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Emiliano Sampaio: Life

Emiliano Sampaio: Life

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Bigbands auf Welterkundung

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Jazzneuheiten, vorgestellt von Hans-Dieter Grünefeld
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Bigbands multiplizieren nicht einfach Stimmsektionen, sondern bündeln seit je Strömungen und fächern sie zu neuen Sounds.

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Auf progressiver Linie befinden sich der komponierende Saxophonist Marius Neset und die Bergen Big Band, mit der er Perspektiven von „Time To Live“ anvisiert. Damit sind profunde Vitalfunktionen wie Atembewegungen gemeint, die sich zunächst per Minimal-Pattern eines Folkthemas durch ein Sax-Solo rapidissimo wie bei einem Concerto steigern. Dann gibt es einen balladesken Übergang zu periodischen Tonsequenzen, gekontert von Brass-Staccatos und Sax-Exklamationen, schließlich gefolgt von epikureischer Lebensfreude, die sich im ungeraden Metrum eines mexikanischen (?) Tanzes manifestiert. So hat Marius Neset subtil impulsive Jazzelemente zu Strukturen zeitgenössischer Avantgarde gefügt. (ACT)

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Emiliano Sampaio: Life

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Einem ähnlichen Sujet, nämlich „Life“, widmet sich der aus Brasilien kommende Gitarrist, Posaunist und Komponist Emiliano Sampaio. Allerdings orientiert er sich an emotionalen Umgebungen wie „Summer“, der aus einem lockeren Duo von Flügelhorn und Baritonsax in hellen Timbres durch luftiges Klanggewebe hervorscheint, während „Viva“ konventioneller Swing und kompakte Stimmführung prägt. Raffinierter dann polyphone Arpeggi, in die Saxmotive und Chorgesang eingeflochten sind, um Schlagermentalität zu suggerieren, ohne trivial zu wirken. Elegante Melodik und expressive Improvisationen sind hier mit seinem Jazz Orchestra zur Synthese gelangt. (Edition Ö1)

Organischer Herzschlag und mechanische „Reel“- oder Spulendrehungen treiben die Eight Cylinder an. Ihre „Bigband Things“ sprühen aus Funky-Beats und knalligen Brass-Riffs, begleitet und gepuscht von sphärischen Hammond-Sounds des Bandleades Matthias Bublath. Er steuert von seinem Orgel-Cockpit aus ungeraden Latin-Groove oder sanften Bar-Modus oder Swing, in die sich flirtende und wuchtige Soli einmischen. Eine zum Tanz animierende Musik in anspruchsvollen Arrangements. (Enja)

Milder dagegen ist die cineastisch inspirierte „Movie Sinfónica“. Das Repertoire ist von Julia Diederich, Christoph König, Heiko Gottberg und Matthias Anton für das German Pops Orchestra, das SWR Vokalensemble und weitere Solisten gestaltet worden. Neben romantischem Flair aus flackernden Streichern und Hornthema sind auch eleganter Cool Jazz, Tabla-Groove mit Klavier und Vibraphon sowie sakrale Aura im pathetischen Musical-Stil präsent. Unprätentiöse Klänge fürs innere Auge. (Neuklang)

Den Beginn von Existenz überhaupt, die Genesis, symbolisiert im „Minora Sky“, nimmt das Jan Schreiner Large Ensemble zum Ausgangspunkt ihrer Spurensuche. Ein lineares Thema öffnet einen Durchgang zu feiner Koloristik, die von einem Sax-Cantus filigran ornamentiert wird. In solch bukolischer Frische bringt ein „Stock im Rad“ hakelnde Drehungen und Cha-Cha-Effekte im Monk-Stil. Kurios geht es in „Astorya“ voran, wo sich ein Tuba-Flöte-Dialog im Dreier-Metrum bewegt, dann scheinbar instabil weiter im Besenswing. Kauzig und doch konsequent wird hier eine unfertige Welt erkundet, deren Charme aus unerwarteten Sounds wächst. Lebensenergie im status nascendi – grandios! (NWOG)

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