Hans-Willi Hefekäuser tritt als Vizepräsident des Deutschen Musikrates zurück


(nmz) -
In gewisser Weise ein konsequenter Entschluss: Im Rahmen einer von ihm selbst eingeforderten Reinigung und Erneuerung des Deutschen Musikrates – die nach seinem Geschmack gescheitert ist, stellt der zurückgetretene Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände Hans-Willi Hefekäuser jetzt auch sein Amt als Vizepräsident des DMR zur Verfügung. Nicht ohne Aplomb: In seiner breit gestreuten Verabschiedungs-Rundmail erhebt er schwere Vorwürfe gegen die anderen Mitglieder des Musikratspräsidiums, stellt die Arbeit dieses Gremiums und seiner Organe in Frage und kündigt eine Art Abrechnung im Rahmen der kommenden Generalversammlung an. Wir veröffentlichen diese Mail auch, weil der Autor dieser Zeilen, Theo Geißler, namentlich zweimal erwähnt ist. Und wir gestatten uns eine kleine Anmerkung:
09.09.2011 - Von Theo Geißler

Zunächst die Hefekäuser-Mail:

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ende Mai habe ich Sie darüber in Kenntnis gesetzt, dass wir nun sicher wissen, was wir schon lange vermuteten, nämlich dass Theo Geissler, sein Verlag con brio und die nmz zeitnah und detailliert über interne Vorgänge des DMR sowie insbesondere Inhalt und Verlauf von Gremiensitzungen informiert werden. Theo Geissler selbst hat dies bestätigt. Ich habe es seinerzeit für richtig und unverzichtbar gehalten, dass ein Prozess notwendiger Selbstreinigung und Erneuerung in Gang kommt. Mittlerweile ist einige Zeit vergangen. Es ist deutlich geworden, dass bei der schweigenden Mehrheit des DMR-Präsidiums offenbar nicht die Bereitschaft besteht, dem Vertrauensbruch und dem unakzeptablen Verhalten einiger wirksam und entschlossen entgegen zu treten. Meine darauf gerichteten Aktivitäten sind ohne Echo und weitgehend ohne Unterstützung geblieben und gehen damit ins Leere.
Im Gegenteil:
Ehrliches Bemühen um Sauberkeit und Anstand wird als „Detektivspielchen“ diskreditiert – übrigens von Menschen, die zugleich stolz mitteilen, nicht zu wissen, wovon sie reden (man habe „das“ ja nun wirklich nicht alles lesen können), das Ungelesene gleichwohl jedoch zweifelsfrei be- und verurteilen können.
Nicht der Missstand ist bedrohlich, sondern seine Offenlegung. Das Problem sind offenbar ja keineswegs die permanenten Indiskretionen und Vertrauensbrüche, die es zu beklagen gilt. Nein das Problem ist der, der das Übel beim Namen nennt und Abhilfe fordert.
Warum sich ernsthaft auseinandersetzen? Muss wohl irgend so ein armer Irrer sein, der nicht still und duldsam akzeptieren will, dass versucht wird, sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement zu diskreditieren. Da hält man sich doch besser raus.
Außerdem stifte ich ja offensichtlich auch keinerlei Nutzen. Gelingt es mir, den Präsidenten davon zu überzeugen, was mir sinnvoll und richtig erscheint, wird mir vorgeworfen, ich hätte zu viel Einfluss. Gelingt es mir nicht, wird mir vorgeworfen, man sei enttäuscht, ich bewirkte ja nichts. Das übrigens jeweils von denselben Leuten!
Offenbar ist man gut beraten, in diesem Verband auch in Leitungsfunktionen das DMR-Standardverhalten an den Tag zu legen: passiv bleiben, sich raushalten, auf jeden Fall immer abwarten, wohin der Wind sich dreht, im Zweifel umfallen und keinesfalls offen argumentieren. Insofern bin ich wohl tatsächlich eine Fehlbesetzung.
Deshalb stelle ich fest:
Offensichtlich fehlt mir in den Gremien des DMR die notwendige Akzeptanz und Unterstützung. Ich werde mich ferner niemals wieder mit Leuten an einen Tisch setzen, die es für richtig halten, Dritten über meine Positionierung sowie mein Abstimmungsverhalten in Gremien-Sitzungen Bericht zu erstatten (und das auch noch unzutreffend!). Mein Vertrauen ist zutiefst erschüttert und im Hinblick auf bestimmte einzelne Personen vollständig abhanden gekommen. Für eine weitere Mitarbeit im DMR fehlt es damit an grundlegenden Voraussetzungen.
Dementsprechend werde ich an den kommenden Gremien-Sitzungen nicht mehr teilnehmen und gegenüber der Mitgliederversammlung, die mich mit überwältigender Mehrheit in dieses Amt gewählt hat, meinen Rücktritt vom Amt eines Vizepräsidenten des Deutschen Musikrats erklären und über dessen Gründe informieren.
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Willi Hefekäuser

