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Wolfgang Rathert: Herbert von Karajan. Macht – Ohnmacht – Vermächtnis, 2026

Wolfgang Rathert: Herbert von Karajan. Macht – Ohnmacht – Vermächtnis, 2026

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Ohne große Umschweife

Untertitel
Die Reihe „Solo“ der „edition text + kritik“ macht sich unentbehrlich
Vorspann / Teaser

Zuletzt erschienene Bände: Wolfgang Rathert: Herbert von Karajan. Macht – Ohnmacht – Vermächtnis, 2026, 345 S., Abb., € 29,00, ISBN 978-3-96707-618-9 +++ Rüdiger Albrecht: Friedrich Gulda. Pianist – Musiker – Freigeist, 2026, 242 S., Abb., € 26,00, ISBN 978-3-96707-836-7 +++ Kai Marius Schabran: Claudio Arrau. Universalist des Klaviers, 214 S., Abb., € 26,00, ISBN 978-3-96707-788-9 +++ Michaela Fridrich: Duo Tal & Groethuy­sen. Seiltänze mit zwanzig Fingern, 2025, 141 S., Abb., € 20,00, ISBN 978-3-96707-480-2

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Am 28. März 1999 geht bei der „Austria Presse Agentur“ um 17:52 Uhr ein anonymes Fax ein. Der Inhalt meldet den Tod des Pianisten Friedrich Gulda, „bei einem Zwischenstop am Flughafen Zürich den Folgen eines plötzlichen Schlaganfalles erlegen.“ Es folgte ein längerer Nachruf. Absender: „Ein Freund.“ Das Fax stammt, wie sich dann herausstellt, von Friedrich Gulda persönlich. Ein geplanter, makabrer Jux. Ein Dreivierteljahr später allerdings, am 27. Januar 2000 (Mozarts Geburtstag, ausgerechnet), muss dann selbst der Gemeindearzt von Weißenbach am Attersee unwiderruflich attestieren: Gulda ist tot.

Gulda, der Kauz, der Ausnahmepianist. Biografien in Buchform über ihn sind vergleichsweise selten, die jüngsten mittlerweile rund zwei Jahrzehnte alt. Nun hat Rüdiger Albrecht dem 1930 als Sohn zweier Hobby-Musiker in Wien geborenen Gulda einen knapp 250 Seiten starken Band gewidmet.

Chronologisch hangelt sich der Autor durch Guldas buntes, stellenweise schrilles, rätselvolles Leben. Erfreulich objektiv geht Albrecht mit Grauzonen um. So schreibt er über die inzwischen legendären Mozart-Tapes, die posthum Guldas Sohn Rico herausgegeben hat: „Angeblich hatte Gulda in einem Anfall von Wut die Originalbänder in einem Mülleimer an einer Autobahnraststätte entsorgt.“ Genaueres wird man wohl nie erfahren. Akribisch spürt der Autor Spuren nach, die Gulda in Interviews gelegt hat, in ihrer Auswertung immer präzise, immer sachlich. Oft bringt er Guldas künstlerisches Selbstverständnis konzise auf den Punkt, etwa im Zusammenhang mit Ludwig van Beethoven: „Nachdem Gulda dessen Sonaten-Korpus 1953 in kurzer Zeit einstudiert hatte, erfuhr sein Beethoven-Bild keine wesentlichen Änderungen mehr.“

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Rüdiger Albrecht: Friedrich Gulda. Pianist – Musiker – Freigeist

