigte Version ist eine Schweizer Erstaufführung. Der in vierzehn Szenen gegliederte, knapp zweistündige Abend wechselt zwischen echten Rockkrachern und atonalen Klangschichtungen, zwischen pathetischem Chorgesang und vertrackten Rhythmen. Dirigent Titus Engel ist wieder einmal der richtige Mann für Spezialaufgaben, koordiniert souverän alles Heterogene, modelliert die Übergänge und hat auch die Balance im Blick. Mit Steamboat Switzerland und dem großartigen Gitarristen Mike Keneally, der noch mit Zappa auf der Bühne stand, ist auf einer Empore über der Bühne eine veritable Rockband am Start, die von acht Schlagzeugern der Genfer Musikhochschule HEM unterstützt wird. Für klangliche Authentizität ist also gesorgt. Ob Cembalo, Gitarrensolo oder Streicherpizzicato – alles klingt plastisch und durchhörbar. Das Orchestre de la Suisse Romande und der Chor des Grand Théâtre de Genève (Leitung: Mark Biggins) agieren präzise und flexibel.

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„200 Motels“ von Frank Zappa in Genf. Foto: Magali Dougados

„200 Motels“ von Frank Zappa in Genf. Foto: Magali Dougados

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Zu Beginn entern gleich vier Frank Zappas (stark: Robin Adams, Peter Hoare, Edward Hogg, Ziad Nehme) die Bühne mit schrillen Anzügen und Sonnenbrillen (Ausstattung: Carlos Soto, Kostüme: Shalva Nikvashvili), nachdem der Conferencier (wandelbar: Justin Hopkins) die Show eröffnet hat. Dass die Bewohner von Centerville gleich als Zombies auftreten, ist einer der überdrehten Regieeinfälle, die in dieser reizüberfluteten Inszenierung, in der auch ständig etwas über die Videoleinwände flimmert, die Wirkung schwächen. Kramer überträgt eine Comic-Ästhetik auf die Bühne. Es gibt verzichtbare Wrestling-Kämpfe mit Senf, einen Männer-Badeanzug-Contest und eine zu lange Staubsaugersex-Nummer. Auch musikalisch hätte man einige Passagen straffen, den Rocksong „Mystery Roach“ aber unbedingt hineinnehmen sollen. David Ireland als aufgeblähter Cowboy mit stilechtem Countrysound, Julieth Lozano Rolong als schwangere, einen kleinen Soldaten gebärende Braut in der starken Bluesrocknummer „Magic Fingers“ und Brenda Rae als exaltierte, Koloraturen trällernde Journalistin haben da mehr Wumms. Und bringen die politische Dimension mit hinein, die dem Bürgerschreck Zappa immer auch wichtig war.

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