„Neue Klavieretüden“, Andreas Skouras, Klavier, Mittwoch, 23.09.2026, 20:00 Uhr, Schwere Reiter, München Veranstalter: scope | Spielraum für aktuelle Musik
Glücklich versammelt nach dem Konzert: Minas Borboudakis, Brett Dean, Tobias PM Schneid, Andreas Skouras und Hans Lüdemann. Foto:privat (Christine Gruber-Skouras)
„Atemberaubende Virtuosität“
Der Münchner Pianist Andreas Skouras erkundet unermüdlich neues und selten zu hörendes Repertoire. Ein echtes Glanzlicht setzte er nun im Münchner „Schwere Reiter“ mit 21 neuen Klavieretüden von Brett Dean, Hans Lüdemann, Tobias PM Schneid und Minas Borboudakis, die alle anwesend waren. Der erfolgreiche Australier Dean hat seine elf 2009–2023 entstandenen „Homage Etudes“ nicht als Zyklus geplant, auch wenn sie mittlerweile in einem Notenband vorliegen. Daher ergab es durchaus Sinn, dass Skouras sie gruppenweise im Wechsel mit den anderen Komponisten vortrug.
Dean spürt in allen Etüden gewissen Eigenheiten des jeweils gehuldigten „Vorbilds“ nach. Es gibt, freilich meist gut versteckt, einige kleinere Zitate, die jedoch nie den Materialkern seiner höchst individuellen Kompositionen darstellen. So durfte man erwarten, dass sich in „Hommage à Janáček“ kurze Motivzellen wiederholen, die „Hommage à Lutosławski“ teils wie gelenkte Aleatorik klingt und die erste Bach- Hommage Figurationen ähnlich dem c-Moll-Präludium aus WTK I spiegelt oder bricht. Deren zweite ist eine souveräne Transkription von „Gute Nacht, o Wesen“ aus der Motette BWV 277. „Music for Drakenstein“ bringt spannend Beethovens Mondscheinsonate ins Spiel. Dass Skouras Deans Verneigung vor Brahms, ausdrücklich als Zwischenspiele zu dessen letzten Klavierstücken gedacht, dann ohne Op. 119, Nr. 4 anbot, blieb verschmerzbar, weil der Pianist dem späten Brahms musikalisch eh einiges schuldig blieb. Deans Musik entwickelt sich hier auf Begleitfiguren; Melancholie mit gewissen Leerräumen, die unerfüllte Liebe zu Clara Schumann reflektierend. „Faustian Pact“ erwies sich als vielschichtige, großartig virtuose Auseinandersetzung mit Liszt: dunkel – zuvor spielte Skouras dessen hier zitierte „Nuages gris“ – bis tranceartig besessen.
„Clocks in Clouds“ aus den „Rhythmic Etudes“ des Jazz-Pianisten Hans Lüdemann verweist bereits durch den Titel auf Minimalismus im Stile Ligetis. Das etwas lang geratene, Ostinati zu Lärm steigernde und rezitativisch verebbende Stück wirkte leider recht blass. Die knapperen sechs Etüden von Tobias PM Schneid, stets mit geschickter Ausnutzung von Resonanzen, äußerst anspruchsvoll und erfrischend abwechslungsreich, ergeben hingegen einen dankbaren, schillernden Zyklus.
Wie Schneids Etüden erlebten die drei „Nuances“ von Minas Borboudakis durch Skouras hier ihre vom Publikum begeistert gefeierte Uraufführung. Musikalisch absolut überzeugend sind die „Nuances“ zudem echte Etüden: „Les bleus de la mer“ über Doppelgriffe, das dritte Stück „Green eyes and grey pows on a black coat“ eine Klang- und Trillerstudie. Nr. 2 „Black Pixels. Golden Dust“ wurde als richtiger Klavierkracher klar zum Höhepunkt des gesamten Abends, atemberaubend energetisch.
Andreas Skouras bewies mit enormer Differenzierungskunst und bewundernswertem Durchhaltevermögen, dass vieles der vorgestellten Klaviermusik tatsächlich repertoirefähig sein dürfte. Die vortreffliche Darbietung wurde vom BR mitgeschnitten.
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