Rüdiger Albrecht: Friedrich Gulda. Pianist – Musiker – Freigeist

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Voller Details und gleichzeitig mit viel Umsicht komprimiert – dieses Urteil gilt stellvertretend für Gulda ebenso wie für die komplette „Solo“-Reihe, „Porträts und Profile“, die mittlerweile seit 2022 bei der „edition text + kritik“ erscheint. Eine vergleichbare Reihe mit Porträts von Klassik-Künstlern hat es, in dieser Breite, in dieser Sorgfalt, bislang nicht gegeben. Zu den ers­ten Veröffentlichungen zählen unter anderem Bücher über Simone Young, Eduard Erdmann, Fritz Kreisler und René Leibowitz. Dass die einzelnen Autoren auch mit grundlegend neuen Funden aufwarten können, zeigt etwa der Band von Michael Schwalb über Paul Sacher. Hier werden die unterschiedlichen Facetten des Dirigenten, Ensemblegründers, des Entdeckers Alter Musik, des Musik-Politikers, Förderers und Mäzens auf dem neuesten Stand der Forschung präsentiert. Die Liste der bislang publizierten Bände verrät: Im Verlag besitzt man ein waches Gespür für eine gelungene Mischung zwischen bereits längst verstorbenen Künstlern – wie Ferruccio Busoni oder Alfred Cortot – und Musikern, die noch mitten im Konzertleben stehen.

Zu Letzteren zählt das Klavierduo Tal & Groethuysen, ein Buch von Michaela Fridrich. Methodisch ist der Band klug aufgebaut: Der erste Teil besteht aus einem Porträt über und einem anschließenden Interview mit Yaara Tal, der zweite gilt analog Andreas Groethuy­sen, der dritte Abschnitt widmet sich beiden. Man mag bedauern, dass bei einem Klavierduo wie diesem nicht in einem kurzen Exkurs auf Entwicklung und Bedeutung dieser Spezialgattung eingegangen wird; ebenfalls schade, dass die Autorin kaum auf das Phänomen eingeht, dass erfolgreiche Klavierduos oft verschwistert oder privat fest verbandelt sind. Doch all dies gehört irgendwie zum Selbstverständnis der gesamten Reihe: Kein großes Drumherum, immer nah am Kern des eigentlichen Themas bleiben. Dadurch läuft auch Fridrich nie Gefahr, voyeuristisch zu berichten – was nicht zuletzt dem Selbstverständnis der porträtierten Musiker entspricht: „Yaara und Andreas waren […] sehr zurückhaltend und scheuten sich, ihre Verbindung für Marketingzwecke auszunutzen. Sie wollten mit ihrer Musik überzeugen.“

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Michaela Fridrich: Duo Tal & Groethuy­sen. Seiltänze mit zwanzig Fingern

Michaela Fridrich: Duo Tal & Groethuy­sen. Seiltänze mit zwanzig Fingern

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Es liegt in der Natur der Sache, dass die Biographie aktiver Künstler oft gespeist wird durch Zeitungskritiken. Auffallend insgesamt, dass die Auswertung der jeweiligen Diskographien ziemlich knapp ausfällt – auch das ein Grundzug der gesamten Reihe. Umso erfreulicher, wenn stattdessen, wie im Fall von Alfred Cortot, ausgewählte Essays der porträtierten Musiker in vollständiger Länge abgedruckt werden, im genannten Fall beispielsweise „Der Einfluss von E. T. A. Hoffmann und Jean Paul auf die Klaviermusik Schumanns“ und „Die geistige Haltung des Interpreten“.

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Wolfgang Rathert: Herbert von Karajan. Macht – Ohnmacht – Vermächtnis, 2026

Wolfgang Rathert: Herbert von Karajan. Macht – Ohnmacht – Vermächtnis, 2026

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Die „Solo“-Reihe füllt eine beachtliche Lücke im aktuellen Buch-Segment und macht sich in summa unentbehrlich, gerade bei Musikern, die bislang kaum oder gar keine Beachtung auf dem Buchmarkt gefunden haben. Das gilt sicher nicht für den neuen Band von Wolfgang Rathert über Herbert von Karajan: Kaum ein Dirigent ist, auch in Buchform, häufiger betrachtet worden als der langjährige Chef der Berliner Philharmoniker. Blickt man auf die in Planung befindlichen Bände, so darf man sich gewiss freuen: auf Marilyn Horne, Wilhelm Kempff, Ton Koopman, Bruno Walter und andere mehr.

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