Der Podcast der neuen musikzeitung „Laut & leise“ geht in die zweite Staffel und wirft in Zukunft den Blick in die Welt der Musikerinnen und Musiker: Was passiert laut auf der Bühne und was leise dahinter? Den Anfang macht ein ganz besonderes Ensemble – die Hanke Brothers. Am Klavier sitzt Jonathan, an der Blockflöte David, an der Bratsche Lukas und an der Tuba Fabian, der beim Podcast-Interview nicht dabei sein konnte. Um etwas Appetit zu machen, hier einige Zitate aus der Folge, die ab Anfang Mai online auf allen gängigen Podcast-Plattformen hörbar sein wird.
Die Hanke Brothers. Foto: Benjamin Knoblauch
New Classic Music und der Weg auf die Bühne
neue musikzeitung: Ihr steht gemeinsam auf der Bühne, Ihr nennt euch die Hanke Brothers. Also könnte man mutmaßen, dass ihr verwandt seid? Jetzt kennen euch vielleicht noch nicht alle. Wie würdet ihr denn jemandem, der noch nie von euch gehört hat, erklären, was Ihr tagtäglich macht?
Hanke Brothers: Wir sind tatsächlich vier Brüder von denselben Eltern! Unsere Besetzung – Tuba, Bratsche, Blockflöte und Klavier – ist recht außergewöhnlich, aber das sind nunmal die Instrumente, mit denen wir groß geworden sind. Vor etwa neun Jahren haben wir uns gefragt: Warum gibt es eigentlich keine Stücke für genau diese Besetzung? Heute spielen wir New Classical Music – Klassik, die im Hier und Jetzt entsteht, inspiriert von allen möglichen Genres und gesellschaftlichen Themen, die uns tagtäglich beschäftigen und umgeben. Wir Brüder kennen uns natürlich seit dem ersten Atemzug. Aber musikalisch mussten wir uns neu kennenlernen. Wir sind sehr ehrlich und direkt miteinander, was gut ist – aber Kommunikation haben wir auch lernen müssen. Wir trennen klar zwischen „familiär“, „unternehmerisch“ und „musikalisch“. Auf der Bühne verstehen wir uns immer am besten – da wird nicht mehr diskutiert, nur noch Musik gemacht.“
Musikvermittlung
nmz: Neben euren Konzerten macht ihr auch Musikvermittlungsformate. Was genau bedeutet das?
Hanke Brothers: Uns ist wichtig, junge Menschen für Musik zu begeistern. Wir wollen zeigen, was Musik kann – nicht nur durch Zuhören, sondern durchs Mitmachen. Musik ist großartig – das müssen sie fühlen und erleben. Musik machen und dabei vermitteln – das gehört für uns zusammen.
nmz: Vor wem ist es schwieriger aufzutreten – vor Kindern oder vor Erwachsenen?
Hanke Brothers: „Schwierig“ ist vielleicht nicht das richtige Wort, aber ganz klar: vor Kindern. Sie verzeihen einem nichts! Kinder sind viel ehrlicher, Erwachsene eher höflicher. Aber beide Generationen sind wunderbar.
nmz: Und macht ihr lieber Musik oder vermittelt ihr lieber Musik?
Hanke Brothers: Musik machen und übers Musikmachen vermitteln – das ist unser Weg.
nmz: War es von klein auf klar, dass ihr mal gemeinsam auf der Bühne stehen würdet?
Hanke Brothers: Nein, klar war das nicht. Aber Musik war immer präsent – unsere Eltern sind auch Berufsmusiker, und wir durften von klein auf ihre Begeisterung erleben. Auch wenn wir heute an verschiedenen Orten leben, treffen wir uns regelmäßig zum Proben und Organisieren. In Sindelfingen haben wir unser Studio und Büro – dort passiert die meiste Arbeit.
nmz: Was ist das Anstrengendste an eurem Job?
Hanke Brothers: Die Prozesse drumherum – Organisation, Management, Komposition, Probenplanung. Das Spielen auf der Bühne ist dann die Kirsche auf der Sahnehaube. Wir teilen die Aufgaben nach Stärken. Klar, Buchhaltung und Planung sind nervig, aber sie gehören dazu.
nmz: Ihr macht vieles selbst. Warum?
Hanke Brothers: Ganz einfach: Entweder hast du Zeit oder Geld. Musiker haben meist viel Zeit und wenig Geld – also muss man es selbst machen. Wenn irgendwann mehr Geld da ist, kann man Aufgaben abgeben, aber auch Prozesse besser beurteilen und lenken.
nmz: Was habt ihr euch nach dem Studium selbst beigebracht?
Hanke Brothers: Sehr vieles, da im Hochschulstudium der Schwerpunkt auf der künstlerischen Arbeit liegt. Wir hatten viele Coachings in Bühnenpräsenz, Konzeption und Regie, Moderation, Education-Arbeit, modernen Spieltechniken und rund ums Thema Kulturmanagement und Unternehmensführung. Es heißt doch so schön: Learning by doing. Generell rieten uns am Anfang viele Professoren vom Projektvorhaben „Hanke Brothers“ ab. Heute spielen wir ausverkaufte Konzerte mit eigens für uns komponierten Werken – es ist alles möglich.
Jugend musiziert
nmz: Ihr wart selbst bei Jugend musiziert. Was habt ihr gelernt?
Hanke Brothers: Sehr viel – vom Durchhalten über die Vorbereitung bis zur Performance. Wir haben gelernt, im Moment alles zu geben, mit Druck umzugehen und akzeptieren zu lernen, dass man schon mal besser gespielt hat.
nmz: Einige kritisieren Wettbewerbe wegen Leistungsdruck. Wie seht ihr das?
Hanke Brothers: Musikalische Wettbewerbe sind schwierig. Musik lässt sich nicht objektiv bewerten. Deshalb haben wir unser Jugend musiziert Bootcamp ins Leben gerufen – dort geht es um Spielfreude, Präsenz und Selbstausdruck, nicht ums „Gegeneinander“. Wir arbeiten mit den Jugendlichen an Interpretation, Bühnenpräsenz, Körperhaltung, Ausdruck – Musik als ganzheitliches Erlebnis.
Podcast-Interview: Valeska Baader
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