Ein Schweizer für die Semperoper: Peter Theiler soll Intendant in Dresden werden


(nmz) -
Zuerst war es nur ein Gerücht, dann wurde es rasch zur Tatsache: Peter Theiler soll Intendant der Sächsischen Staatsoper Dresden werden. Der 1956 in Basel geborene Theatermann wurde von Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange dazu auserkoren, die seit dem Tod von Ulrike Hessler vakante Position neu zu besetzen.
02.07.2015 - Von Michael Ernst

Obwohl in der jüngsten Vergangenheit eine Menge an Namen durch die Gerüchteküche waberten – Peter Theiler stand nicht auf der Liste. Während dazu an den Theatern noch vielsagend geschwiegen wurde, hat die Politikerin diese Entscheidung bestätigt und bald darauf auch offiziell gemacht.

„Die Semperoper ist einzigartig, daher haben wir in dem Spektrum gesucht, das diesem Haus angemessen ist.“ Klingt in diesem Satz der Ministerin schon mit an, dass Dresden derzeit nicht auf dem Niveau von Berlin, Hamburg oder München rangiert, sondern eben in der Liga Nürnbergs? Wie dem auch sei, die Fehler ihrer Amtsvorgängerin Sabine von Schorlemer wollte sie nicht wiederholen. In deren Ägide war auch schon mal der Belgier Serge Dorny als Chef der Semperoper vorgesehen, doch dem Intendanten der Oper Lyon wurde bekanntlich im Februar 2014, gut ein halbes Jahr vor seinem Amtsantritt, der Stuhl schon wieder vor die Türe gesetzt. Seitdem verkehren Freistaat und Dorny nur über Anwälte miteinander.

Diesmal soll also alles ganz anders werden. „Wir haben, so wie wir das auch bei Ulrike Hessler in meiner ersten Amtszeit gemacht haben, alle einbezogen, die künftig mit dem Intendanten zusammenzuarbeiten haben. Das ist natürlich Herr Thielemann, das sind die Staatskapelle und der Orchestervorstand, das ist auch Herr Rothe, der die Geschäfte sehr gut führt. Ich ziehe den Hut vor ihm und seinem Team, wie gut das jetzt überbrückt wurde.“

Wolfgang Rothe ist Kaufmännischer Geschäftsführer und kommissarischer Intendant der Semperoper, er freut sich auf Peter Theiler: „Als international vernetzter Künstler hat er erfolgreich Koproduktionen und Kooperationen mit vielen Bühnen in Europa gepflegt, hat dabei Traditionen hinterfragt und mit dem Mut zu Neuem zu verbinden gewusst. Ich freue mich auf einen kompetenten Partner, um mit ihm gemeinsam die Semperoper Dresden als eines der führenden Opernhäuser Europas künstlerisch und wirtschaftlich zu befördern.“

An Chefdirigent Christian Thielemann und dessen Unverträglichkeit mit Serge Dorny soll im vorigen Jahr ja alles gelegen haben, was für den juristischen Scherbenhaufen gesorgt hat. Wobei die jetzige Staatsministerin sofort widerspricht: „Ob das wirklich am Chefdirigenten gescheitert ist, lasse ich mal dahingestellt. Weil ich was anderes gehört habe, dass es da insgesamt ein größeres Konfliktfeld gegeben hat. Ich werde das aber nicht kommentieren, weil das vor meiner Zeit war und wir uns jetzt in einem Gerichtsverfahren befinden.“ Denn noch immer geht es um offene Abfindungssummen, die sich Dorny von Sachsens Steuerzahlern erhofft.

Eva-Maria Stange, von Schorlemers Vorgängerin und Nachfolgerin im Ministerinnenamt, hat im Gegensatz zu ihr absichtsvoll nicht auf eine Findungskommission gesetzt, sondern hielt selbst Ausschau und verließ sich auf berufenen Rat von Insidern. In etwa so ähnlich war es schon in ihrer ersten Amtszeit, als sie 2010 Ulrike Hessler von München nach Dresden geholt hatte.

