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Marie Jacquot, Chefdirigentin des WDR Sinfonieorchesters. Foto: WDR

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Bilder einer Vorstellung

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Wie sich Rundfunkorchester etwa in Köln und Berlin 2026/27 präsentieren
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Sie stehen unter Beobachtung, die Klangkörper des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die Orchester, Chöre und Big Bands der ARD-Anstalten. Natürlich von außen. Das taten sie ohnehin immer schon, wo sie auf Seiten der Kultur- und Medienpolitik indessen stets mit mehr oder weniger wohlwollendem Desinteresse rechnen konnten. Seitdem aber – siehe 7. Medienänderungsstaatsvertrag (7. MäStV, die nmz berichtete mehrfach) – in öffentlich-rechtlichen Geschäftsfeldern wie Lizenzen, Produktionskosten, Pensionsrücklagen, Breitenwirkung, Personal, Zukunftsfähigkeit und dergleichen immer spitzer gerechnet wird, sollen für deren Rechnungen auch die Klangkörper der Sender mehr als bisher zur Kasse gebeten werden.

 

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Kurzum: In Zeiten populistischer Medienpolitik müssen für den hochbudgetierten TV-Schwachsinn von „Mozart und Mozart“ nun die blechen, welche gebührenfinanziert die Musik von Mozart und vieler anderer mehr tatsächlich lebendig werden lassen. Und daher stehen sie vor allem von innen unter Beobachtung, werden die Klangkörper besonders streng von den eigenen Leuten beäugt und bewertet. Im September hat die sogenannte Klangkörper-Kommission aus weisungsgebundenen Mana­ger:innen aller ARD-Ensembles „ein Konzept für alle“ bei ihren weisungsbefugten Intendanten abzuliefern, welches diese dann, so fordert es der 7. MäStV, der Rundfunkkommission der Länder vorlegen. Im Dezember, und bis dahin sicher nicht, sagen wir: unredigiert. Denn so geht Selbstevaluation. Oder, wenn man es mit Kai Gniffkes (SWR) rabiat populistischem Vorgehen gegen die Deutsche Radio-Philharmonie vergleicht: Quiet cutting.

Farbenfroher Klangzauber“

Und so produzieren die Rundfunkensembles vermehrt Bilder von sich. Um möglichst gut gesehen zu werden, geben sie sich auffällig, und ein Schelm, der denkt, sie täten dies vor allem, um ihren eigenen kulturfernen Geschäftsführungen besonders vorteilhaft zu erscheinen. Auffällig dabei die neuen Saisonbroschüren des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin sowie des Kölner WDR Sinfonieorchesters. Dessen Spielzeit 2026/27 kündigt Intendantin Katrin Vernau musikfern an als „farbenfrohen Klangzauber“, der „Zugehörigkeit und Heimatgefühl“ vermitteln sowie „Räume des Ankommens“ hegen soll. Dem Überschwang dieser Passepartout-Reklamephrasen, womit wohl aktuellen Dystopien und Desintegrationen abgeholfen sein soll, geschuldet ist auch die überschwänglich gegenderte Bilderstrecke zur Begrüßung der neuen Chefdirigentin Marie Jacquot. Die sieht man bei aller zünftigen Arbeit mit lauter Musikern (und kaum Musikerinnen?!) allerdings mitunter mit Schrecken zerstückelt zu, wie Psychoanalytiker es nennen, Partialobjekten: hie die Frisur von hinten, da ein Frauenschuh. Unvorstellbar bei gewesenen Chefdirigenten: Bychkov-Slipper? Saraste-Bart? Macelaru-Tolle? und ein mehr als roher Fauxpas grobholziger Männlichkeit gegenüber einer Ausnahmekünstlerin, die dem WDR mit feinem Pastell gezeichnete Konzertprogramme beschert. Die übrigen? Convenience-Ware in fürs Management intellektuell zugänglicher Griffhöhe. Die Feier zum 40. der Kölner Philharmonie, der „Mutter aller Konzerthäuser“, die hierzulande seitdem entstanden sind, bestreitet so das WDR Sinfonieorchester allen Ernstes mit Mendelssohns „Reformationssinfonie“ zudem einer Doublette nach dem Abstecher zum Musikfest Berlin. Denkfaul und geistesarm zeigt das einen Anspruch um 0 herum an. Das Berliner Rundfunk-Sinfonieorches­ter dagegen fällt vorderhand nicht mit Wellness- und Wohlfühlwerbung auf. Die Bilder, die es in seiner Saisonvorstellung ausstellt, stammen alle vom Maler Daniel Richter. Fünfundzwanzig zum Teil großformatige Gemälde, den einzelnen Konzertprogrammen mehr oder weniger randomisiert beigesellt, werden sie über die ganze kommende Saison hindurch auch die Programmhefte und Plakate illustrieren. Kunst steht gegen oder an Kunst, synästhetisch oder konterkarierend. Das strahlt eine urbane Verspieltheit und intellektuelle Großzügigkeit aus, wie sie auch das programmatische Denken und Tun Vladimir Jurowskis auszeichnen – musikalisch scharf ebenso zurück- wie vorausschauend sowie in einen immer mehr unter politischen Nebeln verschwindenden Osten hineinhorchend.

Bild der Verwüstung

Aber auch dermaßen eigensinnig profilierte Leitungsköpfe animieren den Rest-Klangkörper zu wenig Eigenem, eher zu wenig profilierter Beliebigkeit. Im Falle etwa des RSB selbst zum, polemisch: A-Dur-Dreiklang von Anna Clyne, Anna Thorvaldsdóttir, Anna Lapwood, zudem mit Jörg Widmann als Artist in Residence. Alles interessante, spannende bis große Musiker:innen, die man aber auch überall sonst gerne porträtiert. Alleinstellungsmerkmale? Bis auf Jurowski Fehlanzeige. Indessen benötigen die ARD Ensembles viel mehr und dringender Alleinstellungsmerkmale als Convenience aus dem hüfthohen Regal. Das, was steuerfinanziert alle anderen Orches­ter tun, auch wenn es öffentlich-rechtlich ein bisschen mehr sein darf, wird auf die Dauer die gebührenfinanzierte Konzerttätigkeit nicht nachhaltig legitimieren können. Daher höchste Zeit, die Köpfe und besonders die ganz eigenen mehr in Anspruch zu nehmen als bisher. So es denn nicht schon zu spät ist für Dezember. Denn es werden ganz andere Köpfe ihre ganz anderen Vorstellungen entwickeln. Und die geben, so einmal Frank Pommer von der „Rheinpfalz“ im Rückblick auf die SWR-Orchester in Kaiserslautern und Freiburg, ein Bild der Verwüstung ab.

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