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Prof. h.c. Christoph Mayer, Geiger, Instrumentalpädagoge und Musikphysiologe. Foto: Nadine Targiel

Prof. h.c. Christoph Mayer, Geiger, Instrumentalpädagoge und Musikphysiologe. Foto: Nadine Targiel

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Briefe an die Tonkünstler

Untertitel
von Prof. h.c. Christoph Mayer
Vorspann / Teaser

Liebe Kolleginnen und Kollegen, 

gegen Ende meines Violinstudiums hatte ich links immer wieder starke, anhaltende Nacken- und Schulter­schmerzen. Trotz eines Krankheits­semesters mit Physio und ärztlicher Intervention änderte sich wenig, da die Ursache (im Nachhinein sehr klar, nämlich mein körperlicher Umgang mit dem Instrument) von niemandem erkannt wurde. 

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Nach meinem Abschluss ging ich ei­nige Male zu Gerrit Onne van de Klas­horst, dem Gründer der Dispokinese, um Hilfe zu bekommen. Dort wurden Videoaufnahmen beim Spielen ge­macht, speziell von meinem Rücken, wodurch mir erstmalig klar wurde, woher die Probleme rührten. Eine Verbesserung gab es aber nicht, vor allem, weil er mir eine spezielle, maß­geschneiderte Schulterstütze „ver­schrieb“ und damit meine Fehlhaltung „zementierte“. 

Mittlerweile hatte ich nach schwie­rigen Proben und Konzerten immer Mi­gräne, die sich glücklicherweise nach zwei Jahren Alexandertechnikunter­richts und regelmäßigem Tai Chi lang­sam besserte. Danach folgten viele Jah­re im Beruf, in denen ich zwar an der Musik große Freude hatte, aber mir das Instrument zunehmend leid wur­de, weil ich alles mühsam fand und sich auch kein spieltechnischer Fortschritt mehr einstellen wollte. 

Durch Zufall gelangte ich zu Sergey Fatkulin, einem russischen Violinpä­dagogen und zeitweiligem Assistenten von Zakhar Bron, der in Russland für seinen hervorragenen Kinderunterricht bekannt war. 

Beim Unterricht durch ihn wurde mir klar, dass die Technik, mit der ich ge­spielt hatte, meinen Körper sehr belastete und dass es zum Teil tatsächlich einfache Lösungen gibt. Schon in der ersten Unterrichtsstunde hatte ich so viele Aha-Erlebnisse, dass „ein Leben mit der Geige“ wieder möglich schien! 

Meine wichtigste Erkenntnis war, dass im Gegensatz zu allem, was mir immer gesagt worden war, das Gei­gespielen leicht sein kann, körperlich frei und unbeschwert. Fatkulin sagte, dass die Geige für den Menschen kon­zipiert wurde und nicht anders herum. Ich lernte bei ihm die Violintechnik, die beispielsweise Vengerov und Repin be­nutzen. 

Nach dieser Zeit habe ich relativ schnell festgestellt: um eine gute Spiel­technik umsetzen zu können, braucht es aber auch gewisse körperliche Vo­raussetzungen. Wenn sich die Körper­haltung über die Jahre verschlechtert und unser Körper diese Haltung und Fehlspannung von Muskulatur, Faszien und Gelenken konserviert hat, müssen natürlich nicht nur die Technik, sondern auch entsprechende physiologische Ge­gebenheiten geändert werden! 

Daher habe ich mich lange mit Musik­physiologie und ihrer Verbindung zur In­strumentaltechnik beschäftigt, unter an­derem auch mit einer günstigen Schul­terdisposition (eine aus meiner Sicht ganz entscheidende Grundlage) und - ungeplant - eine ganzheitliche, musik­physiologisch günstige Violintechnik entwickelt, mit der ich heute Menschen helfe, die in ähnlichen Nöten sind wie ich damals. 

Bestimmt bin ich kein Einzelfall, da­her schreibe ich Euch das, liebe Kolle­ginnen und Kollegen. 

Das Wichtigste ist die Erkenntnis, dass Hilfe möglich ist. Auslöser für Pro­bleme können individuelle Instrumen­taltechnik, körperliche Gegebenheiten oder emotionale Situationen sein: für alles gibt es individuelle Lösungen und Menschen mit guter Expertise, da die Problematik heute sehr viel bekannter ist als früher! 

Und, habt keine Scheu und keine Scham: 

Wir Coaches urteilen nicht über Eure Qualität als Künstler – niemand sollte das – denn das eine hat nichts mit dem anderen zu tun!! 

Unser Ziel ist es, allen die Möglich­keit zu geben, (wieder) frei und unbe­schwert zu musizieren. 

Liebe Grüße, Euer Christoph 

Und – bleibt neugierig! 

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