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Alle Artikel kategorisiert unter »Ute Schalz-Laurenze«

Die Götterwelt im schweizerischen Bergdorf – „Die Walküre“ am Staatstheater Oldenburg

12.09.17 (Ute Schalz-Laurenze) -
Die „Hojotoho“-Rufe der acht stimmstarken Walküren im intimen Staatstheater Oldenburg zu ertragen, ist schon grenzwertig, Das allerdings würde in keiner Weise die Legitimität der Aufführung in Frage stellen. Seit vielen Jahren wird Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ so erfolgreich an kleinen Theatern gespielt, dass der eher abwertende Begriff „Provinztheater“ nicht mehr verwendet werden sollte.

Spitzendeckchen und Fremdenhass – Henzes „Der junge Lord“ an der Staatsoper Hannover

05.09.17 (Ute Schalz-Laurenze) -
Unvergessen sind die Zeiten der 50er und 60er Jahre, in denen Hans Werner Henze (1926-2012) von vielen gar nicht ernst genommen wurde, weil er jeglicher Art von Moderne, besonders der Darmstädter Schule mit ihrer geradezu orthodox vertretenen seriellen und elektronischen Musik angeekelt den Rücken kehrte, sozusagen ein Apostel des Wohllauts wurde. Gleichwohl hat er die Zwölftontechnik Arnold Schönbergs sorgfältig studiert und begreift sich (auch) in deren Nachfolge.

Mit oder ohne Gott? – Giorgio Battistellis Oper „Lot“ an der Niedersächsischen Staatsoper uraufgeführt

03.04.17 (Ute Schalz-Laurenze) -
Am Anfang ziehen Abraham und Sara über die Szene und werden vom Kindgott, der Pappmenschen bastelt, ebenso gemaßregelt wie ihnen die Geburt eines Sohnes prophezeit wird. Bei der Gelegenheit versucht der uralte Abraham, mit Gott die geplante Vernichtung von Sodom mit seinen sündigen Bewohnern zu verhandeln, denn sein „gerechter“ Neffe Lot lebt dort mit seiner Frau und zwei Töchtern. Die Vernichtung ist nicht aufzuhalten, aber Lots Familie soll gerettet werden.

Hector Berlioz‘ „La Damnation de Faust“ in Bremen

21.03.17 (Ute Schalz-Laurenze) -
Wenn man in den Zuschauerraum kommt, ist Faust längst da, er ist einer von uns. Auf einem Steg, mitten in das Foyer hineingebaut, irrt der weißgekleidete Rothaarige unsicher umher und es ist von vornherein klar: mit dem Goethe‘schen Intellektuellen und dessen Sinnsuche hat dieser hier nichts zu tun. Es ist mit einem kleinen Bonsai-Baum im durchsichtigen Rucksack der eher depressive Versager von Hector Berlioz, der seiner „dramatischen Legende“ den Titel „La Damnation de Faust“ gegeben hat.

„Lulu ist meine Heldin“ – Barbara Hannigan ist als sensationelle Lulu in Alban Bergs „Lulu“ an der Hamburgischen Staatsoper

14.02.17 (Ute Schalz-Laurenze) -
Mit einem markerschütternden Schrei stirbt Lulu, ermordet von ihrem letzten Freier. Sie erhält als Requiem ein gut halbstündiges Violinkonzert. Mit diesem ebenso überraschenden wie ergreifenden Schluss endete die Premiere von Alban Bergs 1935 entstandener unvollendeter Oper „Lulu“ an der Hamburgischen Staatsoper.

Bernd Mottl findet in Hannover eine radikale Lösung für den „Fliegenden Holländer“ von Richard Wagner

12.02.17 (Ute Schalz-Laurenze) -
Die Grundproblematik in Richard Wagners 1841 entstandener, 1843 uraufgeführter Oper, mit der der Komponist den traditionellen „Opernstil“ überwinden wollte, ist bekannt und es gibt bei keiner einzigen Inszenierung ein Missverständnis darüber, dass hier weder der Holländer die Senta irgendwie liebt, noch Senta den Holländer: die Partner sind immer Projektionen für eine seelische Sehnsucht, nämlich die nach Erlösung, was ja fortan Wagners Lebens- und Werkthema werden sollte.

„Vom Wesen des Besitzes“ – Richard Wagners „Rheingold“ hatte Premiere am Staatstheater Oldenburg

06.02.17 (Ute Schalz-Laurenze) -
Ein gut platziertes „Bravo“ ging dem Beifallssturm nach der Aufführung von Richard Wagners „Rheingold“ am Oldenburgischen Staatstheater voraus. Zu Recht. Nach dem „Vorabend“ des „Ring des Nibelungen“ ist der gesamte Zyklus erstmals in der Geschichte des Oldenburgischen Staatstheaters geplant.

„Ein kleiner Bub bei den Schafen“ – Karl Amadeus Hartmanns Simplicius Simplicissimus in Bremen

30.01.17 (Ute Schalz-Laurenze) -
Der kleine Simplicius Simplicissimus, der „allereinfältigste“, „ein kleiner Bub bei den Schafen“, so der Erzähler, betet in dem ihm vom Eremiten beigebrachten „Vater unser“ „Und erlöse uns von dem Reich“. Natürlich hat der 1905 geborene Karl Amadeus Hartmann das in seiner 1934 entstandenen Oper erst einmal verstecken müssen: er vergrub die Partitur im Garten seiner Schwiegereltern in seinem inneren Exil in der Schweiz.

Bewegung in der Bewegungslosigkeit – Uraufführung von Younghi Pagh-Paans Streichquartett

19.01.17 (Ute Schalz-Laurenze) -
„Elphi“ heißt es schon liebevoll und der gerade eröffneten Hamburger Elbphilharmonie ist – bei allem Verständnis für die Proteste – nur das Beste zu wünschen (wir berichteten). Im Fernsehen haben Millionen die Eröffnung des großen Saales mit seiner phänomenalen Akustik gesehen und nun gab es im Kleinen Saal ein denkwürdiges Konzert.

Psychokiste: Richard Wagners „Der Fliegende Holländer“ am Stadttheater Bremerhaven

31.10.16 (Ute Schalz-Laurenze) -
Eigentlich reden alle eher verzweifelt aneinander vorbei. In Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ (1841/43) liebt die Kapitänstochter Senta nicht den Holländer, sondern sein Bild und ihre neurotische Vision, ihn zu erlösen: ein pubertäres Mädel in schwarzen Hosen, T-Shirt und Pferdeschwanz. Der Holländer liebt nicht Senta, sondern die Möglichkeit seiner Erlösung von seinem Fluch, lebenslang auf dem Meer fahren zu müssen: schwarzer romantischer Fantasie-Anzug und schwarz umränderte Augen. Sentas Vater Daland liebt nicht seine Tochter, sondern erzwingt eine vergewaltigende Kindeshaltung, er verkauft das Mädchen gegen viel Geld: er zappelt recht unsicher, aber gleichzeitig immer siegesgewiss. Der Jäger Erik ist vielleicht noch der einzige „normale“ in dieser Konstellation, doch seine Liebe zu Senta erstickt an seiner Unfähigkeit, Senta gehen zu lassen: er im korrekten schwarzen Anzug. Nichts also ist verstellt durch historisierende Kostüme.
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