Wen juckts? Neues vom Orchesterstreik


(nmz) -
In der Sendung „Kultur heute“ des Deutschlandfunks befragte Moderator Rainer Berthold Schossig sowohl den Vertreter des Deutschen Bühnenvereins als auch den Geschäftsführer der Deutsche Orchestervereinigung (Links siehe unten). Leider bringen die Informationen auch nicht wesentlich mehr Licht ins Dunkel.
02.12.2008 - Von Martin Hufner

Während Rolf Bolwin die Gründe für den etwas anderen Umgang mit den Orchestermusikern aus Entwicklungen der letzten Jahre erklärt, hält er es doch für möglich, die Verträge künftig anders zu gestalten.

Schossig: Wäre nicht künftig ein Normvertrag denkbar, der aufbauend auf so eine Art Grundsicherung wirklich erbrachte Leistungen von Musikern gratifizierte?
Bolwin: Ich halte den absolut für denkbar. Nur die Gewerkschaft pocht auf eine einheitliche Bezahlung aller Musiker, die in einem Klangkörper beschäftigt werden. Aus meiner Sicht wäre das kein Problem, auch in diesen Fragen den Tarifvertrag zu ändern. (Quelle)

Im Gespräch mit Gerald Mertens wurde mehrfach erklärt, dass die Orchestermusiker nun lange genug still gehalten hätten. Jetzt sei nur das wenigstens nötig, was der ganz normalen Tarifentwicklung im öffentlichen Dienst entspräche.

Schossig: Die Einführung von Normverträgen führt ja zu Kosten, die viele kleinere kommunale Träger nicht schultern können. Ausweg ist dann immer bürokratische Personalreduzierung. Wäre es nicht sinnvoller, dass die Orchester selber sich auf ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis besinnen?
Mertens: Die Orchester haben in den vergangenen 15 Jahren, haben nicht nur in den neuen Bundesländern, aber auch in den teilweise in den alten Bundesländern schon massiv auf Vergütung verzichtet. Es gibt in den neuen Bundesländern rund 40 Haustarifverträge mit Einschnitten in das laufende Gehalt. Da ist das absolute Ende der Fahnenstange erreicht. Und es muss dann auch ein Stück weit mal wieder nach oben gehen. (Quelle)

Auf die Frage des Moderators, wen denn der Streik überhaupt „jucke“, schließlich streikten ja nicht die Lokführer, antwortete Mertens recht eigenartig:

Mertens: Wenn die Instrumente im Theater schweigen, juckt das als Allererstes die Musiker, weil Musiker haben an sich keine Streikerfahrung. Es trifft auch das Publikum, dass wissen wir. (Quelle)

Immerhin springt auf diese Weise also ein Streikausbildung der Orchestermusiker heraus. Doch die Frage ist natürlich interessant: Ein Streik ist schließlich nur dann in einer Art und Weise wirkungsvoll, wenn er denjenigen trifft, von dem man sich etwas erwartet. Nur den konnte Mertens offensichtlich nicht benennen.

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