Trunken im Lokalkolorit: die Rockrevue „Jenseits von St. Emmeram“ am Theater Regensburg


(nmz) -
„Sommernachtsalbtraum auf St. Emmeram“ hieß vor fünf Jahren eine Rock-Show, die der Schlagzeuger Gerwin Eisenhauer und der Regisseur Jens Schmidl ersonnen und mit viel Lust am durchgeknallten Zombie-Spektakel auf die Bühne gebracht hatten. Das neue Stück hat damit nichts zu tun, Kloster und Schloss St. Emmeram kommen wohl nur im Titel vor, um die Fans von damals wieder ins Velodrom des Theaters Regensburg zu locken.
09.02.2020 - Von Juan Martin Koch

Die werden nicht enttäuscht, im Gegenteil. Das Stück von Marc Becker (der auch Regie führt) spinnt jene Regensburger Legende fort, derzufolge der Baumeister der Steinernen Brücke einen Pakt mit dem Teufel schloss, um mit der Brücke schneller fertig zu werden als der Dom. Anstelle der dafür versprochenen ersten drei Seelen schickte er drei Tiere als erste über die Brücke – der Teufel war der Gelackmeierte. In der Gegenwart ist nun Hans Steiner, Urahne des damaligen Baumeisters, mit dem Teufel konfrontiert, der dafür Rache nehmen will.

Der Plot ist nicht weiter von Belang, für Insider sind nette Ratisbonensia eingestreut und auswärtige Besucher lernen etwas über die Stimmungslage in der UNESCO-Welterbestadt, die unter anderem von explodierenden Immobilienpreisen und Touristenströmen bestimmt wird. Entscheidend ist zum einen, dass Becker mit Spar- und Antiwitzen eine köstliche Gaga-Stimmung aufbaut, die von den Schauspielern Michael Haake, Kristóf Gellén, Silke Heise und Robert Herrmanns genussvoll ausgekostet wird.

Zum anderen bietet das Setting Anlass für satte Musikeinlagen, die Gerwin Eisenhauer aus Rock und Pop zusammengestellt hat und mit seiner Band kernig auf den Punkt bringt. Die bewundernswert wandlungsfähigen Rockröhren Steffi Denk und Markus Engelstädter überzeugen vor allem im Elvis-Block (natürlich war der Teufel seinerzeit dafür zuständig, dass der in Grafenwöhr stationierte King of Rock ’n’ Roll nie in Regensburg auftrat, was nun nachgeholt wird) und in einem brillanten Kabinettstückchen der Band: Denn beim Blick in die Zukunft, den der Teufel dank Flux-Kompensator vollführt und mit dem er vor den Folgen des Klimawandels für die Stadt warnt (brillante Bühnenbilder von Peter Engel!), präsentiert er auch den Streamingdienst der Zukunft, der einem jedes beliebige Stück samt leibhaftiger Band ins Wohnzimmer beamt. Wie Denk, Engelstädter und die Musiker hier auf Knopfdruck durch Songs und Stile zappen, ist atemberaubend.

Mit „Paradise City“ von Guns ’N Roses und „All You Need is Love“ von den Beatles wird das vom Lokalkolorit ganz trunkene Publikum in die Nacht verabschiedet.

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