Ziemlich verloren – Uraufführung von Dai Fujikuras „Der Goldkäfer“ am Theater Basel


(nmz) -
„Ich verstehe kein Wort“, singt der junge Tenor Matthew Swensen als Sam. „Ein Mysterium“ raunt Anastasia Bickel in der Rolle seiner weißhaarigen Großmutter Anneli. Die neue Oper „Der Goldkäfer“ von Dai Fujikura, ein Auftragswerk der Basler Musikhochschule, ist zur Hälfte vorbei, da fallen diese Sätze, die dem rätselhaften, rund 80-minütigen Musiktheaterabend „für junge Menschen ab 8 Jahren“ auch als Überschrift dienen könnten.
11.03.2018 - Von Georg Rudiger

Eigentlich beziehen sie sich auf eine Geheimschrift, die den entscheidenden Hinweis zur Schatzsuche geben sollte. Und auf die Rätselhaftigkeit im Allgemeinen. Der Versuch, aus einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe (Libretto: Hannah Dübgen) eine spannende Abenteuergeschichte für Kinder zu machen, scheitert jedenfalls auf der ganzen Linie. Das einzig Kindgerechte findet sich im aufklappbaren Programmheft, das zu einer Piratenkarte wird und Basteltipps bereithält. Wenn man eine Oper nur durch den Text erzählt, dann sollte dieser so verständlich wie möglich sein.

Leider bedarf es höchster Konzentration, die mit großem Vibrato gesungenen Worte, die Dai Fujikura fast als Karikatur von Operngesang anlegt, zu entschlüsseln. Es gibt keinen normalen Erzählton in diesem Werk und keinen gesprochenen Text. Zudem wird auf eine Übertitelung verzichtet, so dass man auf dieser Schatz- und Sinnsuche ziemlich verloren ist.

Von äußerst begrenztem musiktheatralischem Wert

Auch die Geschichte selbst ist von äußerst begrenztem musiktheatralischem Wert. Lilith landet mit ihrem Vater Albert auf einer Insel, wo sein Kumpel William einen seltsamen Goldkäfer (in Basel eine brennende Glühbirne) entdeckt hat, der auf seinem Totenkopf-Rücken Hinweise zu einem Goldschatz gibt. Am Ende werden Schokotaler in die Luft geworfen und das fünfköpfige Ensemble des Basler Opernstudios OperAvenir singt: „Mich hat der Goldkäfer gebissen“. Mühevoll erzählen Lilith und Sam von ihrer Vorgeschichte – beide haben unter anderem ihre Mutter verloren. Und geben sich als Leidensgenossen einen Kuss. Dazu spielen die mit einem Piratentuch geschmückten Studenten der Musikhochschule Basel eine mäandernde, kleinteilige Musik, die das Bühnengeschehen kaum stützt, wenig Suggestionskraft entfaltet und häufig eine zu hohe Reizdichte hat. In den ruhigen Momenten, wenn Sarah Brady als Lilith mit vielen Zwischentönen über ihr Schicksal sinniert oder mal ein Cello mit einer einfachen Linie berührt, kann der japanische Komponist noch am ehesten zum Hören verführen (Dirigent: Stephen Delaney).

Regisseurin Julia Hölscher hat auf der leeren, mit einem runden Vorhang umgrenzten Bühne keine Ideen, die die Geschichte spannend machen könnte. Ein bisschen „Fluch der Karibik“ im Kostüm von William (markant: José Coca Loza), ein wenig Augenrollen und Stirnrunzeln, ein Tuch als Segel, ein dampfender Schacht als Ausgangspunkt und Ziel der Schatzsuche (Kostüme und Bühne: Susanne Scheerer). Domen Krizaj ist ein massiver, gelegentlich dröhnender Bass, Matthew Swensen (Sam) ein hell timbrierter Tenor.

Einige Folgevorstellungen werden von Basler und einem Freiburger Gesangsstudenten (Luca Festner) übernommen, was eventuell die Textverständlichkeit verbessern könnte. Aber der Fehler liegt im System, nicht in der Ausführung.

  • Die nächsten Vorstellungen: 15./18./19./25. März im Theater Basel, Kleine Bühne. www.theater-basel.ch