Von revolutionärer Blasmusik zur jazzigen Big Band – Die BigBand der TU Dresden wird 45 Jahre


(nmz) -
Studentenorchester gibt es an Musikhochschulen, aber doch nicht an einer Technischen Universität – oder? Die TU Dresden beweist das Gegenteil und ist Heimstatt gleich mehrerer sehr unterschiedlicher Ensembles. Die Big Band der Alma mater ist dieser Tage 45 Jahre alt geworden.
05.12.2013 - Von Michael Ernst

Die Technische Universität Dresden hat eine ganze Reihe von künstlerischen Ensembles. Universitätsorchester und Universitätschor beispielsweise widmen sich – trotz oder wegen der Nähe zur Hochschule für Musik Carl Maria von Weber – auf respektablem Niveau der klassischen Musik. In der Heimstatt des jährlichen Dixielandfestivals leistet sich die TU aber auch eine Big Band, die durchaus Aufmerksamkeit verdient. Dieses Ensemble wurde vor genau 45 Jahren gegründet und hat sich – da Studenten ja kommen und gehen – nicht nur in wechselnden Besetzungen durch die Zeiten geschlagen, sondern auch stilistisch einige Umbrüche erfahren.

Mit Posaunen und Trompeten für eine bessere Welt

Die Gründungsmitglieder sind zwar allesamt waschechte 68er, aber das hat allein mit dem Jahrgang der Big Band zu tun. Der historische Hintergrund dürfte ein gänzlich anderer gewesen sein als der von aufmüpfigen Revolutionsbarden, die Vision einer besseren Welt wohl sowieso. Die Dresdner Musikerinnen und Musiker traten im Jahr 1968 miteinander an, um Notenköpfe in Mosaiksteinchen zu formen und daraus tönende Bilder zu basteln, die allen Beteiligten viel Spaß machen sollten, ohne den universitären Verwaltern der Diktatur gleich die revolutionäre Laune zu verderben. Sozusagen die klingende Quadratur eines vorgefertigten Kreises. Sie muss seinerzeit überraschend vielgestaltig gelungen sein, wie sich ältere Ehrenmitglieder des Ensembles noch heute erinnern.

Mit Posaunen und Trompeten für eine bessere Welt aufspielen, das war es, was sie damals verband. Wobei das Ensemble zunächst Blasorchester genannt wurde und erst seit 1990 als TU Big Band e.V. geführt wird. Mit diesem Namen hat sich auch das Repertoire deutlich gewandelt, gewiss aber kaum die Spielfreude, mit der Studierende aller Fachrichtungen und Semester sich selbst und das Publikum immer wieder begeistern. Wer Fertigkeiten und Interesse mitbringt, kann sich nahezu jederzeit bewerben.

Lag der musikalische Schwerpunkt in den Anfangsjahren der blasenden Kommilitonen bekenntnishaft mehr bei Marschmusik mit gelegentlichen Ausflügen zu Polka und staatstragenden Hymnen, so ist das breite Spektrum heute weit weniger bedeutungsschwer auf gute Unterhaltung orientiert. Wobei im Rückblick (freilich nur da!) einstige Titel wie „Moskau im Mai“ oder „Marsch der Klassenbrüder“ ja auch ihren Unterhaltungswert haben. Ob die heute aber noch wer hören mag?

Im Laufe der Jahre sorgte das Engagement einzelner Mitglieder und Leiter dieser Kapelle bereits für eine Ausweitung der Literatur, mischten sich tanzbare Titel in die Aufmarschklänge; quasi als Gegenleistung zur stattlichen Förderung durch die staatliche Jugendorganisation FDJ gehörte das Blasorchester bei jeder Demonstration zum 1. Mai dazu und wurde auf Reisen in die Sowjetunion sowie in andere „Bruderländer“ geschickt. Peu à peu waren aber auch Dixieland-Standards, Ragtime und irgendwann sogar Beatles-Titel zu hören. Mangels Noten wurde dies hübsch selbst arrangiert, unter anderem dank Hans Hombsch, Posaunist an der Sächsischen Staatskapelle, dürfte das Blasorchester der Studentenschaft schon in jüngeren Jahren recht flott geklungen haben. Mit künstlerischen Leitern wie Heinz Krause (bis 1979) und Helmut Vietze wurden mal ein Staatspreis für künstlerisches Volksschaffen, mal sogar Rundfunkaufnahmen zum 15jährigen Bestehen geerntet.

„Volkskunstkollektiv beim Zentralen Studentenklub“

Wie bei den anderen TU-Ensembles auch (die bis heute bestehen), waren der Herbst 1989 und der damit verbundene gesellschaftliche Wandel für das als „Volkskunstkollektiv beim Zentralen Studentenklub“ angesiedelte Blasorchester ein markanter Wendepunkt. Durch die verbindende Kraft der Musik war der Bestand dieser Big Band jedoch nicht in Frage zu stellen, zumal nun endlich frei von Vorgaben und Reglementierungen musiziert werden durfte. Fortan standen Jazz und Swing bis hin zu Funk und Salsa im Vordergrund, wurde mit Duke Ellington, Glenn Miller und Frank Sinatra in blitzendem Sound aufgespielt.

Unter Leuten wie Heinz Holek, der einst den legendären Dresdner Tanzsinfonikern angehörte, und Martin Konitzer konnte sich die nun verlässlich vom Studentenwerk unterstützte und mit Vereinsbeiträgen finanzierte TU Big Band neu finden und bis heute behaupten. Seit 2005 wird die Band von Bertram Liskowsky geführt, der sich auf Mitstreiter wie Martin Röll, Carsten Hauptmann und aktuell auf den Trompeter Sebastian Haas stützen kann. Mit dem kräftig geweiteten Repertoire führen die Reisen heute quer durchs Land sowie auch mal zu Dresdens Partnerstadt Rotterdam, beinhalten solche Ausflüge Konzerte ebenso wie Workshops und lautstarke Probenwochenenden, in denen das personell recht häufig wechselnde Orchester sein Profil schärfen und die Qualität pflegen kann. Da schon immer sowohl Blech- als auch Holzbläser und Schlagzeuger zur Band zählen, werden Bälle und Tanzabende ebenso bestritten wie reine Jazzkonzerte. Mit reichlich Lust und Laune reicht dies bis hin zu südamerikanischem Flair. Insgesamt soll die vor 45 Jahren gegründete Big Band der TU Dresden rund drei Stunden Musik im Repertoire haben, was für ein Laienensemble ziemlich enorm ist.

Dem Verein gehören derzeit etwa sechzig Mitglieder an, zum 45jährigen Bestehen gab es selbstverständlich ein krachendes Geburtstagskonzert der Unikapelle, bei dem auch wieder ehemalige Mitglieder und Dirigenten mitwirkten. Nach so viel Rückschau geht der Blick nun wieder nach vorn, wächst die Freude aufs halbe Jahrhundert.