Gezähmte Phantastik - Rattle dirigiert Berlioz


(nmz) -
Ein deutsches Orchester, ein englischer Dirigent: Das könnte eine passgenaue Besetzung für einen Komponisten sein, der einige seiner wichtigsten künstlerischen Erfahrungen aus der englischsprachigen Literatur bezog und die größte Anerkennung zu Lebzeiten im deutschen Sprachraum bekam.
30.09.2008 - Von Juan Martin Koch

Und tatsächlich: Die Sorgfalt, mit der die Berliner Philharmoniker Berlioz’ instrumentales Drama auffächern, ergibt, gepaart mit Simon Rattles Temperament, einen exquisiten ersten Höreindruck. Wenn dann auch noch die erste Begegnung mit jener die geistige Vorstellung von der Angebeteten euphorisch in Töne fassenden „idée fixe“ so lebendig phrasiert, die mit großen Intervallschritten angesprungenen Töne so erregt herausgeatmet werden wie nach der langsamen Einleitung des Kopfsatzes, scheint sich eine bemerkenswerte Einspielung anzubahnen.

Mit der gespannten Erwartung, die dieser Beginn auslöst, bleibt der Hörer dann ein wenig in der Luft hängen. Kleine Unsauberkeiten in den Streichern sickern durch, vor allem aber die für Berlioz so charakteristische Bläserbeimischung bleibt an vielen Stellen pauschal, ohne den Biss, den nicht nur die historisierende Aufführungspraxis dem Werk angedeihen lässt. Besonders schmerzlich wird dies in der harmlosen „Marche au supplice“ spürbar, die wenig von der bizarren Klangphantasie Berlioz' entfesselt.

Wunderbar allerdings die Zugabe: „La mort de Cléopatre“, Berlioz’ dritter Versuch die akademischen Weihen des Rompreises zu erringen, wird von Susan Graham mit blendender Diktion und erhabenem Ausdruck gemeistert, die Berliner gestalten das bis zum visionären, buchstäblichen Ersterben des Tonsatzes am Ende des Werkes kongenial mit.

Gespannt schiebt man die Scheibe dann auch noch ins Computerlaufwerk. „Opendisc“ verheißt „access to bonus material, exclusive pre-release listening sessions and more“. Nach einer langwierigen Java-Neuinstallation, bei der man um ein Haar auch noch ein Open Office Paket mit herunterlädt, dann in zwei Browsern und an verschiedenen Rechnern die gleiche Meldung: „Audio-CD nicht erkannt“.

Dann halt nicht.

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