Nach meinem Abschluss ging ich einige Male zu Gerrit Onne van de Klashorst, dem Gründer der Dispokinese, um Hilfe zu bekommen. Dort wurden Videoaufnahmen beim Spielen gemacht, speziell von meinem Rücken, wodurch mir erstmalig klar wurde, woher die Probleme rührten. Eine Verbesserung gab es aber nicht, vor allem, weil er mir eine spezielle, maßgeschneiderte Schulterstütze „verschrieb“ und damit meine Fehlhaltung „zementierte“.
Mittlerweile hatte ich nach schwierigen Proben und Konzerten immer Migräne, die sich glücklicherweise nach zwei Jahren Alexandertechnikunterrichts und regelmäßigem Tai Chi langsam besserte. Danach folgten viele Jahre im Beruf, in denen ich zwar an der Musik große Freude hatte, aber mir das Instrument zunehmend leid wurde, weil ich alles mühsam fand und sich auch kein spieltechnischer Fortschritt mehr einstellen wollte.
Durch Zufall gelangte ich zu Sergey Fatkulin, einem russischen Violinpädagogen und zeitweiligem Assistenten von Zakhar Bron, der in Russland für seinen hervorragenen Kinderunterricht bekannt war.
Beim Unterricht durch ihn wurde mir klar, dass die Technik, mit der ich gespielt hatte, meinen Körper sehr belastete und dass es zum Teil tatsächlich einfache Lösungen gibt. Schon in der ersten Unterrichtsstunde hatte ich so viele Aha-Erlebnisse, dass „ein Leben mit der Geige“ wieder möglich schien!
Meine wichtigste Erkenntnis war, dass im Gegensatz zu allem, was mir immer gesagt worden war, das Geigespielen leicht sein kann, körperlich frei und unbeschwert. Fatkulin sagte, dass die Geige für den Menschen konzipiert wurde und nicht anders herum. Ich lernte bei ihm die Violintechnik, die beispielsweise Vengerov und Repin benutzen.
Nach dieser Zeit habe ich relativ schnell festgestellt: um eine gute Spieltechnik umsetzen zu können, braucht es aber auch gewisse körperliche Voraussetzungen. Wenn sich die Körperhaltung über die Jahre verschlechtert und unser Körper diese Haltung und Fehlspannung von Muskulatur, Faszien und Gelenken konserviert hat, müssen natürlich nicht nur die Technik, sondern auch entsprechende physiologische Gegebenheiten geändert werden!
Daher habe ich mich lange mit Musikphysiologie und ihrer Verbindung zur Instrumentaltechnik beschäftigt, unter anderem auch mit einer günstigen Schulterdisposition (eine aus meiner Sicht ganz entscheidende Grundlage) und - ungeplant - eine ganzheitliche, musikphysiologisch günstige Violintechnik entwickelt, mit der ich heute Menschen helfe, die in ähnlichen Nöten sind wie ich damals.
Bestimmt bin ich kein Einzelfall, daher schreibe ich Euch das, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Das Wichtigste ist die Erkenntnis, dass Hilfe möglich ist. Auslöser für Probleme können individuelle Instrumentaltechnik, körperliche Gegebenheiten oder emotionale Situationen sein: für alles gibt es individuelle Lösungen und Menschen mit guter Expertise, da die Problematik heute sehr viel bekannter ist als früher!
Und, habt keine Scheu und keine Scham:
Wir Coaches urteilen nicht über Eure Qualität als Künstler – niemand sollte das – denn das eine hat nichts mit dem anderen zu tun!!
Unser Ziel ist es, allen die Möglichkeit zu geben, (wieder) frei und unbeschwert zu musizieren.
Liebe Grüße, Euer Christoph
Und – bleibt neugierig!