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Matthias Kornemann: Schillernde Blumen auf dürrem Boden. Der Komponist César Franck, Jaron Verlag, Berlin 2025, 316 S., € 28,00, ISBN 978-3-89773-184-4

Matthias Kornemann: Schillernde Blumen auf dürrem Boden. Der Komponist César Franck, Jaron Verlag, Berlin 2025, 316 S., € 28,00, ISBN 978-3-89773-184-4

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Rätselhaftes Faszinosum

Untertitel
Der Komponist César Franck in einer neuen Biografie
Vorspann / Teaser

Matthias Kornemann: Schillernde Blumen auf dürrem Boden. Der Komponist César Franck, Jaron Verlag, Berlin 2025, 316 S., € 28,00, ISBN 978-3-89773-184-4

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Die deutschsprachige Literatur über César Franck ist überschaubar. Nach der Biographie von Wilhelm Mohr, der „Cäsar Franck“ 1942 ganz im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie als „deutschen Musiker“ vereinnahm­te (abgemildert in der Zweitauflage von 1969), folgten 1981 Angelus Seipts Studie zu den symphonischen Dichtungen und erst wieder 2004 der Sammelband „César Franck. Werk und Rezeption“ (hrsg. von Peter Jost). Dann kam bis auf den Kongressbericht „César Franck im Kontext“ (2009) und Klauspeter Bungerts „analytische und interpretative Annäherung“ (2019) wieder lange nichts, bis nun Matthias Kornemann bei Jaron diese Monographie vorlegte.

Der Haupttitel „Schillernde Blumen auf dürrem Boden“ deutet dabei schon Kornemanns Leitthese an: Ein „Mensch ohne Eigenschaften“ 
(S. 7) sei Franck gewesen, warnt Kornemann uns in der Einleitung vor, und weiter: „‚Leben‘ und ‚Werk‘ schweigen sich bei César Franck derart verstörend an, als habe er der Nachwelt in aller Ahnungslosigkeit eine einzigartige Fallgeschichte hinterlassen wollen.“ (S. 8) Kornemann macht dann aber doch erhebliche Anstrengungen, uns den Komponisten, der uns aus Dokumenten und Erinnerungen so merkwürdig blass entgegenblickt, auch als Menschen näher zu bringen und aus seinem äußerlich ereignisarmen Leben so gut es geht bio­grafische Funken zu schlagen.

Das gelingt auf Basis des erschöpfenden, über tausend Seiten starken französischsprachigen Standardwerks von Joël-Marie Fauquet von 1999 bis zu einem gewissen Grad. So werden die problematische Beziehung zu seinem Vater und die Loslösung von ihm gut umrissen und auch Francks Verhältnis zur Religion und in diesem Zusammenhang der Hintergrund seiner geistlichen Musik differenziert dargestellt.

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Matthias Kornemann: Schillernde Blumen auf dürrem Boden. Der Komponist César Franck, Jaron Verlag, Berlin 2025, 316 S., € 28,00, ISBN 978-3-89773-184-4

Matthias Kornemann: Schillernde Blumen auf dürrem Boden. Der Komponist César Franck, Jaron Verlag, Berlin 2025, 316 S., € 28,00, ISBN 978-3-89773-184-4

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Mitunter übertreibt der Autor es aber mit seinem Versuch, bestimmte Lebensstationen als besonders bedeutsame herauszustellen und auf einen griffigen Nenner zu bringen. Davon zeugen Kapitelüberschriften wie „Der lächelnde Automat“ (über die vom Vater angetriebene Karriere als Klaviervirtuose) oder „Todesengel, Barrikaden, Hochzeitsglocken“ (über die ernüchternde Zeit danach). Hilfreicher wären – mangels Werkregister – Überschriften gewesen, die auf das im entsprechenden Abschnitt im Mittelpunkt stehende Werk hinweisen. Wo man bei „Dämonensturm“ noch erahnen kann, worum es gehen mag („Les Djinns“), tappt man bei „Die magische Erweckung“ (über „Les Éolides“), „Ein Exzess“ (das Klavierquintett) oder „Der Orchestrator des Gemetzels“ (die Oper „Hulda“) im Dunkeln.

Dabei liegen in diesen werkbezogenen Kapiteln die Stärken von Kornemanns Buch. Dank einer prägnanten, bisweilen etwas aufdringlichen Sprache vermag er Stücke treffend zu charakterisieren und in den Kontext von Francks entsprechenden Lebens- und Schaffenssituationen zu stellen. Der Spagat, ohne Notenbeispiele und ohne mit Fachbegriffen um sich zu werfen, Substanzielles über die Musik auszusagen, gelingt immer wieder. So macht Kornemann Lust, sich mit nach wie vor kaum bekannten Teilen aus Francks Œuvre auseinanderzusetzen, etwa den unerhörten Klaviertrios Opus 1 und 2 oder mit „Psyché“, jener mehrteiligen, erstaunlich sinnlichen Symphonischen Dichtung mit Chor, deren erster Abschnitt die vielleicht schönste Orchestermusik enthält, die Franck komponiert hat. Für die nach Jahrzehnten der Popularität offenbar in Vergessenheit geratenden „Variations symphoniques“ für Klavier und Orchester wiederum – in Josts Sammelband von 2004 spielen sie bezeichnenderweise keine Rolle – bricht der Autor wohlbegründet eine Lanze, wobei man sich seinem Urteil gerne anschließt: „Es ist bei aller Kürze und Schein-Leichtigkeit das komplexeste, vollendetste Kunstgebilde, das Franck geschaffen hat.“ (S. 214)

Gelungen ist auch das Kapitel über die berühmte Violinsonate und über Marcel Prousts an Franck orientierte Figur des Komponisten Vinteuil aus der „Suche nach der verlorenen Zeit“; sehr nützlich die Übersicht zum Schülerkreis, aus dem Duparc, Castillon, Chausson, Lekeu und d’Indy etwas näher betrachtet werden. Des Letzteren Rolle als einseitiger Apologet Francks kommt dann auch an anderen Stellen immer wieder zur Sprache.

Bedauerlich hingegen, dass Kornemann zur verhangenen und damit so charakteristischen Orchestrierung der d-Moll-Symphonie kein Wort verliert und auch keinen Versuch macht, zu ergründen, inwiefern und warum Franck sich – trotz oder wegen des Rückgriffs auf zyklische Themen und Motive – in Sachen Formdramaturgie immer mal wieder selbst im Wege zu stehen schien.

Dennoch wird man von nun an gerne zu diesem schön produzierten Hardcover mit Lesebändchen greifen, um tiefer in die faszinierende und nach wie vor etwas rätselhafte Welt des César Franck einzutauchen.

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