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„Time Is A Blind Guide“

„Time Is A Blind Guide“

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Unkonventionelle Besetzungen

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Jazzneuheiten, vorgestellt von Hans-Dieter Grünefeld
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Originelle Sounds und Diskurse können Jazzstil übergreifend durch unkonventionelle Besetzungen kenntlich sein.

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Schon zwei Multiinstrumentalisten wie Anna Lang (Cello & Klavier) und Alois Eberl (Posaune & Akkordeon) sind fähig, eine Sinfonia de Carnaval – so der Name des Duos – hervorzubringen: indem sie auf dem Album „Human Faces“ aus einfachem Cello-Reigen und Akkordeon-Motiven die Freude während einer mediterranen Fiesta formen. Jeweils per Overdubbing von Perkussion und gelegentlichen Electronics verstärkt, gelingen Rockbeats mit Posaunen-Extempores oder ein sehnsüchtiger Cello-Cantus zur Duo-Hymne. Manchmal reicht auch eine konstante Mundperkussion und ein Cello plus E-Effekte für ein munteres „Drama and Bass“. (Neuklang)

Angenehme Melodik mit Verve bieten auch die Double Drums, deren Pop-entlehntes Repertoire wie „Enjoy The Silence“ von Depeche Mode dialogisch mit Marimba und Vibraphone vorgestellt und dann von Drumset- und Bass-Grooves gepuscht wird, gar „Precious“ mit Maracas-Timbres und Timbales-Wucht vorangetrieben. Aber auch ohne solche Extras können Alex Glöggler und Philipp Jungk filigrane Duo-Melismen klöppeln. Ihr Album „All You Can Beat“ ist Circus maximus artistischer Schlagzeugmusik. (Fine Music)

Diese Ambitionen sind bei den Estonian Voices in sechs variabel arrangierten Stimmen manifestiert. „Kallimale“ (Geheimer Kuss) ist ein Zyklus aus mehreren Liebesgeschichten, Folk- oder Eigenkompositionen, deren A-cappella-Façons sich vom gigantischen Sound mit Disco-Beat, Hall-Sopran und Call-Response-Muster des Titelsongs über aparte Registermischungen auf erdigem Groove bis zu subtilem Satzgesang ausbreiten. Fabelhaft. (o-tone music)

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„Time Is A Blind Guide“

„Time Is A Blind Guide“

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In einem mühelos Ideen leitenden Fluidum bewegen sich Ayumi Tanaka (Klavier), Ole M. Vågan (Bass), Håkon Aase (Violine), Leo S. Sander (Cello), als „Time Is A Blind Guide“. Diese vom norwegischen Schlagzeuger und Komponisten Thomas Strønen geleitete Konstellation widmet sich delikaten Klängen, von „Memories Of Paul“ (Motian & Bley) paradigmatisch inspiriert. Frei assoziativ formen sich Klavier-Schnipsel und Melodiefragmente der Violine, die kein Accessoire, sondern integrales Kolorit sind, zu dynamisch subtilen Figurationen. Elegant swingende Rhythmen und temporäre Unisono-Passagen von Bass und Violine geben den „Season“-Sounds spontane Kraft. Wie überhaupt Melodik-Motive sogar perkussiv gestaltet werden. Poesie und Expression sind in diesem Quintett bestens balanciert. (ECM)

Ganz dem Free Jazz zugewandt sind Herb Robertson (Trompete), Christopher Dell (Vibraphon), Christian Ramond (Bass) und Klaus Kugel (Schlagzeug) bei ihrer „Blue Transient“-Suite in sieben Kapiteln. Das Kollektiv ordnet Klangmoleküle, auch wenn sie volatil erscheinen, ziemlich diszipliniert in hoher Interaktionsdichte. Wobei rauschende Vibraphon-Kaskaden und heftiger Drum-Swing sich zu konfrontativen Situationen ballen können, in denen sich Trompeten-Exklamationen (mit und ohne Dämpfer) sowie Bass-Vitalität als eigene Stimmungen behaupten. Blue Notes kommen lediglich in der Coda als Fazit zum Vorschein. Ziehen die Improvisationen auch wie flüchtige Momente vorüber, so sind sie doch wegen ihres intuitiven Sinns für Dramaturgie sehr hörenswert. (Nemu)

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