Mit Peter Theiler tritt nun ein gebürtiger Schweizer (Jahrgang 1956) die Amtsnachfolge an. Seit 2008 ist er Staatsintendant und Operndirektor am Staatstheater Nürnberg, einem Dreispartentheater, dem er vertraglich noch bis 2018 verbunden ist. Der aus Basel stammende Theiler studierte Geschichte und Deutsche Literaturwissenschaft, arbeitete als Regisseur und Spielleiter an zahlreichen Bühnen in Deutschland, Frankreich und in der Schweiz. Besonders die frühe Zusammenarbeit mit Regisseurin Ruth Berghaus soll ihn sehr beeinflusst haben. Zudem gilt er als Netzwerker mit einem reichen Erfahrungsschatz.

Für ihn sprechen gewiss seine Leistungen als Generalintendant am Theater im Revier Gelsenkirchen, wo er von 2001 bis 2008 in einer im Umbruch befindlichen Gegend tätig gewesen war. Ihm liegt freilich auch Kulinarik, wie er mit seiner ausgewiesenen Affinität zum Belcanto sowie zur französischen Oper beweist. Damit dürfte er gewiss auch in Dresden punkten und käme mit Thielemann kaum in Konflikt. Wobei erwähnt werden sollte, dass ja auch der heutige Chefdirigent Nürnberger Wurzeln hat, galt er doch in der Franken-Stadt einst als jüngster Generalmusikdirektor Deutschlands.

Vor allem jedoch verspricht sich Eva-Maria Stange mit der Wahl Peter Theilers einen Aufschwung für die Semperoper: „Zunächst ist es notwendig, dass das Haus wieder eine klare Handschrift bekommt. Damit will ich nicht sagen, dass das jetzige Team schlecht arbeitet. Aber es ist ein Unterschied, ob ein Intendant von außen kommt und seine Vorstellungen in die Arbeit der Oper einbringt, oder ob jemand nur wartet, wie lange seine Überbrückungsphase noch geht. Diese Arbeit ist gut gemacht worden, aber jetzt braucht es wieder eine klare Handschrift.“

Ein ausgeprägtes Profil ist vonnöten, schließlich stand das Haus mal in einer Reihe mit führenden europäischen Musiktheatern. Theilers Vorbereitungszeit für seine Antrittssaison 2018/19 dürfte also schon sehr bald beginnen. Stange erhofft sich von dieser Personalie aber noch ein weiteres Plus: „Es gibt noch einen anderen Punkt, der mir sehr wichtig ist: Der Intendant der Semperoper ist eine gesellschaftliche Persönlichkeit in Dresden und für den Freistaat. Deswegen ist auch zu berücksichtigen, dass da jemand ist, der sich in diese Gesellschaft hier in Dresden einbringen möchte.“

Peter Theiler soll 2018 in Dresden antreten und bekommt zunächst einen Fünf-Jahres-Vertrag. Wie in diesem Geschäft üblich, wird er wahrscheinlich zeitweise parallel fahren müssen und sowohl in Nürnberg als auch in Dresden tätig sein, um hier eine gute Sache zu Ende zu führen und da einen neuen Anfang zu wagen. Er selbst kommentiert die Berufung so: „Es ist für mich eine Ehre, dass ich meine langjährige Erfahrung als Intendant jetzt in so einem großen und renommierten Haus wie der Semperoper einbringen darf. Dieser Verantwortung werde ich im Bewusstsein der Tradition von Staatsoper und Staatskapelle Rechnung tragen und durch Akzente im Spielplan sowie mit internationalen Kooperationen zum Ausdruck bringen. Es ist wie eine Krönung, wenn man an solch einem Opernhaus Verantwortung übernehmen kann. Dresden ist eine wunderbar herausleuchtende Kunststadt mit vielschichtiger Vergangenheit und Gegenwart und ich empfinde es als eine spannende Herausforderung, demnächst hier arbeiten zu dürfen."

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