Seit dem 1. Januar 2025 ist die Musikschule Villa Musica Altdorf Mitglied im Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen e. V. (VBSM). Nach anderthalb Jahren zieht Schulleiter Andreas Csok eine positive Bilanz. Die Mitgliedschaft bringt fachliche und organisatorische Impulse, eröffnet neue Möglichkeiten des Austauschs und unterstützt die Musikschule dabei, ihr eigenes Profil weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt steht für Csok dabei eine Frage: Wie kann Musikschule heute so gestaltet werden, dass Kinder und Jugendliche gerne kommen und Musik als etwas erleben, das ihnen Freude macht?
Andreas Csok, Leiter der Musikschule Villa Musica Altdorf, möchte gemeinsam im VBSM Strukturen praxistauglich weiterentwickeln. Foto: privat
Musikschule neu denken
Neue Impulse für die Musikschularbeit
Bereits in der Vorbereitung auf die Mitgliedschaft erlebte Csok die Zusammenarbeit mit dem VBSM sehr positiv. „Ich empfinde die Zusammenarbeit als außergewöhnlich angenehm, da der Verband sehr offen, nahbar und sympathisch auftritt – das schafft eine Atmosphäre, in der Zusammenarbeit nicht nur professionell funktioniert, sondern auch wirklich Freude macht.“ Neben dem Personalkostenzuschuss, der zur Entlastung des kommunalen Haushalts beiträgt, schätzt er vor allem die fachlichen und organisatorischen Unterstützungsangebote.
Die Mitgliedschaft hat auch innerhalb der Musikschule neue Perspektiven eröffnet. „Durch die Impulse und den Austausch im Verband schaut man wieder bewusster auf gewisse Details und erkennt, an welchen kleinen Stellschrauben man drehen kann, damit das große Ganze noch besser funktioniert.“ Konkret wurden unter anderem Vertragsgestaltung, Dienstanweisung, Ferienüberhang, Kinder- und Jugendschutzkonzept, Urlaubszeit und Zusammenhangstätigkeiten überarbeitet oder neu eingeführt. Für die Lehrkräfte sind zudem Fortbildungen sowie Veranstaltungen wie der Kongress des Verbands deutscher Musikschulen und der Bayerische Musikschultag wichtige Möglichkeiten, neue Impulse zu erhalten und sich mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. „Und das kommt letztlich auch bei unseren Schülerinnen und Schülern an, weil neue Ideen und Ansätze direkt in den Unterricht und unsere Musikschularbeit einfließen.“
Freude am Musizieren und gemeinsames Musikmachen
Für Csok bedeutet zeitgemäße Musikschule allerdings nicht nur gute Strukturen, sondern vor allem eine Pädagogik, die sich an der Lebenswelt junger Menschen orientiert. Lange Schultage wegen des Nachmittagsunterrichts und weitere Freizeitaktivitäten verändern die Rahmenbedingungen, unter denen Musikunterricht stattfindet. „Wir müssen deshalb immer wieder überlegen: Wie schaffen wir es, dass Kinder gerne zu uns kommen und Musik als etwas erleben, das ihnen Freude macht?“ Dabei möchte die Villa Musica auch digitale Möglichkeiten nutzen: von der Arbeit mit Videoplattformen über das eigene Arrangieren von Songs mit hierfür konzipierten Tools bis hin zum Einsatz von KI bei der Entwicklung von Unterrichtsideen.
Eine besondere Bedeutung hat für Csok das gemeinsame Musizieren. „Musik entfaltet für mich gerade dann ihre besondere Wirkung, wenn sie gemeinsam entsteht; in Ensembles, Bands und Projekten.“ Wenn Schülerinnen und Schüler erleben, dass das im Einzelunterricht Erlernte Teil eines gemeinsamen Sounds wird, entsteht eine zusätzliche Motivation. Genau diese Verbindung aus musikalischer Qualität, Freude und Gemeinschaft soll das Profil der Villa Musica prägen: „Wir möchten musikalische Qualität vermitteln, aber gleichzeitig eine junge, offene und zeitgemäße Musikschule sein, die sich weiterentwickelt und sich an der Lebenswelt ihrer Schülerinnen und Schüler orientiert.“
Mehr als eine Zahl im Haushaltsplan
Auch für Altdorf und die Region sieht Csok die Musikschule nicht nur als kulturelle Einrichtung, sondern als wichtigen Bildungs- und Begegnungsort. Die Zusammenarbeit mit Bürgermeister, Geschäftsführung und Gemeinderat erlebt er als wertschätzend und offen für neue Wege. Ein Beispiel dafür ist die neue Gebührenstruktur auf Grundlage des Haushaltsbruttoeinkommens. Gleichzeitig wünscht sich Csok, dass der Wert musikalischer Bildung nicht allein am finanziellen Ergebnis einer kommunalen Musikschule gemessen wird. „Wenn diese jungen Menschen später in einem Bewerbungsgespräch sitzen, bringen sie Eigenschaften wie Teamfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Zielstrebigkeit, Ausdauer und Verlässlichkeit mit. Natürlich steht auf keinem Haushaltsplan direkt daneben, welchen Anteil die Musikschule daran hatte.“
Für die kommenden Jahre beschäftigt ihn deshalb neben der pädagogischen Weiterentwicklung auch die Frage nach zeitgemäßen Rahmenbedingungen für Musikschulen. Unterricht, Konzerte, Veranstaltungen und Zusammenhangstätigkeiten lassen sich nicht immer problemlos in klassische Arbeitszeitmodelle einordnen. Hier sieht Csok auch den VBSM als wichtigen Gesprächspartner: Viele dieser Fragen beträfen nicht nur Altdorf, sondern kommunale Musikschulen grundsätzlich. Seine Vision: „gemeinsam Lösungen und Strukturen weiterzuentwickeln, die transparent, fair und gleichzeitig praxistauglich sind.“ Denn im Prozess entstehen viele Fragen, deshalb gilt für ihn: „Ich finde, man sollte sie stellen dürfen!“
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