Die Generation nach den historischen Pionieren und Wegbereitern im Jazz hat ihre Mentoren nicht vergessen. An sie erinnern und vor ihnen verneigen sich Musiker der Gegenwart mit Respekt, zumal nun einige Gedenktage auf der Agenda sind.
Gregory Hutchinson: „Kind Of Now“
Hommages & Tributes
Etwa von Krzysztof Komeda (1931–1969), der jetzt 95 geworden wäre. Seine für die polnische Melancholie ebenso markanten wie einflussreichen „Songs Without Words“ hat Trompeter Piotr Schmidt für sein Sextett arrangiert und in einer Live-Aufnahme publiziert. Dazu gehört eine auf dem Mondschein-Motiv Beethovens basierende Hymne, die in typischem Trauerflor expressive Qualitäten hat. Empathie kennzeichnet diese Session, deren Dramaturgie durch gelegentliche Fuego-Phrasen von Piotr Schmidt und forciert von Perkussionstar Mino Cinelu eindringlich emotionale Schichten freilegt. Krzysztof Komeda ist eben ein Jazz-Idol in Polen, und anregend glüht sein Temperament weiter. (o-tone music)
Transatlantisch ist Miles Davis (1926–1991) eine Ikone, bekannt für seine Stil-Metamorphosen und Trend-Schwenks. Ihm horcht Schlagzeuger Gregory Hutchinson Geheimnisse der „Kind Of Now“-Rhythmik im Nu ab. Und zwar diachron, beginnend mit dynamischem Bebop des Charlie Parker-Kontrafakts „Ah-Leu-Cha“, hier mit verrücktem Basssolo von Joe Sanders und Arabesken des Trompeters Ambrose Akinmusire. Letztgenannter ist ebenso selbstsicher bei den rasanten wirbelnden „Orbits“ und flamboyanten „Bitches Brew“-Fanfaren, denen Gregory Hutchinson flexiblen Drive gibt. (Warner).
Gregory Hutchinson: „Kind Of Now“
Langjähriger Combo-Kompagnon war John Coltrane (1926–1967), der sich, nach seiner Abkehr von Miles Davis, durch eigene einflussreiche und spirituelle „Sheets of Sounds“ und freie Deklamationen profilierte. Vor allem Saxophonisten wie Branford Marsalis orientierten sich mit scharfem Vibrato und impulsiven Improvisationen an Coltraneskem. Auf „Dedicated To You“ sind solche fordernden Klänge allerdings gezähmt: die Sängerin Dianne Reeves bevorzugt eher samtene Timbres, die Branford Marsalis mit seinem Quartett dezent dekoriert. Der Titelsong ist deshalb eine feine Liebes-Ballade mit schleifenden Sax- und eleganten Klavier-Linien umgeben. Leidenschaftlich wird hier epikureisches „Lush Life“ gefeiert: Poesie statt Rebellion. (Blue Note)
Ähnlich hat der französische Sänger und Pianist Stefan Filey sein „Tribute To Wayne Shorter“, ebenfalls einst Miles Davis’ Bandpartner, gestaltet. Indem er Original-Songs mit Text unterlegte und karibisches Flair integrierte, bleiben diese „Footprints“, unisono mit Trompete gesungen, distinguiert bemerkbar. Die Tenoristen Geoffrey Secco und Yannick Soccal haben sich die lakonische Idiomatik von Wayne Shorter gut angeeignet, sodass sie bei „OM“ auch mal in freie Gefilde ausbrechen können. Ein Album mit raffinierten Klangprismen. (Quai Son Records)
Wechselnde Besetzungen hat Saxophonist Joshua Redman für seine Verneigung vor Sonny Rollins (1930–2026) rekrutiert. Am liebsten würde er „If You Ever Would Leave Us“ verhindern können, so eng fühlt er sich seinem musikalischen Paten verbunden. Virtuose Variationen im Monolog „There Will Never Be Another You“ sind sozusagen sein unverbrüchliches Bekenntnis, das im Duo mit Bassist Christian McBride bei inspiriertem „Doxy“-Original fortgesetzt wird. Hardbop Drive und rhythmische Raffinessen, etwa ein 5/4-Metrum zu „The Last Time I Saw Paris“, führen ins prägende Rollins-Repertoire. (Blue Note)
Es ist erfreulich, dass einst Erreichtes nicht in Archiven verstaubt, sondern in diesen Hommages Ansporn zur Weiterentwicklung im Jazz geworden ist
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