Hof/Lichtenberg. Ein großartiges Galakonzert bildete den krönenden Abschluss des 9. Internationalen Violinwettbewerbs Henri Marteau: Siegerin Maya Alexandra Kasprzak, die aus einer polnisch-japanischen Familie stammt und in Hannover geboren wurde, zeigte beim Abschlusskonzert mit den Hofer Symphonikern unter der Leitung von Chefdirigent Martijn Dendievel im Festsaal der Freiheitshalle, dass sie völlig zu Recht den Gesamtsieg davontrug. Sie hatte sich dazu das Violinkonzert D-Dur von Brahms ausgewählt, das sie hochkonzentriert und absolut virtuos musizierte und dabei viele Feinheiten und Details kenntnisreich herausarbeitete. Mit großem künstlerischen Ernst, echter Zuneigung und beträchtlicher Sorgfalt spielte Maya Alexandra Kasprzak kraftvoll zupackend und erhielt dafür am Ende einen Riesenapplaus.
Gewinnerin Maya Alexandra Kasprzak. Foto: © Frank Wunderatsch
Champions-League der jungen Stargeiger
Es waren 150 junge Geiger aus 40 Ländern angemeldet, 91 aus 28 Ländern sind angetreten. Erstmals in der Geschichte des Wettbewerbs wurden nicht nur an drei, sondern an alle sechs Finalisten Geldpreise vergeben. Den 1. Platz erzielte die 20-jährige Maya Alexandra Kasprzak, die für ihre außergewöhnliche und überzeugende Leistung unter anderem ein Preisgeld von 10.000 Euro erhält, gestiftet von der Wilo-Foundation.
Auf den 2. Platz spielte sich der jüngste Teilnehmer, der erst elfjährige Jayden King aus den USA. Er besucht bereits die renommierte Juilliard Pre-College Division in New York und kann sich über 7.500 Euro Preisgeld freuen, das von der Oberfrankenstiftung zur Verfügung gestellt wurde. Den 3. Platz belegt der Spanier David Martínez González, der 5.000 Euro für seine hervorragende Leistung erhielt, gestiftet vom Freundeskreis Haus Marteau. Die Ränge 4 bis 6 belegen Oleksii Tyshchenko (19) aus der Ukraine, Sasha Parker (19) aus Großbritannien und Ziwen Wang (23) aus China.
Bei dem Wettbewerb wurden außerdem mehrere mit jeweils 1.000 Euro dotierte Sonderpreise, gestiftet vom Freundeskreis Haus Marteau, vergeben: Den Magister-Wilfried-Schönweiß-Preis für die beste Interpretation einer Komposition von Reger gewann ebenfalls Ziwen Wang aus China. Der Ukrainer Oleksii Tyshchenko erspielte sich den Publikumspreis. Der Dr.-Günter-Bendorf-Gedenkpreis für die beste Marteau-Interpretation ging an den Spanier David Martínez González, der Wolfgang-Winkler-Gedenkpreis für die beste Bach-Interpretation an Rokas Dirzys aus Litauen. Junxi Li (20) aus China darf sich über die Leihgabe einer Kopie der berühmten Maggini-Geige Marteaus freuen, die von Geigenbaumeister Ekkard Seidl aus Marktneukirchen gefertigt wurde. Gesamtsiegerin Maya Alexandra Kasprzak wurde zudem mit dem Sonderpreis für die beste Mozart-Interpretation ausgezeichnet, zur Verfügung gestellt von der Tolls-Stiftung. Zehn Violinschüler der Musikschule der Hofer Symphoniker vergaben zudem den Jugendjurypreis an den elfjährigen Jayden King. Mit ursprünglich 150 Anmeldungen sei ein neuer Rekord erreicht worden, hieß es von Seiten der Hofer Symphoniker, die den Wettbewerb im Auftrag des Bezirks Oberfranken organisieren.
Die Bandbreite reichte von Teilnehmern aus Taiwan, Südkorea und Kanada über Studenten der großen internationalen Musikhochschulen bis zu jungen Geigern aus ganz Europa.
Lange und anstrengende Vorrunden lagen hinter ihnen, ehe die Jury die Finalisten bekannt gegeben hatte. Alle Teilnehmer wetteiferten mit der Interpretation von Werken Bachs, Mozarts und Paganinis um das Weiterkommen. Die sechs Finalisten präsentierten sich der Jury mit einem Violinkonzert, zusammen mit den Hofer Symphonikern unter Leitung des Chefdirigenten Martijn Dendievel.
Die Eröffnung und die Vorrunden fanden in Haus Marteau in Lichtenberg statt, der Internationalen Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken und früheren Wohnstätte des berühmten Geigers und Komponisten Henri Marteau. Der Violinvirtuose hatte sich dort mit seinen Sommerakademien auch der Lehre verschrieben. Der Intention nachgehend hatte der Freundeskreis der Musikbegegnungsstätte Haus Marteau 2002 beschlossen, dem Meister zu Ehren einen Violinwettbewerb ins Leben zu rufen. Und so fand der Wettbewerb zunächst ehrenamtlich organisiert, seit 2008 unter der Trägerschaft des Bezirks Oberfranken, mittlerweile zum neunten Mal statt.
Der Violinwettbewerb bringt viele Studierende aus der ganzen Welt nach Oberfranken und trägt den Namen der Internationalen Musikbegegnungsstätte weit in die Welt hinaus. „Es macht mich glücklich, zu sehen, wie hier junge Menschen über Grenzen hinweg eine gute Zeit zusammen verbringen und im einzigartigen Ambiente der Künstlervilla in Lichtenberg ein echtes Miteinander entsteht“, sagte Bezirkstagspräsident Henry Schramm.
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