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Foto: Martin Hufner

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Im Wandel der Zeit und der Mediennutzung

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Neue Musik im Deutschlandfunk vor dem Umbruch
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Das Forum neuer Musik sei „ein Format im Wandel der Zeit“ gewesen, so Frank Kämpfer rückblickend auf die fünfundzwanzig Jahre, die er beim Deutschlandfunk die Redaktion Neue Musik geleitet und eben diese Kölner Forum-Reihe im Kammermusiksaal des DLF eher kuratorisch ermöglicht als alleinbestimmend gestaltet hat.

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Mit diesem alljährlich wiederkehrenden Wochenende hat er so der Gegenwartsmusik weniger eine starke Écriture eingeprägt, als vielmehr Freiräume live wie im Radio geöffnet für die unterschiedlichen Schreibarten des Komponierens, des aktuellen wie auch des unlängst zeitgenössisch gewesenen, von hier wie da und dort. Eine multiperspektivische, auf Vielfalt ausgerichtete Betrachtungsweise, die einem gesamtdeutsch ausgerichteten Sender gut anstand. Zumal dieser – im Unterschied zu den regionalen Sendern der ARD und obwohl Mehrheitsgesellschafter der Berliner Rundfunk Orchester und Chöre ­gGmbH – über keine leicht ansteuerbaren Klangkörper verfügte, mit denen er das eigene Programm hätte füllen können. Im phänomenalen Kammermusiksaal am Kölner Raderberggürtel traten Ensembles aus Essen oder Freiburg auf, aus Polen und von deutschen Hochschulen.

Dass es so kam, wie es gekommen ist, war nicht unbedingt abzusehen. Beinahe 30 Jahre lang prägte Reinhard Oehlschlägel meinungsstark, was im Deutschlandfunk an Neuer Musik Beachtung fand: Produktionen neu-Darmstädter Observanz, westliche Avantgarde mit gelegentlichen Ausblicken auf östliche Spitzen, auch Musik aus Lateinamerika, Osteuropa und von Frauen. Kämpfer kam eher aus den mittlerweile historischen Tiefen deutsch-deutscher Rundfunkgeschichte: von Radio DDR II, später Deutschlandsender Kultur, welcher dann, wie der RIAS auch, im Deutschlandradio aufging. Als er 2001 beim Kölner Sender die Neue Musik und das Forum übernahm, rückte dann die weite Welt mehr in den Fokus: deutsche Nachbarn, der Nahe Osten, Südamerika, Ostasien, oder in Zepernick und Eckernförde auch die weite Welt hierorts um die Ecke. Themen wie „Gott“, „68er“ oder „Tod“ sorgten für Querschnitte durch die Kunstproduktion und für Tiefenschärfe die Wiederbegegnungen mit der Neuen Musik der DDR: „Die politische Provokation trat zurück, und die Qualität trat zutage“, so Kämpfer etwa über die Musik von Georg Katzer.

Die Hauptverkehrsachsen zeitgenössischer Kunstmusik derart öfters über die Grünstreifen und Nebenstrecken abfahrend, ließ sich beim Forum oft das Große im vermeintlich Kleinen erleben. Gleichermaßen in den redaktionellen Sendeplätzen für Neue Musik im DLF, wie Atelier neuer Musik oder Musikszene, die Breite und Vielfalt schufen, indem sie anderswo tiefer schürften als die anderen – auch dank aufwändiger, zeitintensiver Formate. Nun fallen sie zum Opfer der universalen Verabschiedung des linearen Lebens durch die Simultanität der Online-Welt, und zur derart veränderten Mediennutzung kommen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch noch Finanzierungs- wie Legitimationsprobleme dazu, Kostensteigerungen, Spardruck, der Druck, sich an die neue Medienwelt anzupassen. Und natürlich, allein aufgrund des Schlachtrufs „Reform“, der politische Druck.

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Karte der Landesrundfunkanstalten der ARD mit ihren Sendeanstalten

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„Wir wollen Reichweite schaffen nicht dadurch, dass wir etwas einfacher machen, sondern dadurch, dass wir intensiver darüber sprechen, auch mit unserem Publikum“, sagt Wibke Gerking, die Leiterin der programmübergreifenden Musikabteilung beim Deutschlandfunk wie beim Berliner Deutschlandfunk Kultur, im Gespräch mit ihr und mit Frank Kämpfer angesichts dessen ruhestandsbedingtem Abschied sowie der anstehenden DLF-Programmreform. Beide Programme von Deutschlandradio werden damit noch enger zusammenrücken, die Neue Musik wird von Berlin aus redaktionell betreut werden. Durch im Entstehen begriffene neue, diskursive und genreübergreifende Formate sollen die alten Kölner sich aufgehoben finden. Größere Relevanz strebt man mit Mischformen aus Neuer Musik und Wort an, mit musikaffinen Persönlichkeiten etwa und deren individuell kompetenten Perspektiven. Aber es bleibe von Montag bis Freitag bei den zwei Stunden täglich Musik im Deutschlandfunk, betont Gerking. Das reformierte Sendeschema, mit dem DLF am 30. November startet, ist aber nicht unumstritten. Innerhalb wie außerhalb des Senders mit seinen 2,52 Millionen Hörern täglich wird es das bisherige lineare Rundfunkleben aufheben, also verändern und, so steht es zu hoffen, auf ein höheres Niveau heben. Wohl erst im Herbst kommenden Jahres, wenn man absieht, wie man vor allem mit Letzteren erfolgreich war, wird man sehen können, so Gerking zum Kölner Forum neuer Musik, „was für ein Festival wir brauchen“.

Bei all dem Wandel von der Wende bis zur gegenwärtigen Programmreform lässt sich indessen aus größerer Entfernung eines ausmachen: Nämlich wie Frank Kämpfers radiophones Wirken und Leben nicht nur die Entwicklungen der zeitgenössischen Musik reflektierte, ihre Entgrenzungen, Verzweigungen, Vertiefungen und Vernetzungen; sondern wie sich darin auch die mehr als 30-jährigen Verwandlungen des einigungsbedingt wieder gesamtdeutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks selbst widerspiegeln, die seiner unterschiedlichen Strukturen, Namen und Entwicklungsstadien. Sender im Wandel der Zeit. Diese, wie gesagt, ist in der Online-Welt nicht-linear geworden, simultan und überall, mehr rasender Stillstand als ein Gang der Dinge. Beim weiteren Wandel hülfe womöglich, gelegentlich in die Tiefe der Jahre zurückzublicken, woher man kam und wo man stand, wie das alles gekommen ist. Es hülfe dabei, um bei allem Druck Haltung zu behalten.

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