Vitalste Ruhe: Triple-Präsenz – Das Lorenz-Kellhuber-Trio live und auf CD


(nmz) -
Es war eine Doppelpremiere: Das Lorenz-Kellhuber-Trio stellte seine zweite CD (Cosmos) vor und das Label um den 55 Arts Club, Blackbird Music, seine neuen Räumlichkeiten, irgendwo im Nordosten Charlottenburgs, da wo sich TÜV und Fitnessclub „Gute Nacht“ sagen. Inkludiert in die dritte Etage ein veritables Ton- und ein mobiles Fernsehstudio mit Live-Regie. Das Lorenz-Kellhuber-Trio mit Lorenz Kellhuber (piano), Arne Huber (bass) und Gabriel Hahn (drums) zelebrierte hier ein Konzert, das an Intensität und Präzision, an Mitspielfreude untereinander es fast zur Perfektion gebracht hat.
01.04.2013 - Von Martin Hufner

Die CD ist mit einer außerordentlichen Sorgfalt produziert, gemischt in den Emil-Berliner Studions, gemastert von Kevin Reeves in den Sterling Studios New York. Dabei ist es doch eine Live-CD aus dem A-Trane.

Was ist das so Erstaunliche an der Musik des Trios. Da sind die Kompositionen von Kellhuber, die sich fern von Eskapaden halten. Grundsolide Einfälle, die oftmals einen gewissen hymnischen Charakter haben, diesen aber mit einer grandiosen Eleganz zu paaren wissen. Da ist das Spiel der drei Musiker, das zwei beinahe gegensätzliche Charaktere zu vereinen scheint: Ruhe und Vitalität. Idealypisch dafür steht der Track „Spiritual“ – aus einer weiträumigen, Themenmotive leicht andeutenden langsamen Einleitung, schält sich über eine gelenkartige Repetition jener homophone Hymnus heraus, der die Grundlage für eine freisinnig baumelnde Improvisation bereitstellt, in der getupft bis fließend schwingend die drei Musiker versinken und sich erheben. Dichte der Komposition erfüllt sich dann in der Ausdünnung des Satzes. Das alles erfolgt so ungezwungen wie selbstverständlich.

Von dieser Leichtigkeit der musikalischen Gewichte lebt auch der groovende „Cross Country Song“. Es spielt sich niemand hervor, niemand muss dem anderen irgendetwas beweisen. Gleichwohl ist die Musik sternbildweit vom cocktailkonformen Musikantentum entfernt. Dafür sorgt die musikalische Präsenz aller drei Musiker, jeden Moment gleich nah am anderen zu sein. Zwei Jahre Zusammenspiel scheint bei diesen Musikern hinzureichen. So oft hört man das bei aktueller Triomusik jüngerer Musiker nicht.

Nicht selten denkt man bei der Musik dieses Trios an den früheren Keith Jarrett mit seinem Trio (Charlie Haden und Paul Motian) aus der Zeit von „Somewhere Before“ oder die erste Soloplatte bei ECM „Facing You“ (Jarrett war da 23, bzw. 26, Kellhuber ist 22 zur Zeit der Aufnahme von Cosmos). Dass aber noch Luft nach oben ist, offenbart ein Mitschnitt eines Solokonzerts im Pianohaus Metz vom Februar 2013, den man sich bei Soundcloud anhören kann.

Unter die Gäste reihten sich auch die Eltern von Lorenz Kellhuber, die den witterungsbedingt schweren Weg von Regensburg nach Berlin gefunden hatten. Familiär auch die Stimmung im Ganzen, ein wunderbarer Abend.

CD

lorenz kellhuber trio: cosmos
Blackbird Music BR 201311

Arne Huber. Foto: Hufner
Gabriel Hahn. Foto: Hufner
Kommunikation ohne Worte. Foto: Hufner
Video Live-Regie im 55 Arts Club. Foto: Hufner

Das könnte Sie auch interessieren: