Abgesang des Hessischen Rundfunks: „Der Ball ist rund“ vor dem Aus?


(nmz) -
Im Rundfunk gibt es durchaus Institutionen, die durch Personen repräsentiert sind. Gerade im Bereich der populären Musikkultur gehören die musikalischen Vertrauensmänner und -frauen zum Kapital, auch von Rundfunkstationen. Einer der berühmtesten war sicherlich John Peel. Was bedeutet es also, wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender, hier der Hessische Rundfunk (Welle 3), diese Musiklebensstationen aus dem Programm werfen will? Es heißt: Fortschreitend langsamer Abschied vom Rundfunk als Einrichtung des öffentlichen Lebens.
27.11.2008 - Von Martin Hufner

Beim Hessischen Rundfunk sollen Klaus Walter („Der Ball ist rund“), Volker Rebell („Rebell“) und Werner Reinke gehen. Doch Widerstand rührt sich zaghaft. Auf der für diesen Zweck eingerichteten Website finden sich Hinweise zur aktuellen Entwicklung sowie eine elektronische Unterschriftenliste.

Wir protestieren gegen die Abschaffung von Klaus Walters Der Ball ist rund und anderer Autoren-Sendungen bei HR3. Bitte erhalten Sie die wenigen Inseln im täglichen Einerlei.

Die Begründungen für die gewünschte Einstellung der Sendungen sind hinlänglich bekannt. So heißt es,

HR3 müsse „sein Programm mehr auf die Mitte und den Mainstream fokussieren.” Außerdem müsse HR3 „rund um die Uhr durchhörbar sein”.

Dazu passen Sendungen wie diejenige von Klaus Walter, die auch der Autor dieses Textes in den 80er Jahren regelmäßig hörte, offenbar nicht. Dass dies ein Qualitätsmerkmal sein könnte, will vielen im Rundfunk wohl nicht einleuchten.

Der hessische Rundfunk übrigens auf Erfahrungen beim Verändern zum Schlechten zurückgreifen, als man 2004 die Sendungen „Schwarz Weiß – Musik in Farbe“ und „Der Tag“ aus HR1 kippen wollte. „Der Tag“ allerdings konnte rudimentär gerettet werden. Vielleicht klappt es dieses Mal ja auch.

Es scheint nötiger als zuvor, auf Initiativen zum Erhalt eines qualitativ hochwertigen Radios hinzuweisen. Für die „klassische E-Musik“ tut dies seit bald 5 Jahren die Initiative „Das GANZE Werk“, unermüdlich im Norden und seit zwei Jahren auch in Berlin.

Sicher ist ein spektakulärer Auftritt eines Reich-Ranicki im Fernsehen das größere und polarisierendere Ereignis. Doch das Fernsehen in seinen Hauptströmungen darf man wohl einfach abhaken.

“Beim Hessischen Rundfunk

Beim Hessischen Rundfunk sollen Klaus Walter („Der Ball ist rund“), Volker Rebell („Rebell“) und Werner Reinke gehen.”

Das ist sachlich falsch. Werner Reinke wechselt mit seiner Sendung lediglich zu hr1, sonst bleibt alles beim alten - sogar die Sendezeit. Was aber korrekt ist: Volker Rebell und Klaus Walter hingegen sollen tatsächlich gehen.


Das stimmt.

Dann danke ich für diesen Hinweis und die Korrektur. Wikipedia notiert dazu:

Werner Reinke wird voraussichtlich zu hr1 wechseln. Reinke bestätigte diese Aussage in seiner Sendung am 01.11.2008. Seine Einschaltquoten hätten sich vergrößert und man wolle das Potenzial für hr1 nutzen. Die aktuelle Sendung hr3 – extra am Samstag soll unverändert zu hr1 wechseln.

Möchte aber durchaus hinzufügen, dass in einigen Fällen die Änderung des Wellenplatzes auch nicht immer unproblematisch ist. Aber die Umwidmung scheint dem ersten Eindruck nach einvernehmlich.


Generation "Neugierig" oder Generation "Mainstream"

Da versteht einer die Welt nicht mehr. Einerseits will die ARD junges Publikum gewinnen (s. folgende ddp-Meldung)und andererseits schafft sie anspruchsvolle Jugendsendungen ab. Wie viel Niveau sprechen die Funk-Verantwortlichen ihren jungen Hörern eigentlich zu?

ARD will stärker junges Publikum ansprechen
Saarbrücken (ddp). Die ARD will verstärkt junges Publikum unter 30 ansprechen. Die Intendanten und Gremienvorsitzenden der ARD verständigten sich auf ihrer Hauptversammlung in Saarbrücken auf Eckpunkte für eine Gesamtstrategie, wie der Senderverbund am Mittwoch mitteilte.

Danach setzt die ARD bei Jugendangeboten insbesondere auf Internet und Multimediaangebote. Für 2010 plant die Konferenz der Gremienvorsitzenden (GVK) zudem ein zweites Jugendforum mit Programmmachern und Vertretern gesellschaftlicher Gruppen, um den Nutzwert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für die jüngeren Gebührenzahler zu diskutieren. Bereits im Frühjahr dieses Jahres hatte das Forum «Öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Jugend – ein (noch) seltenes Paar?» über eine verbesserte Ansprache jüngerer Zielgruppen beraten.

Die GVK sprach sich auch dafür aus, die Vor- und Nachteile eines Jugendfernsehkanals und -portals zu prüfen. ARD-Vorsitzender Fritz Raff sieht jedoch aufgrund der hohen Kosten vorerst kaum eine Realisierungschance für so einen eigenen Kanal. Seiner Ansicht nach wäre ein solches Projekt kaum unter 20 Millionen Euro umzusetzen.


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