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Sir Simon Rattle und sein zünftiger Start in München. Foto: Hufner
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Sir Simon Rattle und sein zünftiger Start in München

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München - Star-Dirigent Sir Simon Rattle freut sich auf den Start als Chef des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO) in München - und macht Druck bei der Planung des neuen Konzerthauses. «Wir müssen einfach weiter arbeiten und kämpfen», sagte der 68-Jährige am Mittwoch bei der Vorstellung der Spielzeit 2023/2024. Aber es sei sinnlos, nur zu schreien. «Wir müssen mit unseren Politikern zusammenarbeiten.»

Die Neugier auf Bayern ist groß bei Sir Simon Rattle. Nach Jahren in Berlin und London will er als Chef des BR-Symphonieorchester auch gleich zünftig starten. Und er hat eine dringende Bitte an die Politik.

Der Freistaat plant das Konzerthaus, das Spielstätte des BRSO werden soll. Angesichts der geschätzten Kostensteigerung auf bis zu eine Milliarde Euro hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) aber eine Denkpause verordnet, gleichwohl liefen die Planungen weiter. In der «Süddeutschen Zeitung» beklagte Rattle nun: «Es gibt nur einfach nicht die geringste Empfindung einer Dringlichkeit». Seine Bitte an Ministerpräsident Söder: «Bitte kommen Sie und reden Sie mit uns. Wir können alle einander helfen.»

Björn Wilhelm, BR-Kulturdirektor und Mitglied der Geschäftsleitung, zeigte sich jedoch zuversichtlich. Das Orchester werde eine Heimat bekommen. Die Denkpause sei keine Absage des Projektes.

In seiner ersten Saison am Pult des BRSO will Rattle die bayerische Blasmusik kennenlernen. Rund ein Jahr lang will sein Orchester mit fünf Laienensembles aus ganz Bayern mehrere Stücke einstudieren. Beim «Symphonischen Hoagascht» am 7. Juli 2024 in München werden dann unter Rattles Leitung alle gemeinsam auf der Bühne stehen.

Neben traditioneller bayerischer Blasmusik ist auch ein eigens von dem Filmmusiker Lorenz Dangel komponiertes Werk dabei. Noch bis zum 26. Mai können sich Blaskapellen, symphonische Blasorchester und andere Laiengruppen bewerben.

«Das scheint ein perfekter Weg zu sein, um Freunde zu finden und mit verschiedenen Gruppen zu arbeiten», sagte Rattle. Bislang habe er wenig über die bayerische Musiktradition gewusst, das werde sich nun hoffentlich ändern. Auch sprachlich will der langjährige Chefdirigent der Berliner Philharmoniker und des London Symphony Orchestras noch einiges nachholen. «Mein bairischer Dialekt ist noch ziemlich am Anfang», gestand er.

Das Projekt ist Teil der Reihe «BRSO und Du». Sie richtet sich vor allem an Familien, Kinder und junge Menschen und liegt Rattle besonders am Herzen.

BR-Intendantin Katja Wildermuth nannte Rattle einen Glücksgriff. Er stehe für den Geist der Offenheit, der Kreativität und der Vielfalt. Die neue Saison startet am 21. September mit dem Oratorium «Die Schöpfung» von Joseph Haydn mit Chor, Orchester und Solisten wie dem Tenor Christian Gerhaher.

Gastkonzerte führen unter anderem nach Paris, Wien und Berlin. Auch einige Uraufführungen sind geplant. Als Gastdirigenten erwartet das Orchester unter anderem Krysztof Urbanski, Daniel Harding oder Shinyeong Sung.

 

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