Die 1951 gegründete Institution wirbt in 100 Ländern für die deutsche Sprache und Kultur. Der Bundespräsident nimmt diese Arbeit vor «Verächtern der Vielfalt» in Schutz.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat an das Parlament appelliert, die Kulturarbeit des Goethe-Instituts in aller Welt zu erhalten und zu stärken. Aktuell gebe es Besorgnis und angespannte Diskussionen über die Zukunft des Instituts, sagte das Staatsoberhaupt bei einem Festakt zum 75-jährigen Bestehen der Institution.
Erneuerung und Veränderung seien dem Institut nicht fremd, betonte Steinmeier. «Was das Goethe-Institut allerdings braucht, das sind neben der finanziellen Grundlage Fürsprecher in der Politik und Rückenstärkung gegen die Verächter von Vielfalt und Offenheit in der Kultur- und Bildungspolitik», sagte Steinmeier. «Diese Rückenstärkung braucht es auch nicht nur im zuständigen Ressort, sondern in der ganzen Breite des Bundestags und in der Breite der Gesellschaft.»
Das Goethe-Institut ist ein Verein, versteht sich aber als das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Es wird dieses Jahr mit rund 230 Millionen Euro vom Auswärtigen Amt gefördert. Das Institut hat rund 150 Standorte in 100 Ländern, die einerseits Deutsch-Unterricht, andererseits Kulturveranstaltungen organisieren.
Die Präsidentin des Instituts, Gesche Joost, erinnerte daran, dass pro Jahr 1,1 Millionen Deutschprüfungen an den Instituten weltweit abgelegt würden. Mit 22.000 Kulturveranstaltungen jährlich erreiche man 6,7 Millionen Menschen. Die «Superpowers» des Instituts seien «radikale Freundlichkeit» und «kritische Hoffnung», sagte Joost.
«Die Welt ist ein unübersichtlicher Ort»
Steinmeier würdigte in seiner Rede den Mut bei der Gründung des Instituts vor 75 Jahren, nach dem Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus und der Schoah. Zugleich betonte der Bundespräsident die heutige Bedeutung der auswärtigen Kulturarbeit.
«Die Welt ist ein unübersichtlicher und ungemütlicher Ort geworden», erklärte der frühere Außenminister. Umgeben von Krisen und Kriegen sei internationale Politik nicht einfacher geworden. «Die Faszination des Autoritären gewinnt an Kraft. Das Denken in den Kategorien von kalter Macht und Einflusssphären kehrt vielerorts zurück.» Doch wer deshalb auswärtige Kultur- und Bildungspolitik für verzichtbar erkläre, irre gewaltig, meinte Steinmeier.
«Für Länder wie unseres, die wir keine Großmacht sind, wird unsere Außenpolitik auch künftig auf vier Pfeilern ruhen müssen: ja, auf militärischer Stärke, um ernst genommen zu werden, aber eben auch auf kluger Diplomatie, um Lösungen zu entwerfen und Allianzen zu schmieden; möglichst auch auf einer internationalen Rechtsordnung als Rahmen und Richtung; aber viertens eben auch auf Kultur und Wissenschaft als Soft Power, als Angebot für die Welt da draußen.»