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The Pretty Reckless

The Pretty Reckless: Dear God

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Zwischen 30 und Zukunft

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Neuerscheinungen der Popindustrie, vorgestellt von Sven Ferchow
Vorspann / Teaser

L.A. Guns +++ Deep Purple +++ Sportfreunde Stiller +++ Beth Hart +++ The Pretty Reckless +++ Muse

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Die L.A. Guns litten ja stets unter dem Drama, nicht Guns’n’Roses geworden zu sein. Während die anderen Ikonen wurden, spielten die L.A. Guns weiter am Sunset Strip in kleinen Spelunken oder durften zuweilen die gro­ßen Stars auf Tour begleiten. Schade, alles in allem. Denn mit dem Live-Album „Live From The Guild Theatre“ beweisen die „Guns“, dass sie den fröhlichen Hardrock nicht minder gut beherrschen wie manch ihrer erfolgreicheren Gebrüder. Das Live-Album rekrutiert Songs aus acht Alben und besticht durch einen klassischen Livesound. Hier wurde nichts retuschiert. Wenn ein Ton schief sitzt, dann ist das so. Charmant. Ein Fanalbum sowieso, Nichtkennern sei ein wahlloses Hineinhören dringend empfohlen. (Cleopatra Records)

Tatsächlich. Ein frisches Deep Purple Album namens „Splat!“. Und frisch scheint ein treffendes Adjektiv für „Splat!“ zu sein. Da wird nichts aufgewärmt oder gar olle Kamellen verscherbelt. Deep Purple brettern durch die dreizehn Songs, als gäbe es kein Morgen, aber vor allem, als hätte es nie ein Gestern gegeben. Natürlich ist der Sound, das Keyboard-lastige Alleinstellungsmerkmal, geblieben. Produzent Bob Ezrin ist nebenbei unbedingt zu loben. Selten klangen Deep Purple so frisch geschlüpft. So kann man sich 2026 als Legende locker präsentieren. (Edel)

Die Sportfreunde Stiller gratulieren sich und uns mit „Happy Birthday“ zum gemeinsamen Dreißigjährigen. 30! In Zahlen! Was für ein Weg, den viele mit den Sportfreunden seit „Kompliment“ oder schon früher gegangen, gelitten und gewankt sind. Lange Rede. Das Album ist ein Band-Klassiker. Es passt wie immer alles. Tolle Texte, die sich jeder selbst übersetzen kann. Genug „freshness“, um 2026 als Rockband durchzugehen. Aber sehr bekannte alte Vibes wie Bruggers Stimme, die stets am tonalen Kippen vorbeischrammt, aber genau deswegen einzigartig ist. Dazu diese bandeigene Ironie, gar nichts und niemanden allzu ernst, aber auch nicht allzu einfach zu nehmen. Die Sportfreunde sind 2026 noch drei Freunde, die Musik machen. Mit all den Zweifeln, die den Charme der Sportfreunde ausmachen. Beiläufig zu empfehlen: die Dokumentation in der ARD Mediathek über das Bandleben der Rockburschen. Nice, nice, nice. (Sportfreunde Stiller Records)

Beth Hart, die verrückte Rock/Blues-Röhre, präsentiert „You Still Got Me“. Und genau so ist es umgekehrt. Sie hat uns sofort mit dem Opener „Savior with a Razor“, dem Slash an der Gitarre die nötige Schärfe verleiht. Jeder der siebzehn Songs brettert mit einer Unverfrorenheit um die Kurve, die man in diesem durchgeklonten Geschäft kaum noch findet. Natürlich gibt es ebenso ruhige Momente, die prinzipiell nur mir Gänsehaut zu überstehen sind (der Titelsong „You Still Got Me“) und das Gesamtbild der Beth Hart’schen Musikinspirationen gelungen abrunden. You Still Got Me“ ist ein Erlebnis, „Don’t Call the Police“ sei zum Einstieg für Unentschlossene empfohlen. (Mascot Label Group/Provogue)

Unfassbare fünf Jahre sind seit dem letzten Album von The Pretty Reckless vergangen. Sängerin Taylor Momsen und ihre Band waren stattdessen weltweit auf Tour unterwegs und entschädigen nun mit „Dear God“. Ein verdammt düsteres, fast dreckiges Rockalbum, das Höhepunkt an Höhepunkt reiht. Besonders ist die staubtrockene Produktion zu erwähnen, die aus Songs wie „For I Am Death“ oder „When I Wake Up“ wirklich fiese Roadtrip-Monster macht. Wenn Hard Rock noch erfunden werden müsste, The Pretty Reckless wären die Pioniere. Selten so ein kratzbürs­tiges Rockalbum gehört, Chapeau! (Fearless Records)

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The Pretty Reckless

The Pretty Reckless: Dear God

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Muse übertreten mit „The Wow! Signal“ wieder alle Genre-Grenzen und lassen auch sonst wenig Schlagbäume stehen. Die Zukunft ist das grobe Leitthema dieses Albums. Und die drei Engländer toben sich dementsprechend aus. Wie immer ist ein Muse-Album erstmal gewöhnungsbedürftig. Wie immer fremdelt man zunächst. Man sucht – als Hörer – Geländer, verheddert sich aber zwischen Bombast-Rock, Synthie-Klängen und futuristischen Latein-Chören, die dann in Hans Zimmer ähnlichen Kino-Dystopien verschwurbeln. Stellt man sich das Ganze im großen Live-Stil vor, kommt man schnell zur Erkenntnis, dass diese Songs höchstwahrscheinlich äußerst brachial durch die Stadien dieser Welt scheppern werden. (Warner Records)

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