Die Inszenierung in der Musik – Giuseppe Verdis „Macbeth“ in Bremerhaven


(nmz) -
Stehende Ovationen gibt es Konzerten des öfteren, in der Oper seltener. Jetzt aber erhob sich nach der Premiere von Giuseppe Verdis „Macbeth“ in Bremerhaven geschlossen das ganze Publikum. Was hatte da so beeindruckt?
18.09.2022 - Von Ute Schalz-Laurenze

Ganz sicher die Musik unter der Leitung Marc Niemanns (Generalmusikdirektor seit 2014), der dem Philharmonischen Orchester Bremerhaven und dem Opernchor (Leitung: Mario El Fakih Hernández) einen enormen Reichtum an Farben, Gesten und Akzenten entlockte. Fast war es so, dass sich die Inszenierung von Verdis Außenseiter-Werk mit ihrer Wucht und Grellheit in der musikalischen Interpretation abspielte. Niemanns Dirigat zeigte die Konturen des Werks wunderbar: fahle Farben, erregende Crescendi, geisterhafte Stimmungen, bedrohliche Sounds, denen man kaum noch das traditionelle Sinfonieorchester anhörte.

Leider war das nicht in gleichem Masse bei der Inszenierung der Fall. Was Philipp Westerbarkei da zusammengebaut hatte (auch das Bühnenbild ist von ihm), war ordentlich. Ohne Rätsel lief sehr geradeaus die gruselige Story aus dem 12. Jahrhundert ab, in der der Feldherr Macbeth unter dem Einfluss seiner noch böseren Frau alle ermordet, die ihn am Königwerden hindern könnten. Westerbarkei ließ aber auf ganz unterschiedlichen Ebenen Ecken, Kanten und Konturen vermissen. Da waren einmal im Dauerdunkel der Szene inhaltliche Gruppen äußerlich wenig voneinander unterschieden: Die Chöre der Hexen, die Festgesellschaft zu Macbeth’ Krönung, die drei Weissagungen, die schottischen Aufständischen und sogar die acht Erscheinungen, die Macbeth um den Rest seines Verstandes bringen, sahen alle in schwarzen Fantasie-Kostümen gleich aus.

Die komplexe und komplizierte gegenseitige Abhängigkeit der Eheleute Macbeth und seiner Lady, ihre psychische Kaputtheit, ihre gegenseitige Verfallenheit, erfuhr nur eine andeutungsweise Umsetzung. Zuerst leben die beiden recht spießig in einem dunklen Raum mit vielen Türen, die Lady ein bisschen sexy und er im Bademantel. Signe Heiberg als Lady überzeugte als Sängerin fast zu viel, weil Verdi für seine Oper eine ganz andere realistische Musiksprache verlangt: „ich wünsche, dass die Lady überhaupt nicht singt, (…) ich möchte eine rauhe, erstickte, hohle Stimme, (…) sie soll etwas Teuflisches haben…!“. Auf diesem Hintergrund war es viel zu schön, was Heiberg sang, aber das dann ganz fabelhaft. Marian Pop als Macbeth singt gut, mächtig und auch schön, versucht eine Menge seelische Differenzierungen und Klangnuancierungen, verfällt aber mit viel gezappeltem Arme-hochwerfen immer wieder in Klischees. Aber er hat große Momente. Überzeugend besetzt waren Macduff und Malcolm (Konstantinos Klironomos und Andrew Irwin).

  • Die nächsten Aufführungen am Stadttheater Bremerhaven:  29.09., 1.10., 15.10., 21.10., 18.11., 23.11., 29.12. jeweils um 19.30

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