Persönliche Anmerkung des nmz-Herausgebers Theo Geißler:
Hans-Willi Hefekäuser hat kürzlich (vertreten durch die Hamburger Kanzlei Michow und Partner) einen gegen die nmz und mich angestrengten Prozess mit dem Ziel einstweiliger Verfügung und strafbewehrter Unterlassungserklärungen verloren. Das Ganze wäre aus Sicht der nmz unerheblich, hätte nicht das geschäftsführende Präsidium des Deutschen Musikrates im Vorfeld des Urteils eine sehr weitgehende „Ehrenerklärung“ zum Lobe Hefekäusers abgegeben. (Nachzulesen im nmz-Web). Für die nmz und mich persönlich war diese Erklärung nicht gerade zuträglich.
Allerdings: Die Person, der Mensch Hefekäuser ist nie Kritik-Ziel unserer Publikationen gewesen. Sondern der Funktionär mit seiner Arbeit, seinem öffentlich präsentierten Selbstverständnis in kultur- und musikpolitischer Funktion. Ich finde es traurig, dass offensichtlich und lesbar in erster Linie "persönliche Gründe“, Enttäuschungen, Frustrationen zu diesem Rücktritt von einem Ehrenamt führen. Kein Wort mehr über mögliche „funktionale“ Verantwortung für den Verlust erheblicher privater Zuwendungsmittel für die Ziele des Deutschen Musikrates, kein Wort zu der von Hefekäuser wahrscheinlich mitzuverantwortenden Gründung eines „Bundesjugend-Chores“ außerhalb der Musikrats-Projektgesellschaft. Alles nicht unbedingt im Sinne der Gemeinschaft.
Zum vermutbaren „Eingangs-Vorwurf“ Hefekäusers an die nmz und mich persönlich: Der Deutsche Musikrat ist keine sich in irgendeiner Konkurrenz-Situation befindliche Kapitalgesellschaft, sondern gewissermaßen eine steuerfinanzierte Institution des Öffentlichen Rechtes. Eine Repräsentanz unserer kulturellen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Solche Institutionen haben, gerade auch als anerkannte Instanzen der Zivilgesellschaft, eine hohe Transparenz-Pflicht. Auch um mögliche Fehlentwicklungen, wie sie von uns in dieser Form nicht geteilt aber von Hefekäuser fast im personifizierten Detail angeprangert werden, zu verhindern. Hier hat die „Vierte Gewalt“ in unserem Land, deren Verantwortung unser Redaktionsteam sehr ernst nimmt, eine grunddemokratische Aufgabe. Diese Arbeit zu diskreditieren oder zu behindern blitzt als Vorwurf an das „Restpräsidium“ durch Hefekäuseres „Abschiedsbrief“.
Ohne Hefekäusers Kompetenz in mancher Sache bestreiten zu wollen bin ich sehr froh, dass diese Form von aus unerfindlichen und deshalb vielleicht sogar nur wichtighuberischen Gründen angestrebte „Selbstreinigung“ nun aus meiner Sicht zu einer solchen geführt hat. Eine „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“-Kategorisierung von Menschen erinnert mich nicht nur an graues Aschenputtel, sondern auch an viel recht Braunes. Danke, Deutscher Musikrat. Und kritische Selbstbesinnung samt klugem Reformbedürfnis schaden ja nie.
Theo Geißler
  

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