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Prof. Tobias Becker. Foto: © Paul Jacot

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Fünf Fragen zu den neuen Honorarstandards für „Komposition und Arrangement“

Untertitel
Von Anja Schlenker-Rapke an Vor­standsmitglied Prof. Tobias Becker
Vorspann / Teaser

Anja Schlenker-Rapke: Wie ist die ak­tuelle Situation bei der Vergütung von Kompositionen und Arrangements? 

Tobias Becker: Abgesehen von den institutionalisierten Orchestern und Bands, die beim Rundfunk oder Staat angesiedelt sind und feste Sätze für Auftragskompositionen und Arran­gements haben, gibt es einen großen Wildwuchs. Allzu oft höre ich, dass Arrangements für Dumpingpreise er­stellt werden. Das liegt meist daran, dass weder die Auftraggeber noch die Auftragnehmer den Gegenwert eines Arrangements oder einer Kompositi­on einordnen können. Dies ist eben etwas abstrakter als bei einem Büh­nenkünstler, bei dem man das Ergeb­nis unmittelbar sehen, hören und er­leben kann. 

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Schlenker-Rapke: Komposition ist ja ein Studiengang an Musikhochschu­len. Kann man nach Abschluss eines Kompositionsstudiums von dieser Profession leben? 

Becker: Pauschal kann man das ge­nauso wenig beantworten wie bei einem Solisten-Studium. Manche können das, manche haben ähnlich wie bei Instrumentalisten einen Mix aus Unterrichten, Auftritten und eben Schreiben. Grundsätzlich kann man aber festhalten, dass es zunehmend schwerer wird ausschließlich vom Schreiben zu leben. Dies liegt natür­lich stark an der sich verändernden Branche, sinkenden Tantiemen von den Verwertungsgesellschaften, aber eben auch an dem fehlenden Bewusst­sein für eine angemessene Preisgestal­tung. 

Schlenker-Rapke: Woran bemisst sich der finanzielle Wert einer Kompositi­on, eines Arrangements? 

Becker: Auch hier ist es ähnlich wie bei einem Bühnenkünstler. Eine Mi­schung aus Zeitaufwand und künstle­rischem „Standing“. Letzterer Punkt ist natürlich eher ein „Softfact“. Aber selbstverständlich hat jeder Künstler seinen Marktwert, der auch zu einem gewissen Grad in die Preisgestaltung einfließt. Die hier dargestellten Preise beziehen sich auf einen Mindeststan­dard, der die Arbeitszeit in ein Verhält­nis zu einer angemessenen, existenz­sichernden Entlohnung setzt. Zusätz­lich muss berücksichtigt werden, dass Arrangements in der Regel immer als Einmalzahlung honoriert und aus ur­heberrechtlichen Gründen keine Tan­tiemen ausgeschüttet werden, ganz egal wie oft die Bearbeitung aufge­führt wird. 

Schlenker-Rapke: Wer sind die Auf­traggeber für Kompositionen und/oder Arrangements? 

Becker: Das kann vom Musikschul­orchester, über den Gesangsverein, das städtische Blas- oder Akkordeonorchester, ein Theater, eine der un­zähligen freien Bigbands und Orchester oder die institutionalisierten Big- Bands, Staats-, Rundfunk- und Mi­litär-Orchester gehen. Oft brauchen die Klangkörper Bearbeitungen für Sänger:innen oder Spezialarrange­ments, die es bei den einschlägigen Verlagen nicht zu kaufen gibt. Natür­lich auch Auftragskompositionen für spezielle Anlässe, Konzerte und so weiter. Wie man sieht ist das ein rie­siger Markt, dessen Preisgestaltung aber allzu oft fernab jeglicher wirt­schaftlicher Realität ist. 

Schlenker-Rapke: Was muss sich für Komponistinnen und Komponisten fi­nanziell konkret verbessern? 

Becker: Es braucht eine Orientie­rungshilfe für eine angemessene Ver­gütung von Komponist :innen und Arrangeur:innen. Oft fehlt das Be­wusstsein wieviel Zeit die Erstellung eines Arrangements oder einer Kom­position beansprucht, wieviel Wis­sen, Erfahrung und Ausbildung nötig sind, um dies gewissenhaft und auf hohem Niveau auszuführen. In der Regel sprechen wir beim Arrangieren und Komponieren nicht von mehre­ren Stunden, sondern von mehreren Tagen. So erklärt sich auch, dass der Preis für ein Arrangement schnell im fünfstelligen Bereich liegen kann. Die Honorarstandards im Bereich Kom­position und Arrangement soll zum einen den Kolleg:innen mehr Sicher­heit im Verhandeln von angemessenen Gagen bieten. Zum anderen können sich Auftraggeber:innen so ein Bild machen, was branchenübliche Sätze für die jeweilige Besetzung und Län­ge der Komposition beziehungsweise des Arrangements sind.

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