Die Dominanz von Standardbesetzungen ist passé. Aktuelle Jazz-Horizonte werden mit flexibler Stilistik in diversen Combo-Formaten angesteuert.
Kathrin Pechlof Trio
Flexible Combo-Formate
Formell hat Saxophonist Stephan Max Wirth aus Berlin ein Quintett, jedoch neben Lisa Hoppe (Bass) und Johannes Metzger (Schlagzeug) zwei eher selten kombinierte Instrumente: an der Gitarre Frank Wingold und Franz Bauer am Vibraphon. Gemäß der leitenden Metapher dieses Albums kreuzen sie sich „Wave Under Water“ wie Strömungen in struktureller Polyphonie oder verdichten sich manchmal in Clustern. Als Primus inter pares zeigt Stephan-Max Wirth emotionale „Saudade“-Glaubwürdigkeit am Tenorsax, und seine Band folgt ihm mit Fantasie auf seinem ambitionierten Fernweh-Trip, auch zurück zu vertrauten Ufern. (Galileo)
Extrem introvertiert peilen die Harfenistin Kathrin Pechlof und ihre Kompagnons Christian Weidner (Alto-Sax) und Robert Landfermann (Bass) ein „Hyperobjekt“ an. Zunächst als statischen „Lichtpunkt“, der in filigranen Dissonanzen umkreist wird. Die Timbres entstehen im Augenblick dichter Triologe, wobei manchmal die Sax-Stimme führt oder auch Bass-Flageoletts und Harfen-Arpeggi ein flüchtiges Klanggewebe spinnen. Historie schimmert aus einem Bebop-Saxmotiv im Stillstand, die Begegnung disparater Elemente wird zum konzentrierten Klangprinzip. (NWOG)
Kathrin Pechlof Trio
Umgekehrt lassen Pianist Vladyslav Sendecki & Schlagzeuger Jürgen Spiegel beim „Simple Game“ ihren Temperamenten lockere Zügel. Ein drängendes Klavier-Ostinato bereitet den Weg für ein bewegliches Drum-„Panoptikum“, dessen Rockmuster fein ausgetrommelt werden. „Come Together“, der alte Beatles-Hit, könnte das Motto dieses sehr vitalen Duos sein, denn Drum-Drive und pittoreske Tastenimprovisationen prägen dessen intuitiv bestens koordinierte Dramaturgie. (Skip)
Extravagant gestaltet der französische Violinist Clément Janinet seinen „Garden Of Silences“, woran Trompeter Arve Henriksen, Akkordeonistin Ambre Vuillermoz und Bassist Robert Lucaciu beteiligt sind. Durch flackernde Nyckelharpa und magische Brass-Sounds entsteht ein Humus für „Transformations“, zum einen in ruhiger Idylle, zum anderen in Schwebezuständen, in denen mikrotonale Timbres und Barock-Referenzen (Dietrich Buxtehude) surreale Sphären öffnen. Sublimer Kammerjazz. (BMC)
Das Ensemble Verøna aus Frankreich hat für das Projekt „Save The Trees“ den norwegischen Saxophonisten Ola Asdahl Rokkones rekrutiert und somit eine lange Zeit der Zusammenarbeit gefestigt. Das gemeinsame Sujet manifestiert sich in poetischen Songs, wobei etwa aus einem langen Flügelhorn-Thema mit einem moderaten Shuffle-Groove eine hymnische Klimax werden kann. Die Brass-Front ist nicht unbedingt kompakt, sondern in polyphoner Interaktion mit der Rhythmusgruppe, sodass sich ein relativ frei strukturiertes Motiv zum Latinstil verdichten und expressivo am Tenor-Sax entwickeln kann. Modale Melodik und empathische Improvisationen wirken wie ein klangökologischer Appell, die Natur nicht zu vergessen. (Finito Bacalao)
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