Alexander Goehr: Seven Laments | Detlef Heusinger: Lulu‘s Dream | Claude Lenners: Telefonitis | Dieter Mack: Zappa’s Delight | Bernhard Gander: Riff23
Seite 8 der nmz 2026/03
Neue Noten 2026/03 – Solistisches
1
Alexander Goehr: Seven Laments op. 110 (2023) für Klarinette in A
Schott, Mainz. ED 14168
Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Der Komponist überträgt die historische Tradition des Klagesangs auf das Instrumentalspiel und schafft am Ideal des Singens orientierte Lamenti, die auf jeweils individuelle Weise von spezifischen Klagegesten und damit verknüpften musikalischen Elementen geprägt sind.
Form, Struktur
Der Formverlauf jedes einzelnen Stücks entsteht durch motiv-thematische Weiterverarbeitung einer zugrundeliegenden melodisch-rhythmischen Grundkonstellation in ruhigem Tempo. Dabei wird trotz der allen Lamenti gemeinsamen Grundstimmung ein Maximum an Abwechslung erzeugt.
Notation, Dauer, Schwierigkeit
Die Notation weist keinerlei besondere Symbole auf, verzichtet allerdings auf jegliche Angaben zu Dynamik, Artikulation und Vortrag.
Dauer: ca. 20 Minuten
Schwierigkeitsgrad: schwer
Kommentar
Die Ausführung setzt technische Sicherheit, aber keinerlei Erfahrungen mit zeitgenössischen Spieltechniken voraus. Der Verzicht auf dynamische Angaben und Vortragsbezeichnungen erlaubt ein hohes Maß an kreativer Freiheit beim Umgang mit dem Klagecharakter der einzelnen Stücke.
2
Detlef Heusinger: Lulu‘s Dream (2019) für Gitarre
Verlag Neue Musik Berlin. NM 4449
Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Als aktualisierte Anverwandlung der Klangwelten Alban Bergs sowie als „Nachhall“ zu Detlef Heusingers eigener Neufassung des III. Aktes aus der unvollendeten Oper „Lulu“ mäandert die Komposition zwischen verschiedenen musikalischen Momenten und Atmosphären aus Bergs Komposition.
Form, Struktur
Das einsätzige Stück besteht aus ineinander übergehenden Abschnitten wechselnden Ausdrucks und Charakters. Als roter Faden für die Aneinanderreihung der einzelnen Episoden dient der immer wieder von Neuem anhebende Bezug auf zarte Flageoletttexturen.
Notation, Dauer, Schwierigkeit
An einigen Stelle ist die Gitarre in zwei Systemen notiert. Besondere Notationsarten werden im Vorwort erläutert.
Dauer: ca. 14 Minuten
Schwierigkeitsgrad: sehr schwer
Kommentar
Die technisch anspruchsvolle und klanglich sehr reizvolle Komposition konfrontiert Ausführende mit vielen dankbaren Aufgaben, die von der resonanzreichen Gestaltung der Flageolettpassagen bis hin zu raschen, von akkordischen Verläufen dominierten Werkabschnitten reicht.
3
Claude Lenners: Telefonitis (2021) für Sopran und Zuspielungen
Verlag Neue Musik Berlin. NM 4396
Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Die theatralisch-humoristische Szene für Sängerin und zugespielte Telefonklänge rückt eine Telefonistin ins Zentrum, die zunächst wie die „Personifizierung einer von Tatendrang besessenen Beamtin“ (Lenners) wirkt, sich aber allmählich als sprachgesteuerte KI-Assistentin entpuppt.
Form, Struktur
Ausgehend von einem einfachen Ineinandergreifen von Zuspielungen, rhythmisch zu vollziehenden Aktionen und Sprachimpulsen wird der einsätzige Formverlauf zu einer komplexen vokal-theatralischen Darstellung der Gefühlszustände Freude, Trauer, Angst und Zorn geformt.
Notation, Dauer, Schwierigkeit
Der Sopranpart ist um ein weiteres System für rhythmische Aktionen von Händen und Füßen erweitert. Die Partitur enthält zahlreiche Aktionsanweisungen und ausführliche Erläuterungen.
Dauer: ca. 5 Minuten
Schwierigkeitsgrad: sehr schwer
Kommentar
Die hohen Anforderungen des Stückes ergeben sich aus der Verknüpfung von spezifischen gesangstechnischen Aufgabenstellungen (beispielsweise Sprechgesang und Mikrointervalle) mit vielfältigem szenischem Agieren und setzen eine theatererfahrene Interpretin voraus.
4
Dieter Mack: Zappa’s Delight (2024) für Fagott solo
Verlag Neue Musik Berlin. NM 4136
Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Die Komposition ist als Monolog konzipiert, der – angeregt durch zahlreiche suggestive Anweisungen zum Charakter des Vortrags –, unterschiedlichste Stimmungen einfängt und sich dabei im Spannungsfeld zwischen sprachnaher Diktion, kantablem Gesang und virtuosem Überschwang bewegt.
Form, Struktur
Sechs durch Doppelstriche voneinander abgegrenzte Abschnitte von wechselnder Länge fügen sich zu einer einsätzigen Form, die alle denkbaren Ausdrucksregister des Instruments streift und sie in einen rhapsodischen Verlauf einbindet.
Notation, Dauer, Schwierigkeit
Der Notentext enthält einige Notationssymbole für ungewöhnliche Spieltechniken; an einer Stelle ist zusätzlich zum Fagottpart in einem zweiten System der Einsatz der Stimme notiert.
Dauer: ca. 7 Minuten
Schwierigkeitsgrad: schwer
Kommentar
Das Stück stellt hohe Anforderungen an die Ausführenden, bietet aber auch viele Möglichkeiten zur musikalischen Gestaltung. Sein Titel nimmt Bezug auf eine Bemerkung des Rockmusikers Frank Zappa, wonach das Fagott eines seiner Lieblingsinstrumente sei.
5
Bernhard Gander: Riff23 (2022) für Violoncello
Edition Peters, Leipzig. EP 14834
Stilrichtung, allgemeiner Charakter
In Duktus und klanglicher Realisierung orientiert sich die Komposition an der Idee eines Heavy-Metal-Gitarren-Riffs, das – bestehend aus einem rhythmisch prägnanten Ostinato-Motiv – ständig wiederholt und dabei auf unterschiedliche Weise abgewandelt wird.
Form, Struktur
Die einsätzige Komposition ist analog zu Song-Strukturen im Heavy Metal konzipiert: Ausgangspunkt ist ein 23/8-Pattern, das variative Erweiterungen in Bezug auf Melodik, Harmonik und Klangfarbe erfährt und dabei auch zu formalen Eckpunkten wie Chorus, Vers und Solo geformt wird.
Notation, Dauer, Schwierigkeit
Der Instrumentalpart bezieht Vierteltonabstufungen in melodischen und akkordischen Konfigurationen mit ein, enthält aber ansonsten keine ungewöhnlichen Notationsarten.
Dauer: ca. 11 Minuten
Schwierigkeitsgrad: sehr schwer
Kommentar
Das spieltechnisch herausfordernde Stück setzt eine sichere Intonation von Zusammenklängen und Akkorden mit Vierteltönen bei hohem Verlaufstempo voraus und verlangt eine raue Klangfarbengestaltung, die an den Einsatz verzerrter E-Gitarren gemahnt.
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