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Alle Artikel kategorisiert unter »Bojan Budisavljevic«

Brave New Music World

10.07.20 (Bojan Budisavljevic) -
„Ich bin ein riesiger, elektrischer Generator / Ich liefere Ihnen Licht und Kraft / Und ermögliche es Ihnen, Sprache, Musik und Bild / Durch den Äther auszusenden und zu empfangen / Ich bin Ihr Diener und Ihr Herr zugleich“. So sang und klang 1975 in „Die Stimme der Energie“ eben dieselbe aus dem Vocoder von Kraftwerk.

Das 20. Jahrhundert auch musikalisch durchmessen

18.03.20 (Bojan Budisavljevic) -
Das Leben der um die vorletzte Jahrhundertwende Geborenen stand, vor allem in unseren Breiten, unter dem Unstern von gleich zwei Weltkriegen. Und wer da die nackte Existenz gerade noch retten konnte, der sah sich sogleich stets gefährdet durch die Vor- oder Nachhut der jeweiligen blutigen Ereignisse. Mit heiler Haut davongekommen und einigermaßen exemplarisch ist dabei der 1896 geborene und 1970 gestorbene katalanische Komponist Roberto Gerhard.

Alternativer Blick auf die Orchesterlandschaft

04.03.20 (Bojan Budisavljevic) -
Gerade zwei Jahre ist es her, dass die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft zum immateriellen Kulturerbe promoviert wurde mit dem ferneren Ziel, sie 2021 in die betreffende Liste des UNESCO-Weltkulturerbes eintragen zu lassen. Nun steht es auf einem Blatt, ob diese Verwandlung einer sicher herausgehobenen, letztlich jedoch landläufigen Kulturtechnik zu einer Art Nischendasein in der Brauchtumspflege nicht eher kontraproduktiv ist betreffs der beabsichtig­ten Relevanzherstellung im Hinblick auf Menschen und Etats: Schließlich hakt sich da ein Milliardenbetrieb etwa bei der Walz, dem Zwiegesang, dem hessischen Kratzputz oder dem friesischen Biikebrennen unter.

Markt – Macht – Musik

23.02.20 (Bojan Budisavljevic) -
Regelmäßig legt der Berliner Konzertagent und Musik­afficionado Berthold Seliger einen kulturkritischen Band vor; mithin ein wortgewaltiger Wiederholungs- und Überzeugungstäter. Nach der Abrechnung mit den Öffentlich-Rechtlichen „I Have a Stream“ (2015) und seinem Aufruf, den emanzipatorischen „Klassikkampf“ (2017) aufzunehmen, kehrt er nun zu seinen essayistischen Anfängen zurück, zum „Geschäft mit der Musik“(2013), seinem Kerngeschäft gewissermaßen. Nur hat sich die Perspektive verändert, und statt des mehrheitlich deutschen Klein-Klein steht nun mit „Imperiengeschäft“ das weltumspannende Groß-Groß im Fokus – natürlich, die Globalisierung.

„Der Schlüsselwerke kann es nicht genug geben“

26.11.19 (Bojan Budisavljevic) -
Wer heutzutage eine musikalische Auswahl trifft, gar einen Kanon aufstellt, begibt sich in umstrittenes, ja vermintes Gelände, hat vorsichtig zwischen den Sprengsätzen von Diskursmacht und Deutungshoheit, Vergangenheitsbeschwörung und Innovationsabwehr zu manövrieren. Zumal wenn es sich dabei ausschließlich um die westliche Kunstmusik handelt, ist mit Anwürfen von Eurozentrismus und der Vernachlässigung populärer Genres zu rechnen. Und dennoch: Soeben im Wolke Verlag erschienen ist ein mit „Schlüsselwerke der Musik“ betitelter Band zur Kunstmusik des Abendlandes, eine Auswahl von 268 Werken aus über 1.000 Jahren, von der ersten Mehrstimmigkeit bis Unsuk Chin, 171 Komponisten und 10 Komponistinnen auf 300 Seiten, inklusive Zeitstrahl und Glossar. Ausgewählt und beschrieben wurden die Werke von Bernd Asmus, Claus-Steffen Mahnkopf und Johannes Menke. Mit Claus-Steffen Mahnkopf sprach für die nmz Bojan Budisavljevic.

