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Ji-Youn Song: Mein Klavier – ganz – am Anfang. Bärenreiter, BA 10879

Ji-Youn Song: Mein Klavier – ganz – am Anfang. Bärenreiter, BA 10879

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Katzentatzen, Volkslieder und treffliche Bissen

Untertitel
Neue Notenausgaben und pädagogisches Material für Klavier
Vorspann / Teaser

Jean Sibelius: Finnische Volkslieder für Klavier +++ Friedrich Smetana: Leichte Klavierstücke und Tänze +++ Antonín Dvorák: Suite A-Dur für Klavier +++ Ferruccio Busoni: Sonatina seconda für Klavier +++ Ji-Youn Song: Mein Klavier – ganz – am Anfang +++ Andrea Fink: Spielspaß mit der Katze Tatze

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1

Jean Sibelius: Finnische Volkslieder für Klavier, hrsg. von Anna Pulkkis. Edition Breitkopf EB 9531

Das Vorwort zu den sechs Volksliedern legt die Vermutung nahe, dass der Anstoß zur Bearbeitung der Lieder von Sibelius’ Freund Axel Carpelan gekommen sein könnte. Er bezeichnete sie als melancholisch genug, um ohne Trauerflor zurechtzukommen. In der Tat haben die nordischen Lieder immer einen etwas schweren Unterton, der sie mit einem gewissen Reiz umgibt. Titel wie „Mein Schatz“ oder „Ich liebe Dich von ganzem Herzen“ sind in sich gekehrt, fast trübsinnig, mit synkopierten Begleitmustern, während „Der Abend kommt“ von einer Sechzehntelfiguration durchzogen wird, die sich wie ein friedlicher Schleier über das Dunkel legt. Aufgelöste Zweiunddreißigstel-Akkorde imitieren das Saiteninstrument in dem Lied „Das Laute spielende Mädchen“ und sorgen für eine fast expressionistisch wirkende Harmonik. Etwas seltsam mutet das Lied „Brudermörder“ an. Auch hier bedient sich Sibelius einer Synkopen-Akkordik, die von bedrohlich wirkenden, aufgelös­ten verminderten Septakkorden und rudimentären Leitern potenziert wird. Verstecktes Glockenläuten durchzieht die „Hochzeitserinnerungen“ in seliger Eintracht und Verklärtheit.

2

Friedrich Smetana: Leichte Klavierstücke und Tänze, hrsg. von Jaroslav Šindler. Bärenreiter BA 11578

Smetana war nicht nur als Komponist erfolgreich, er unterrichtete auch Klavier und betrieb eine eigene Musikschule. Daraus resultierend stand das Klavier Zeit seines Lebens im Mittelpunkt und es verwundert nicht, dass ein umfangreiches Repertoire vorliegt. Die vorliegende Sammlung enthält 17 Stücke, die einzeln stehen oder Zyklen entnommen wurden. Die Angabe des Schwierigkeitsgrades ist schon sehr weit gefasst, denn neben den ers­ten kleinen Miniaturen geht es spieltechnisch zur Sache, wird großgriffig und erfordert fundiertes Rüstzeug. Die zumeist recht unbekannten Stücke glänzen mit ausgesprochen verinnerlichter, sinnlich-kühner Harmonik, akkordischen Verzahnungen und erstaunlichen Stimmwechseln, die man dem Urheber Smetana nicht unbedingt zuordnen würde. Titel wie „Chanson“, „Unschuld“, „Liebe“, „Idyll“ oder „Stammbuchblatt“ offenbaren eine feingeistige Charakteristik, die die zwei Polkas auch nicht wirklich auszuhebeln vermögen.

3

Antonín Dvorák: Suite A-Dur für Klavier, hrsg. von Iacopo Cividini. Bärenreiter BA 10421

Die Suite in A op. 98 komponierte Dvorák während seines mehrjährigen Aufenthalts in Amerika, also nach seiner neunten Sinfonie op. 96, in einem Zeitraum von nur elf Tagen. Nach einigen Turbulenzen mit dem Verleger Simrock konnte die Suite Ende 1894 gedruckt und im gleichen Jahr im Nordosten Böhmens uraufgeführt werden. Dvorák lieferte noch eine Orchesterfassung nach, die aber unvollständig blieb und erst nach seinem Tode von einem unbekannten Meister vollendet wurde.  Das fünfsätzige Werk gehört eher zu den Randerscheinungen im Klavierwerk des Komponisten. Aufgrund seiner Nähe zur Partitur lag der vierhändige Satz Dvorák mehr als der stärker klavierbezogene Solosatz. Und doch ist die Suite ein absolut dankbares Werk: mit emotionaler Aussagekraft, voller Würde und Eleganz, mit Tonartwechseln, harmonischen Reibungen und spieltechnischem Anspruch als Garant für eine idiomatische Interpretation. Dem böhmischen Lokalkolorit bleibt er treu und streift die Eindrücke der neuen Welt nur marginal.

