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Still-Stand? Theo Geißlers Musik-Ratschläge nach und vor den Wahlen

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Die für unser Berufsfeld unwichtigere Wahl ist entschieden: Unwichtig, weil Künste und Kultur in den Wahlversprechen und „Visionen“ der Parteien kaum eine Rolle spielten. Und wenn schon mal von Bildung die Rede war, ging es offensichtlich um Konkurrenzfähigkeit mit indischen Software-Programmierern, amerikanisch-japanischen Ingenieursleistungen oder britischen Hedgefonds-Spekulations-Kompetenzen. [Vorabveröff. aus nmz 10/2013]

Die Mehrheit der deutschen Wählerinnen und Wähler hat sich bang an die Physikerinnen-Mutterbrust von Angela Merkel geworfen. Wodurch das sympathische Wort „Stillen“ eine neue, sauermilchnahe Konnotation erhält: Stillstand.

Eine kleine dpa-Meldung, kaum beachtet, spekuliert darüber, wer eventuell zum Kulturstaatsminister gekürt werden könnte. Es fällt auch nochmal der Name Bernd Neumann. Sollte dieser aufrechte Streiter für deutsche Filmförderung und gelegentlich Sonstiges seines Amtes entledigt werden, schlagen wir ihn als Kandidat für das Präsidium des Deutschen Musikrates (DMR) vor. Mitte Oktober wird dieser hohe Rat nämlich wieder mal gewählt. Und angesichts der neuen und alten Kandidatenriege könnte Neumann das Durchschnittsalter dieses Gremiums auf gefühlte siebzig Jahre senken. Außerdem trüge er dazu bei, die Männerquote auf nahezu 99 Prozent anzuheben. Frau Musica ist offensichtlich maskulin.

Doch werden wir konstruktiv: Uli Kostenbader, langjähriger aktiver Präsidiale, hat sich aus dem Rat mit dem Wunsch verabschiedet, es möge ein Generationswechsel stattfinden. Und Ratspräsident Martin Maria Krüger höchstselbst sehnte sich vor einiger Zeit im nmz-Interview nach einem schlagkräftigeren, deutlich verkleinerten Präsidium. All das scheitert im Moment offensichtlich an Partikularinteressen oder persönlichen Befindlichkeiten. Zur Lösung dieser Probleme schlagen wir kühn ein verändertes demokratisches Zweikammer-System vor:

Die Konferenz der Landesmusikräte erhält den Status eines Senates und verbreitert ihre Basis durch Zuwahl von Vertreterinnen und Vertretern vorwiegend länderübergreifend arbeitender Institutionen. Ferner könnten in dieses Gremium langjährige verdiente Kompetenzträger aus dem Präsidium nach Erreichen des 65. Lebensjahres ihre Erfahrung einspeisen – und so dafür sorgen, dass sich die Zahl der DMR-Präsidiumsmitglieder auf acht bis neun beschränkt. Diese Persönlichkeiten wiederum sollten aus Kreisen aktiver Künstler und verbandsübergreifender Institutionen von den Mitgliedern des DMR vorgeschlagen und gewählt werden. Klar: Das bedeutet eine „Verfassungsänderung“. Doch um zu verhindern, dass der gesamtpolitische Stillstand auf den musikpolitischen durchschlägt, ist eine grundlegende Reform der Musikrats-Fehlkonstruktion aus Insolvenzzeiten ohnedies unabdingbar.

Über eine Nachricht freuen wir uns: Mit Enjott Schneider wird ein Komponist und unermüdlicher Streiter für musikalische Belange kandidieren. Und freuen würden wir uns über die Nachricht, dass der Deutsche  Tonkünstlerverband sein Mitglied Agnes Krumwiede – sie ist soeben aufgrund grüner Kulturblindheit aus dem Bundestag ausgeschieden – als Kandidatin gewinnen konnte. Musik-Ratschläge.

 

Die Oktober-Ausgabe der nmz erscheint am 28. September.

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