Eine Gattung wird zu Grabe getragen

06.09.19 (Bojan Budisavljevic) -
Hier wird nicht lang gefackelt, und sofort ist klar, wo es langgehen soll. So heißt es im allerersten Satz eines als Geleitwort getarnten Gutachtens: „Die Oper ist eine Institution.“ Der Sargnagel sitzt. „Addio del passato“, und das ganze Genre, eine über vierhundertjährige Kunst mit unzähligen opera wird, weil als schwindsüchtig, defizitär und überhaupt überlebt befunden, zu Grabe getragen. Das Werk wird hinabgestoßen, und es steht auf: das Handwerk, die Praxis, eben das Musiktheater. So, zugegeben sehr verkürzt, Dorothea Lübbe in ihrer, an Cage angelehnt mit „Europeras“ betitelten Hildesheimer Dissertation, die einen historischen wie aktuellen Systemvergleich von Deutschland und Frankreich liefern will und zugleich mit Fallbeispielen Perspektiven auf künstlerische Innovation und Kulturpolitik entwirft. Und Letzteres verheißt nichts anderes, als dass es auch um Budgets gehen und Verteilungskämpfe geben soll.

unüberhörbar 2019/06

18.06.19 (Bojan Budisavljevic) -
Heino Eller: Violinkonzert b-Moll, Symphonische Legende, Fantasie für Violine und Orchester, Symphonie Nr. 2. Baiba Skride, Violine; Estonisches National-Symphonieorchester, Olari Elts. Ondine +++ Thomas Wilson: Symphonies Nos. 3 & 4. Royal Scottish National Orchestra. Rory Macdonald. Linn +++ Turkish Music for Solo Violin: Werke von Ahmed Adnan Saygun, Onur Türk­men und Mahir Cetiz. Ellen Jewett, Vio­line. Naxos +++ Springtime in Yugoslavia: Werke von Fran Lhotka, Krešimir Baranovic, Josip Štolcer-Slavenski u.a., Nationaltheater Zagreb, Belgrader Philharmonie. Eloquence Classics

Études de concert – sans musique

21.03.19 (Bojan Budisavljevic) -
Regelmäßig alle vierzehn Tage ein Konzert zu besuchen, das kann einem das Leben um sage und schreibe neun Jahre verlängern. Das fand im vergangenen Jahr eine Studie der Londoner Goldsmith‘s University heraus, deren Auftraggeber, der Mobilfunkanbieter und Hallenbetreiber O2, den Userappell stehenden Fußes hinterherschickte:

Große Oper im Kalten Krieg

23.11.18 (Bojan Budisavljevic) -
Als Anfang März 1953 die Politbüro-Granden der KPdSU Stalin fünf Tage lang an den Folgen von Hirn- und Magenblutungen sterben ließen, kursierte wenig später in der KP Jugoslawiens unter der Hand die Geschichte, im Nachttischchen des Generalissimus hätte sich eine Botschaft des Genossen Tito gefunden: Stalin solle aufhören, Killer auf ihn anzusetzen, man hätte ja schon vier erwischt, andernfalls würde er, Tito, auch einen vorbeischicken, und der würde sich nicht erwischen lassen.

Der große Pan ist tot!

25.09.18 (Bojan Budisavljevic) -
Nun ist der Kipppunkt erreicht, und der Balken der Waage hebt das Gewohnte in die Höhe und hin zu den Sphären der Bedeutungslosigkeit. Noch nicht ganz, aber sehr bald! Worum es geht? Um den physischen Musikkonsum und zuweilen auch -genuss. Laut dem jüngst veröffentlichten Halbjahresreport 2018 des Bundesverbandes der Musikindustrie (Link) hat die digitale Musiknutzung zum ersten Mal den Musikerwerb vermittels materialer Träger überholt: 58,9 Prozent zu 41,1 Prozent.
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