Hauptbild
Dominik Wilgenbus, Foto: © Christina Iberl

Dominik Wilgenbus, freischaffender Opern- und Theaterregisseur, München. Foto: © Christina Iberl

Banner Full-Size

Lebenswerk Utopie

Untertitel
„Oh, diese Jeunesses!“ – gesehen von Dominik Wilgenbus zum 75-jährigen Jubiläum der JMD
Vorspann / Teaser

Mit 17 Jahren wurde ich 1983 Mitglied der Jeunesses Musicales, um ihren Kompositionskurs zu besuchen. Zeit­gleich wagte der Opernkurs Wagners Rheingold. Ich erlebte die Endproben und dachte nicht im Entferntesten da­ran, Regisseur zu werden und es je in Weikersheim zu sein. Als 23 Jah­re später das Angebot kam, Rossinis Cenerentola zu inszenieren, und man mir die Jeunesses schmackhaft machen wollte, war meine überraschte, begeis­terte Antwort: „Nicht nötig, schaut mal in eurem Archiv nach.” 

Publikationsdatum
Paragraphs
Text

Am 17. März letzten Jahres war ich auf dem Weg zum Start meiner vierten Weikersheimer Regiearbeit, der Fledermaus, als mich beim An­blick von Schlosshof, Garten und Ge­wehrhaus plötzlich die Erkenntnis mit voller Wucht traf, was dieser Ort und das, wofür er steht, mir bedeu­ten: nichts Geringeres als eines der wichtigsten Kapitel meines Lebens, und dank zahlreicher hier geschlos­sener Bekannt- und Freundschaften nicht nur meines Berufslebens. 

An den konträren Biografien zweier Ehemaliger werden Auftrag und Be­sonderheit der Jungen Oper klar: Ein Sänger, 2007 in der Cenerentola noch kaum offen für das hier Vermittelte, dankte mir Jahre später für die Wei­kersheimer Erfahrung, der er die Ent­wicklung seiner Bühnenpersönlichkeit und den Weg zum freiberuflichen So­listen entscheidend verdanke. Ein an­derer, beim Figaro 2015 eine heraus­ragende Entdeckung, hat der Bühne inzwischen den Rücken gekehrt man­gels Aussicht auf die Erfüllung seiner von Weikersheim bestätigten und ge­schärften Ansprüche. 

Die Junge Oper der Jeunesses Musi­cales will also dem Nachwuchs nicht bloß zeigen, wie der real existierende Theaterbetrieb funktioniert (das tut der sowieso am besten und schnells­ten selbst). 

Vielmehr geht es ihr um eine leben­dige Musiktheater-Utopie und die Mit­tel zu ihrer Verwirklichung; um jun­ge Menschen, die den Menschen vom Menschsein erzählen. Die Überein­stimmung der Ziele aller daran Mitar­beitenden mit meinen eigenen genie­ße ich so sehr, dass jede Wiederkehr nach Weikersheim sich wie das Nach­hausekommen zu einem Familienfest anfühlt. 

Meine ganz persönliche Weikershei­mer Utopie schließt den vor 43 Jahren beschrittenen Kreis: ich komponiere eine Oper, und die Junge Oper führt sie auf... 

Print-Rubriken
Unterrubrik