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die Musiker und Nikolaus Brass (rechts). Foto: © Eckhart Hermann

Glücklich nach dem Konzert: die Musiker und Nikolaus Brass (rechts). Foto: © Eckhart Hermann

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Einfühlsame Annäherungen

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Überraschendes in einem Konzert zu Nikolaus Brass in München
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Wo gibt es das, dass man in einem Kon­zert Genaueres über Leben und Werk des gespielten Komponisten erfährt? Das gab es in München im Carl-Orff- Zentrum in Form eines Gesprächskon­zerts (von der Münchner Gesellschaft für Neue Musik veranstaltet), in dem die Monographie über Nikolaus Brass in Anwesenheit des Komponisten vor­gestellt wurde.

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Nach einer Begrüßung durch Dr. Rösch, den Direktor des Carl-Orff- Zentrums, stellte Franzpeter Mess­mer, der Herausgeber der Monogra­phie (beauftragt vom Tonkünstlerver­band Bayern e. V.), diese kurz vor. 

Die Gespräche, die dem Publikum Leben und Werk des Komponisten nä­herbrachten, fanden einerseits statt durch die ausübenden Musiker, die auch Artikel im Buch geschrieben hat­ten, und andererseits durch den Kom­ponisten selbst in einem Gespräch mit Alexander Hooper, dem Vorsitzenden der MGNM. 

Das erste Gespräch mit den Musi­kern KP Werani und Frank Reinecke war von A. Hooper als Interview ge­staltet worden, in dem er sich beson­ders für deren Doppelrolle als Inter­pret und Autor im Buch interessierte. Man erhielt Einblicke in die Freude am Schreiben, die aber auch zur Last wer­den kann, wenn es darum geht, dem Komponisten im Artikel gerecht zu werden. 

Einfühlsam näherte sich Hooper dem Komponisten Nikolaus Brass selbst, in­dem er es ihm überließ, über seinen Werdegang und die Entstehung des Buches zu sprechen. Auf diese Weise erfuhr das Publikum vieles über eine kräftezehrende Mischung aus pri­vater, beruflicher (Brass war Medizi­ner) und musikalischer Arbeit. Brass bezeichnete sich selbst bescheiden als „Suchenden“ und wir hörten Er­staunliches über sein Alter Ego na­mens Schwarzenberg. Er berichtete, dieser Schwarzenberg tauche in seiner literarischen Arbeit auf und spreche das aus, was er, N. Brass, nicht selbst sagen kann. Zum Abschluss des Ge­sprächs las Brass Auszüge aus seinem Corona-Tagebuch. 

Was wäre ein Konzert ohne Musik? Zwischen den Gesprächen erklangen klein besetzte Werke des Komponisten. Wir hörten drei solistische Werke (für Viola, Kontrabass und Klavier), ge­spielt von KP Werani, Frank Reinecke und Jean-Pierre Collot. Was das Kla­vierstück mit dem Titel Orpheus-Bli­cke betraf, so durfte das Publikum da sogar einer Uraufführung beiwohnen. Für alle drei Interpreten gilt: man be­staunt ihre technische Fertigkeit und Durchdringung der Musik. Es ist nicht so, dass man bemerken würde, wieviel Technik die Werke benötigen, nein, al­les kommt leicht und selbstverständ­lich daher. Man ahnt nur, dass die Mu­sik vermutlich mit Schwierigkeiten gespickt ist. Im Viola-Solostück herr­schen zarte und zerbrechliche Klän­ge vor. Die drei Kontrabass-Sätze mit dem Titel „Flucht“ zeigen die gesam­ten Klangmöglichkeiten des Instru­ments, dass ein Kontrabass von sanft bis drohend klingen kann. Die Urauf­führung des Klavierwerks (geschrieben 2025) zeigt uns einen neuen Brass. Mir schien es, als loteten die beiden älteren Werke die Pianissimo-Farben aus, wäh­rend sich das neue Stück mit dem For­tissimo beschäftigt. 

Insgesamt war es ein Abend, der uns die lohnende Bekanntschaft mit einem Komponisten neuer Musik verschaff­te und überraschende Einblicke ge­währte.

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