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Alle Artikel kategorisiert unter »Bojan Budisavljevic«

Notenstecher, Verleger und Veranstalter

17.09.17 (Bojan Budisavljevic) -
„Spitta und Riemann hatten noch ein Organ für die unermeßliche qualitative Differenz zwischen Bach und Zeitgenossen wie Telemann oder rudimentären Vorformen wie Schütz.“ Das ist schon mal ein Wort. Musikgeschichte quasi als Paläoanthropologie vom Stand- und Zielpunkt des Heute als Krone der Schöpfung und des Geistes. Von da aus entscheidet der Befund, ob und wie ein „Organ“ ausgebildet ist, über die Entwicklungsstufe der komponierenden Hominiden. Telemann? Unterentwickelt. Schütz? Gerade ein Homo erectus.

Den Impuls stärken

06.09.17 (Bojan Budisavljevic) -
Überaus geräuscharm, ja fast wie ein scheues Reh, hat das Förderprogramm der Bundesregierung „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“ Anfang Juli dieses Jahres die kulturelle und kulturpolitische Öffentlichkeit betreten. Die entsprechende, administrativ sachliche Pressemitteilung der Beauftragten für Kultur und Medien wurde nur wenige Male reproduziert: Das war‘s. Keinerlei einschlägige Trompetenstöße und Lobeshymnen, nirgends.

Lachen – mit Böhmermann: eine Wertegemeinschaft

09.08.17 (Bojan Budisavljevic) -
In den MusikTexten 151 fand sich unter dem Titel „Komponieren am Krater“ ein leidenschaftlich vorgetragenes Plädoyer des Komponisten Helmut Lachenmann für das autonome Kunstwerk, die abendländische Tradition und eine Philippika gegen einen neuen Konzeptualismus, der sich mittels einer postulierten „gehaltsästhetischen Wende“ vom Ballast eines traditionellen Kunstbegriffs abwendet und der Musik zu mehr gesellschaftlicher Relevanz verhelfen will.

Die Zerstückelung liegt in der Autonomie des Hörers

22.02.17 (Bojan Budisavljevic) -
Schöne neue Klassikwelt. Sie ist vor allem eines: digital. Mit Konzertstreams, Digital Concert Halls, Apps, Aktionen in den sozialen Netzwerken und vielem anderen mehr stellt sich die altehrwürdige Branche des klingend Schönen, Wahren und Guten den Herausforderungen des technologischen wie des sozialen Wandels. Dem Druck des Digitalen begegnet der SWR mit SWR Classic, und ausnahmsweise soll hier nicht von Orchesterschließungen die Rede sein, sondern davon, wie der SWR, einmalig für die ARD, seine Klangkörper, seine Festivals und seine Netzaktivitäten in das alles übergreifende, eben: Netz von SWR Classic ein- und verwoben hat.

Von Wiwaldi zu Vivaldi

12.12.16 (Bojan Budisavljevic) -
„Wem sind nicht auch die vier Jahreszeiten eines Vivaldi bekannt,“ schrieb 1740 Johann Adolph Scheibe, einer der ersten Musikjournalisten Deutschlands, in seiner Zeitschrift „Der Critische Musicus“. Das gilt auch heute noch. Denn einer der ersten Journalistinnen Deutschlands, der WDR-Hörfunkdirektorin Valerie Weber sind sie ebenfalls bekannt.

Classical nix – ein Bericht zur Lage der Klassik

05.09.16 (Bojan Budisavljevic) -
Will man sich die Lage der so genannten Klassischen Musik in Deutschland vergegenwärtigen, so stellt sie sich als recht unübersichtlich, zwiespältig, ja beinahe schizophren dar. Während im sinnenfrohen Süden ein Sinfonieorches­ter zwecks eines Einspareffekts von geschätzten 5 Millionen Gebühren-Euro jährlich soeben geschlossen wurde, haut man im kühl berechnenden Norden knapp 800 Millionen nicht weniger öffentliche Euro auf den Kopf für einen demnächst zu eröffnenden Konzertsaal. Alles für die beziehungsweise mit der Klassik …

Das Zückerchen der Desintegration

08.07.16 (Bojan Budisavljevic) -
„Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen“ – so das Bonmot zum sozialen Zustand der meisten ihrer Untertanen, welches der große Erzieher Rousseau der Königin Marie Antoinette mit kapitalem Erfolg einst unterschob. Und zuweilen kommt einem dieses Bonmot in den Sinn, wenn man die zahlreichen Bemühungen und Initiativen um kulturelle Bildung und Teilhabe verfolgt. Die Kunst soll da manche Not lindern, wo’s an Grundlegendem mangelt: „PISA? Inklusion? Zuwanderung? Demenz? Da fragen wir mal in der Musikvermittlung.“

Zwischen Sparzwang und Zwangsneurose

31.03.16 (Bojan Budisavljevic) -
„Der Rundfunkbeitrag wird nicht wie eine Steuer voraussetzungslos, sondern als Gegenleistung für die Möglichkeit erhoben, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkprogramme empfangen zu können.“ So das Leipziger Bundesverwaltungsgericht in der Erklärung zu seinem letzten Urteil vom 18. März bezüglich der Rechtmäßigkeit der Haushaltsabgabe genannten Rundfunkgebühr; die fünfzehn Kläger hatten genau dies bestritten mit dem Hinweis, es sei eben nicht egal, ob jemand ein Empfangsgerät besitze oder nicht. Nun ist es doch egal, das BVerwG hat sich der bisherigen Rechtsprechung angeschlossen, denn eine Wohnung zu bewohnen, reicht schon aus, womit ein Ende jedoch nicht abzusehen ist.

Nivellierte Kost und Bierreklame

08.03.16 (Bojan Budisavljevic) -
Berthold Seliger ist renommierter Konzertagent und unabhängiger Tourneeveranstalter unter anderem von Größen wie Patti Smith, Bratsch, früher auch Lou Reed, und er liest viel und schreibt auch viel – vor allem in seinem umfangreichen monatlichen Newsletter: dezidiert „links“ und zumeist lesenswert über Musik, Populärkultur und -politik sowie Anverwandtes, gern auch über zwei seiner Lieblingsfeinde, neben Multis wie Universal oder CTS Eventim: über Siegmar „Siggi Pop“ Gabriel und Dieter „Kreativwirtschaft“ Gorny.

Eine Lanze für Qualitätsdiskurse

02.03.16 (Bojan Budisavljevic) -
Vergegenwärtig man sich den Aktionismus, die Aufgeregtheiten und Fehden, welche die Installierung von Vermittlungsprojekten wie JeKi oder „Kultur macht stark“ stets zu begleiten pflegten, so muss man die Existenz und das Wirken des Rates für Kulturelle Bildung als einen Segen empfinden. 2012 ins Leben gerufen als Verein, wird er getragen von einem Stiftungsverbund aus der Anstoß gebenden Stiftung Mercator sowie den kulturell engagierten Stiftungen von Susanne Klatten (Altana), Bertelsmann, Deutscher Bank, PwC und Siemens (die von Vodafone war bei der Gründung noch dabei) und deren zivilgesellschaftlichem Selbstverständnis.
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