Es fand im Rahmen der „Musikalischen Begegnungen“ statt. So heißt die Konzertreihe, die der Bezirksverband Dortmund/Südwestfalen des DTKV 2023 gegründet hat. Unser Ziel ist es, die künstlerische Seite unseres Verbandes mehr in die Öffentlichkeit zu bringen. Den Rahmen bilden ein akustisch guter Konzertraum für etwa 60 Personen, ein guter Flügel und die Bereitschaft unserer Mitglieder, dort ohne Gage zu musizieren.
Gestalten gemeinsam künstlerische Projekte im DTKV NRW: Enrique Bernardo, Seula Lee, Alexander Schröder, Werner Marihart und Jens Zumbült (v.l.n.r). Foto: © Barbara Schmitz
Stimmig kombiniert, seelische Abgründe
Auf Initiative des Landesverbandes NRW des DTKV entwickelten 2025 Kolleg:innen aus mehreren Bezirksverbänden Ideen für eine Arbeitsgruppe „Künstlerische Projekte“, um den künstlerischen Austausch zwischen den Bezirksverbänden anzuregen.
Am 8. Februar 2026 gab es nun den gelungenen Auftakt: Das erste Konzert der „Künstlerischen Projekte“, mit romantischen Werken für Klavier und Gesang. Die Kollegin und die Kollegen aus Münster und Dortmund spannten in ihrem Programm den Bogen vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis ins 20. Jahrhundert; die Kompositionen machten die vielen verschiedenen Facetten romantischer Musik erfahrbar.
Eine Auswahl aus Franz Schuberts „Die schöne Müllerin“ nach Gedichten von Wilhelm Müller, sehr stimmig kombiniert von Jens Zumbült, Tenor, und Werner Marihart, Klavier, entführte die Hörer:innen in die Gefühlswelt der frühen Romantik mit all ihren seelischen Abgründen und emotionalen Extremzuständen. Die Interpreten brachten die Seelenverwandtschaft von Dichter und Komponist überzeugend zum Ausdruck.
Eine Entdeckung waren die Klavierwerke von Sergei Bortkiewicz (1877– 1952), komponiert fast 100 Jahre nach Schubert. Der Komponist wurde in der heutigen Ukraine geboren und lebte später in Wien und Berlin. Seine Vorbilder waren und blieben die Romantiker, vor allem Frédéric Chopin. In den drei Mazurken op.64 brachte Alexander Schröder mit seiner schwungvollen Interpretation überzeugend zum Ausdruck, wie raffiniert der Komponist Chopins Mazurka-Stil mit den neuen Salon-Klängen, die um 1900 so beliebt wurden, zu kombinieren wusste.
Überraschend ist auch die Vielseitigkeit in Klang und Form in den Fantasiestücken op.61. Die Musik ist bei aller Klanggewalt immer fein gearbeitet, die verschiedenen Stimmen und Klangflächen immer transparent. Bortkiewicz ließ hier Poesie und Musik eine enge Verbindung eingehen; jedes Fantasiestück trägt einen Titel. Der Pianistin Seula Lee gelang es mit ihrer sehr schlüssigen Interpretation, beim Hören wirklich ein Bild oder eine Geschichte entstehen zu lassen.
Eine ganz andere Romantik-Welt repräsentieren die Kompositionen von Franz Lehár („Dein ist mein ganzes Herz“), Francesco Cilea (Arie aus seiner Oper „L’Arlesiana“), Salvatore Cardillo („Core n’grato“, uraufgeführt von Caruso) und Agustin Lara („Granada“). Alle diese Kompositionen haben in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die Theater, Konzertsäle und Rundfunksender erobert und sind – so konnte man merken – auch heute noch den meisten im Publikum bekannt. Weit weg von der sehr individuellen, oft introvertierten frühen Romantik ging es hier um die Wirkung auf der großen Bühne – es war die große Zeit von Operette und Kunstlied-Schlager. Enrique Bernardo, Tenor, begleitete sich selbst am Klavier; und es gelang ihm überzeugend, diese Bravour-Arien mit Bühnen-Atmosphäre zu umgeben und mit dem Klavier ein ganzes Orchester darzustellen.
Mit herzlichem und stürmischem Applaus verabschiedete das Publikum die Künstlerin und die Künstler. In den Gesprächen im Foyer, bei Snacks und Getränken, gab es einen lebhaften Austausch zwischen Interpreten und Publikum. Es wurde deutlich, dass dieser Nachmittag musikalische Überraschungen, Vergnügen und Begeisterung geboten hatte.
Wir Kolleg:innen der beteiligten Bezirksverbände werden gern weiterhin an den „Künstlerischen Projekten“ mitarbeiten und wünschen und hoffen, dass der Kreis der Teilnehmer nach diesem vielversprechenden Anfang wachsen wird.
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