Apropos: Käse und Musik und Musik und Käse – Musikforschung aktuell


(nmz) -
Musikalische Forschung beschreitet manchmal kuriose Wege. Das wissen wir nicht nur aus der Dissonanz|Konsonanzforschung, deren Ergebnisse seit 500 Jahren Musikgeschichte nur Kopfzerbrechen hervorgerufen haben und im dialektischen Dickicht von das Eine geht nicht ohne das Andere ein unlösbares Problem für die Sinneswahrnehmung des europäischen Menschen darstellt. Es sei denn man komponiert wie Ludovico E. (Name der Musikwelt und der Redaktion bekannt). Hier stinkt doch was nicht. Alles über Musik und Käse.
09.04.2019 - Von Martin Hufner

Neulich meldete die taz aus Berlin eine Neuigkeit aus der unendlichen Welt der Forschung. „Mozart und Led Zeppelin bewegen nicht nur Menschen, sondern auch Emmentaler. Das haben Forscher*innen in der Schweiz herausgefunden“ berichtet man aus den Urgründen des „Ewigmiefigen“. Salz drauf!

Wer meint, „Oh, Leute, für den ersten April ist es jetzt aber doch reichlich spät“, der stellt fest, die Meldung datiert vom 19. März 2019. Es handelt sich keinesfalls um keine Zeitungsente. Genaueres zum Forschungsstand, finden Sie auf der Website von https://cheeseinsound.ch/. „Das Experiment ist gelungen: Schallwellen beeinflussen den Stoffwechselprozess von Käse.“ Das erklärt endlich auch, warum in Bayerischen Bierzelten so gerne Emmentaler gereicht und verzehrt wird. Er hat durch die dort angebotenen Musikdarbietungen quasi turbomäßig an Reife gewonnen. Das ist toll. Umgekehrt wäre es allerdings wirklich eine Nachricht. Und das bringt uns zur Musik zurück.

Wo wir nämlich beim Käse sind, einer kulinarisch-lukullischen Erfahrung unserer gesamten körperlichen Sensoren, muss man zwingend auf ein Ludovico-E.-Konzert in der Berliner Philharmonie hinweisen. Die Kritikerinnen in Berlin haben das ganze hochgejazzt, obwohl da offenbar gegen den Einschlafimpuls angearbeitet werden musste. So geht eben Pressearbeit und gutes Marketing: An der Lullmusik von Ludovico E. führt einfach kein Weg vorbei.

Eindrücke: Jens Lehmann hat für den lokalen Provinzsender rbb notiert: „Es herrscht Hochstimmung. Tue ich Einaudi, diesem freundlichen italienischen Onkel so Unrecht? Ist sogar Weltfrieden möglich, wenn alle ihre Dosis Einaudi bekommen…? Oder gehen sich doch irgendwann alle vor lauter Gleichförmigkeit an die Gurgel?“

Matthias Nöther hat für das Provinzblatt „Berliner Morgenpost“ formuliert: „An ersterbender Zartheit kann Musik auch ersticken, das lernt man hier. Eine Melodie gibt es nicht, das ist das Ängstliche daran.“

Höre ich da etwa ein paar Vorurteile mitschwingen, diese kritische Überheblichkeit und Atemnot des teutschen Fölljetongs? Kann denn Konsonanz wirklich Sünde sein? Ist Ludovico E. gar ein Killerkomponist?

Ein Vorschlag zur Güte und zur musikalischen Basisforschung: Wie wäre es denn dann wohl, brächte man Emmentaler und Einaudi in den gleichen Reifungskeller und überprüft den Einfluss von Emmentaler auf die Kompositionen von Einaudi? Das Ergebnis ist vorhersehbar. Der Käse wird wahrscheinlich keinen positiven Einfluss auf die musikalische Reife des Neo-Klassik-Stars ausüben, der ganz stinknormal seine Runden im musikalischen Rückhaltebecken der Musikgeschichte dreht.

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