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Einige Gedanken zum Tag der deutschen Einheit

Untertitel
Liebe Lese­rinnen und Leser aus den alten Bundes­ländern, habt ein bisschen Geduld mit uns Ossis
Vorspann / Teaser

Am 9. November 1989, da fielen Weih­nachten und Kaisergeburtstag (das sagte meine Mutter immer bei beson­deren Anlässen) auf einen Tag. Die Mauer bekam erst Risse, dann Löcher und dann fiel sie um. 

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Die Wende ist nun 36 Jahre her und ich sage und schreibe immer wieder: Nein, ich will sie nicht wiederhaben und ja, ich bin immer und bis heute für die Wiedervereinigung. Denn die­ser Tag war der schönste Moment in meinem Leben und noch heute freue ich mich darüber. Viele werden darü­ber ganz oder teilweise anders denken. Aber ich finde, man muss Helmut Kohl dankbar sein, dass er den „Mantel der Geschichte“ ergriffen hat, auch wenn es am Anfang hässliche Begleitumstän­de gab. Aber nie hätte ich das schöne Bayern kennengelernt, oder den Köl­ner Dom, das Bremer Fußballstadion, das wunderschöne Lübeck. Und nie wä­ren wir den Rhein und die Mosel hinab­gefahren, an der Loreley vorbei bis in die Schweiz. Und ihr, liebe Leserinnen und Leser aus dem Westen hättet nie die Ostsee und die drei kleinen liebens­werten Städte Wismar, Stralsund und Greifswald kennengelernt, oder mei­ne Geburtsstadt Görlitz oder das uralte Quedlinburg oder die Wartburg. 

Meine Schüler:innen studieren mitt­lerweile in Greifswald und Cottbus, aber auch in Bremen, Frankfurt und München. Meine Ärztin ist aus Westfa­len, mein Urologe aus Niedersachsen. Im gemeinsamen Alltag hilft das was immer hilft: Geduld, Freundlichkeit, ein kleiner Scherz, ein netter Blick. Der Rest findet sich. Für die jungen Leute sind alle diese alten Konflikte sowieso Vergangenheit, ihnen steht die Welt tat­sächlich weit offen. 

Und deshalb meine Bitte: Liebe Lese­rinnen und Leser aus den alten Bundes­ländern, habt ein bisschen Geduld mit uns Ossis. Der Graben, der uns trennte, war ziemlich tief und alles braucht sei­ne Zeit. Und liebe Leserinnen und Leser aus den neuen Bundesländern, habt ein bisschen Geduld mit den Wessis. Der Graben, der uns trennte, war ziemlich tief und alles braucht seine Zeit. Und alles wird wahrscheinlich gut werden. Musik bitte ! 

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