4

Ferruccio Busoni: Sonatina seconda für Klavier, hrsg. von Christian Schaper und Ullrich Scheideler. Henle HN 1647

Busoni schreibt 1916 an seinen Biographen Hugo Leichtentritt, dass „die 2. Sonatine…auf einem System beruht, das aus der Anlage und dem Inhalt des Stückes selbst entsteht“. Dem Verlag Breitkopf&Härtel kündigte er einen „trefflichen Bissen“ an und der Klavierlehrer und Pianist Robert Freund schrieb mit Fingerzeig auf Schönberg, „…Sie …zeigen, dass unser Tonsystem noch immer geeignet ist, Neues zu sagen“. Diese Wortmeldungen deuten auf Komplexität hin, die sich auf vielfältige Weise äußert. Schon das Notenbild warf Fragen auf bezüglich der Vorzeichensetzung, die gewöhnungsbedürftig ist, und der Notation in mehreren Systemen mit kleingedruckten Noten, was zu Schwierigkeiten bei der Drucklegung führen musste und letztendlich auch das Ablesen erschwert. Das durchkomponierte kurze Stück wartet zudem mit enormer Virtuosität auf, lebt von krassen Gegensätzen auch in Harmonik, Melodik und Tonalität und offeriert einen absolut vergeistigten, ins Mystische eintauchenden Stimmungsverlauf, der Lyrik und grollende Akkordik impliziert und im Nichts zu enden scheint.

5

Ji-Youn Song: Mein Klavier – ganz – am Anfang. Bärenreiter, BA 10879

Die aus Korea stammende Autorin verfolgt mit diesem Aktionsbuch neben der Erforschung des Instruments vor allem das Ziel, neue Spieltechniken von allem Anfang an zum Inhalt des Unterrichts zu machen. Hierbei standen ihr bedeutende Mentoren, nämlich Catherine Vickers und Wolfgang Rüdiger, zur Seite. Die Einführung in das Schriftbild der neuen Musik haben fast alle aktuellen Klavierschulen auf der Agenda. Damit sind sie eigentlich Vorreiter, aber dann stagniert die Sache leider im weiteren Verlauf der Ausbildung wegen fehlender Klavierliteratur. Neben einem umfangreichen Textteil und nützlichen Hinweisen zur Umsetzung der gestellten Aufgaben erscheint auch immer noch ein QR-Code zum Abrufen weiterer Informationen. Ji-Youn Song arbeitet handschriftlich mit vergrößerter Notenschrift, und die grafischen Elemente sind visuell kaum anders darstellbar. Das Klavier wird präpariert, Tasten werden gehalten zur Erzeugung von Obertönen, Experimente mit Pedal und Klang, Saitenglissando, Unterarmclustern und Artikulationstechniken ergänzen die Lehrmethode. Die Schüler spielen nicht nur ab, sondern gestalten mit. Die Ausgabe ist nur für Schüler geeignet, die ein Klavier besitzen.

6

Andrea Fink: Spielspaß mit der Katze Tatze. Edition Nepomuk, MN 956

Andrea Fink hat bereits mehrere Ausgaben vorgelegt, die sich mit dem spielerischen Erlernen der Notenschrift befassen. Offenbar stellt auch sie fest, dass sich Kinder oft schwertun und deshalb ein Handlungsbedarf besteht. Im Grunde genommen wartet das Heft nicht mit wirklichen Neuerungen auf, aber es kann als weiteres Angebot zum Üben der Noten im Violin- und Bassschlüssel verstanden werden. Notenkärtchen, die ausgeschnitten werden können, beziehen auch Rhythmusübungen in verschiedenen Taktarten mit ein, Bildergeschichten werden musikalisch umgesetzt und Tempi geübt. Während diese Übungen sonst in Instrumentalschulen integriert sind, hat man mit der Katze Tatze ein separates Heft in der Hand, das sich im Unterricht verschiedener Instrumente einsetzen lässt.

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