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Foto: Heikki Tuuli/Fennica Gehrman
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Aus Sibelius’ Schatten

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Zum Tod des finnischen Komponisten Einojuhani Rautavaara
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Als finnischer Komponist hat man es im Schatten von Jean Sibelius nicht einfach. Einojuhani Rautavaara war einer der ersten, der mit seinem Werk den internationalen Durchbruch schaffte und sich so aus der Übermacht des großen Vorgängers befreien konnte. Er studierte in Tukur Klavier und später an der Sibelius-Akademie in Helsinki Komposition bei Aarre Merikanto. Mit dem Koussevitsky-Stpipendium ermöglichte ihm Sibelius höchstpersönlich, seine Studien an der Juilliard School of Music in New York bei Vincent Persichetti und am Tanglewood Music Center bei Roger Sessions und Aaron Copland fortzuführen. Es folgte ein Privatstudium der Zwölftontechnik bei Wladimir Vogel in Ascona. Nach seinen Studien wurde Rautavaara selbst als Lehrender tätig, von 1976 bis 1990 als Professor für Komposition an der Sibelius-Akademie.

Der preisgekrönte Komponist schrieb acht Sinfonien, die den Grundstock seines Œuvres bilden. Auch seine Solokonzerte für Klavier, Violine, Harfe und Klarinette erfreuen sich großer Beliebtheit. Mit „All-Night Vigil“ für Chor a capella machte Rautavaara einen Schritt in Richtung Vokalmusik, woraufhin Opern, darunter „Vincent“, „Aleksis Kivi“ und „The House of the Sun“ folgten. Die Oper „Rasputin“ ist sein letztes Bühnenwerk und erzählt vom gleichnamigen Mystiker und Heiler. 

Sein Werk zu kategorisieren fällt nicht leicht. Als Konstanten lassen sich aber nordische Mystik, eine romantische Naturverbundenheit und das Motiv des Engels herauslesen. Seine enge Bindung an Traditionen kombinierte Rautavaara mit modernen Kompositionselementen, etwa in seinem Stück „Cantus Arcticus“, einem „Konzert für Vögel und Orchester“. In der Kombination aus den eigens aufgenommenen Vogelstimmen mit dem sinfonischen Apparat findet er zu einer ganz eigenen Klanglichkeit jenseits der Naturidylle. Ebenfalls inspiriert vom Hohen Norden ist die Sinfonie No. 7 „Angel of light“, in der er seine Kindheitserinnerungen verarbeitete. Am 27. Juli 2016 ist Einojuhani Rautavaara im Alter von 87 Jahren verstorben.

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