Das Festival für zeitgenössische Musik der Berliner Festspiele versammelt unter der Leitung von Kamila Metwaly internationale Positionen aus Musik, Klangkunst, Performance, Experiment, Improvisation und Installation.
Eröffnet wird die 25. Ausgabe von MaerzMusik mit Georg Friedrich Haas’ immersiver Komposition 11.000 Saiten. Den vielfältigen Facetten der menschlichen Stimme widmen sich Meredith Monk – diesjährige Preisträgerin des Großen Kunstpreises Berlin – sowie die Stimmkünstlerin und Komponistin Juliet Fraser. An den zehn Festivaltagen (20. bis 29. März) sind in 28 Konzerten insgesamt 16 Uraufführungen zu erleben, darunter ein neues Werk von Ellen Fullman für ihr Long String Instrument und das JACK Quartet sowie eine Auftragskomposition von Laure M. Hiendl für das Klangforum Wien. Das Ensemble Dedalus aus Frankreich und das KNM Berlin entfalten hybride Klangräume zwischen Instrumentalmusik und Elektronik.
Ausstellungen, Installationen, performative Formate und das Festivalfinale I AM ALL EARS ermöglichen neue Klangerfahrungen jenseits linearer Konzertsettings. Im Rahmenprogramm Library of MaerzMusik verbinden sich in verschiedenen Gesprächsformaten die künstlerischen Positionen mit Diskurs. Das Festivalprogramm ist seit heute online, der Ticketvorverkauf startet (14:00 Uhr) und die Akkreditierung beginnt.
MaerzMusik 2026 versteht sich als offener künstlerischer Raum, in dem Zuhören zu einer Form des Miteinanders wird und Klang als Labor für neue Wahrnehmungen und neue Formen des Zusammenlebens begriffen werden kann. Eröffnet wird die diesjährige Festivalausgabe mit Georg Friedrich Haas’ großformatiger mikrotonaler Komposition 11.000 Saiten. Fünfzig Pianist*innen und das Klangforum Wien umgeben das Publikum und schaffen ein immersives Klangfeld. Die Berliner Aufführung im MaHalla knüpft bewusst an den gedanklichen Ursprung des Werks in einer chinesischen Klavierfabrik an und verbindet Musik, Architektur und Industriegeschichte.
In den Ensemblekonzerten setzt sich MaerzMusik mit archipelischen Denkweisen auseinander, die zwischen instrumentaler und elektronischer Musik auch Poesie, Erinnerung und verschiedene Formen von Räumlichkeit einfließen lassen. Das Klangforum Wien präsentiert Werke von Gerhard Stäbler, Laure M. Hiendl und Luxa M. Schüttler. Anlässlich seines 30-jährigen Bestehens stellt das Ensemble Dedalus drei Porträtkonzerte mit „offenen Partituren“ vor – mit Werken von Éliane Radigue, Catherine Lamb, Peter Ablinger und Pascale Criton. Das Ensemble KNM Berlin widmet sich zyklischen und ritualhaften Formaten in aktueller Musik. In den Werken von Fang-Yi Lin, Tine Surel Lange, AnA Maria Rodriguez und Zesses Seglias verbinden sich Mythen mit persönlichen Erinnerungen und transzendenten Erfahrungen.
Die menschliche Stimme in all ihren Facetten bildet einen weiteren Fokus im Festivalprogramm. Anlässlich der Verleihung des Großen Kunstpreises Berlin an Meredith Monk gibt die Komponistin, Performerin und interdisziplinäre Künstlerin ein Konzert auf der großen Bühne im Festspielhaus, im Trio mit Katie Geissinger und Allison Sniffin. Juliet Fraser entwickelt in ihrem aktuellen Programm Lament: a ritual of letting go eine performative Klangzeremonie, die historische Lamenti, neue Kompositionen und körperliche Bewegung zu einem zeitgenössischen Ritual des Abschieds verbindet.
Das bereits mit der Eröffnung anklingende Thema „Strings“ setzt sich in der Uraufführung von Ellen Fullmans neuer Komposition für das von ihr entwickelte Long String Instrument und das JACK Quartet fort, in der sich reine Stimmung, Raumresonanz und Bewegung verschränken. Pelle Schillings LongStringInstallation begibt sich in einen klingenden Dialog mit Fullmans eindrucksvollem Instrument und eröffnet ungewöhnliche Lausch- und Sehperspektiven im Garten des Festspielhauses. Am gleichen Spielort widmet sich der Kontrabassist Florentin Ginot in einem Solokonzert mit Werken von Carola Bauckholt und Lou Kilger der Natur im Post-Anthropozän. Die Komponistin und Cellistin Okkyung Lee teilt ihre improvisatorische Praxis mit Berliner Musiker*innen und bringt ihre neue Performance Aurora (Mesophase) zur Uraufführung, entwickelt im Rahmen ihrer DAAD-Residency.
Mit Elektronik oder um sie erweiterten künstlerischen Positionen untersucht MaerzMusik Klang als soziale und politische Praxis. Louis Chude-Sokei und Jan St. Werner präsentieren mit No Nation Left But the Imagination einen audiophilen Essay über Zuhören, Migration und soziale Grenzen. Weitere Projekte thematisieren Entropie, kybernetische Systeme, Gender und Körperlichkeit, darunter Performances von Vanessa Porter, Viola Yip und Ken Ueno sowie installative Arbeiten von Luxa M. Schüttler. Das von Wojtek Blecharz ko-kuratierte Festivalfinale I AM ALL EARS verwandelt das Haus der Berliner Festspiele in eine begehbare Klangarchitektur und stellt zum Standard erhobene lineare Konzertformate radikal infrage.
MaerzMusik 2026 findet vom 20. bis 29. März statt – im Haus der Berliner Festspiele, im MaHalla, in der Akademie der Künste, im Radialsystem, im silent green, im KW Institut for Contemporary Art, im SAVVY Contemporary, im Spore Haus in der Universität der Künste Berlin, in der St. Elisabeth-Kirche sowie in der Parochialkirche.