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Kongresshalle Eingangstor

Zukünftiger Blick in den Innenhof. Erst auf dem zweiten Blick wird der Theaterneubau sichtbar

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Nazi-Bau wird zum Kulturort - Stadt vergibt Ausbau

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In der Kongresshalle wollten sich einst die Nazis feiern lassen. Nun soll Kultur das Bauwerk beleben. Wie die Bauarbeiten dafür mit dem schwierigen Erbe umgehen.

Die von den Nazis erbaute Kongresshalle in Nürnberg soll zum Kulturort werden und dabei ihre historische Anmutung nicht verlieren. Der Nürnberger Stadtrat hat nun entschieden, den Ausbau an das Bauunternehmen Georg Reisch GmbH & Co. KG zu vergeben. Dieses baut bereits ein Opernhaus im Innenhof der Kongresshalle, das dem Nürnberger Staatstheater als Ersatzspielstätte dienen soll.

Sowohl das Opernhaus als auch der Ausbau der Kongresshalle gehen auf einen Entwurf des Architekturbüro LRO GmbH & Co. KG zurück. Nach Angaben der Stadt sollen 2028 im Inneren der Kongresshalle das Theater-Foyer, Abendkasse, Büro, Werkstätten, Proberäume sowie Ateliers und Veranstaltungsräume für die freie Kulturszene entstehen. Dabei solle behutsam mit dem historischen Bestand hinsichtlich Erinnerungskultur und Denkmalschutz umgegangen werden.

Rohe Wände, sichtbare Kabel

Konkret bedeutet das etwa, dass Decken und Wände in dem monumentalen Bauwerk zwar gereinigt, aber nicht gestrichen oder verputzt werden. Kabel sollen sichtbar auf den Wänden verlegt werden. Dadurch soll die rohe Anmutung erhalten bleiben.

Die Nationalsozialisten hatten die Kongresshalle auf dem Reichsparteitagsgelände eigentlich als Machtdemonstration geplant, diese aber nie fertig gestellt. Bis heute steht nur ein hufeisenförmiger Rohbau, der später Treppenhäuser und Toiletten beherbergen sollte. Die eigentliche Halle fehlt, stattdessen existiert nur ein Innenhof. Damit ist die Kongresshalle bis heute ein wichtiges architektonisches Zeugnis vom Scheitern der Nazis.

Für rund 296 Millionen Euro soll sich das Bauwerk nun zum Kulturareal wandeln, mehr als 7.000 Quadratmeter sind dabei für die freie Kunst- und Kulturszene vorgesehen. Während das historische Opernhaus in der Innenstadt saniert wird, wird das Staatstheater dort ebenfalls vorübergehend einziehen. Im Innenhof entsteht dafür eine Ausweichspielstätte, die später für Musik und Theater erhalten bleiben soll.

 

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