Gotthilf Fischer schlägt Raab, Chor-Überwachung kommt: taktlos 128 – Die Nachrichten


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(nmz-thg) Die Meldungen aus der Welt des Wahren, Schönen und Guten entlarven eine grausame Raab-Niederlage, eine üppige aber natürlich angemessene GEMA-Forderung, Angela Merkels Connemann-Verdrängungs-Taktik, das technische Handwerkszeug unserer Komponisten und die Gefährdung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung durch Chöre:
03.11.2008 - Von Theo Geißler

Nürnberg – Sensation beim gestrigen Pro-7-Bildungsprogramm „Schlag den Raab“ auf dem ehemaligen Reichs-Parteitagsgelände: Massen-Chor-Idol Gotthilf Fischer schlug den gut achtzig Jahre jüngeren Moderator Stefan Raab in den Disziplinen „Weitspucken“, „Pferdeäpfel-Braten“ und „Zusammenhängende-Sätze-mit-drei-Worten-bilden“ um Längen und gewann knapp einskommadrei Millionen Euro. „Davon kauf ich mir jetzt erstmal einen Chor, der sich noch von mir dirigieren lässt“ – so Fischer beim abschließenden Wok-Rodeln in der Nürnberger Lorenzkirche.

München – Im Rahmen der Münchner Medientage gestaltete die GEMA eine hochbrisante Diskussionsrunde. Das kontroverse Podium war neben GEMA-Vorständen und GEMA-Aufsichtsräten auch noch mit GEMA-Komponisten bestückt. Erstaunlich einhelliger Beschluss des Panels nach viertelstündiger heißer Diskussion: Die GEMA fordert von der Bundesregierung eine bescheidene vorerst einmalige Krisenintervention in Höhe von 50 Milliarden Euro. Schließlich – so Vorstandsvorsitzender Harald Heker beim anspielungsreichen Presselunch im letzten vom Berlin-Tempelhofer Flughafen startenden Rosinenbomber - hätte man sich in den letzten Jahren geschäftspolitisch vertrauensvoll am Unternehmens-Stil der Hypo-Real-Estate orientiert und sei ja auch nichts anderes mehr als eine Bank.

Leer – Ostfriesland – Unerwartete Konkurrenz hat die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann in ihrem angestammten Wahlkreis bekommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel will ihr das Direktmandat streitig machen. “Nach dem missratenen Bildungsgipfel braucht unsere Kanzlerin dringend ein kulturelles Image-Lifting“ – so Merkel-Stylist René Flachkopf im „Bunte“-Interview. Da biete sich der Connemann-Wahlkreis mit seinen zahllosen Chören und sonstigen Kultur-Initiativen als ideale Promotion-Plattform an, so Flachkopf weiter. Gitta Connemann sei überdies die Idealbesetzung einer Leiterin des Haus-Chores im Kabuler Goethe-Institut – und schon dorthin unterwegs.

Dortmund - Internet-Nutzer können ab sofort mit Hilfe einer Online-Plattform des Konzerthauses Dortmund einen Beitrag für «das längste Musikstück der Welt» komponieren - auch ohne musikalische Kenntnisse. Das im Internet abrufbare Instrumental-Werk trägt den Titel «Nie Vollendete». «Als kollektives Kunstwerk steht die "Nie Vollendete" jedem offen und verändert sich ständig», teilte das Konzerthaus mit. Skeptisch beurteilen dieses Vorhaben zugleich der Deutsche Komponistenverband und der Composers Club. Beide Musikverbände sehen in dem Projekt scharfe Konkurrenz. Seit Jahren schon komponierten ihre Mitglieder erfolgreich selbst mit der dort eingesetzten Software.

Berlin -  Das Chorsingen soll generell besser überwacht werden. Dies teilten gut informierte Kreise des Bundesinnenministeriums mit. „Im Prinzip handelt es sich bei jeder Chorzusammenkunft um eine unübersichtliche Zusammenrottung“, heißt es in einem noch geheimen Gesetzentwurf des Ministeriums. Vergleicht man die Anzahl der gemeldeten Chorsänger mit denen, die aktiv in Erscheinung treten, muss man davon ausgehen, dass 95 Prozent der Chorsänger offenbar anderes im Sinn haben, als zu singen; dies werte man als latente Bedrohung für die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Chöre müssen demnach ab 2009 ihre Arbeit durch penible Arbeitsprotokolle dokumentieren. Chorstücke wie „Ohne Kapitalisten geht es besser“ von Hanns Eisler sind sofort auf den Index gesetzt. Gerade Kirchen-Chören wird vor Proben und Auftritten der Einsatz von Ganzkörper-Scannern dringend empfohlen.

Und hier der Schnelldurchlauf der aktuellen Ausgabe von taktlos.

 

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