Vom 14. bis 21. November 2026 lädt das Festival Europäische Notenspuren unter dem Motto „Schma Leipzig – Höre, Leipzig!“ zu einer musikalischen Spurensuche durch die Stadt ein. Anlässlich der Eröffnung des Leipziger Notenbogens, im Rahmen von TACHELES 2026 – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen – und der European Days of Jewish Culture widmet sich das Festival in diesem Jahr dem jüdischen Musikerbe Leipzigs. Konzerte, Stadtführungen und Schulveranstaltungen führen an vergessene Orte jüdischen Musiklebens, bringen verloren gegangene Musiktraditionen zurück an diese Orte und beleuchten einzelne Persönlichkeiten und Facetten dieser reichen Geschichte.
Die im Rahmen des Festivals stattfindenden Stadtführungen folgen dabei dem neuen Leipziger Notenbogen, dessen erster Teil mit 13 Stationen am 6. September 2026 eröffnet wurde. Die 7 Kilometer lange Route führt westlich der Innenstadt an Wohnorte berühmter Komponisten, Wirkungsstätten jüdischer Musikerinnen und Musiker sowie Orte musikalischer Sammlungen und Bildungsstätten und ist Mitglied der Europäischen Route des Jüdischen Erbes des Europarates.
Den Auftakt macht am 14. November in der Brodyer Synagoge das Konzert „Écoute, Leipzig!“: Landesrabbiner Zsolt Balla, Kantoren des Instituts für traditionelle jüdische Liturgie Leipzig und der Straßburger Synagogalchor La Chorale Le Chant Sacré treten unter der Leitung von Rémi Studer in einen deutsch-französischen Dialog und hauchen selten gehörten Nussach-Melodien neues Leben ein.
Am 15. November erzählt das Ensemble Sospiratem im Museum der bildenden Künste mit „Henriques – Hinrichsen“ die außergewöhnliche Reise einer Familie von der Vertreibung aus Spanien über Portugal und Dänemark bis nach Leipzig, begleitet von Musik des 13. bis 20. Jahrhunderts. Am selben Vormittag führt eine Stadtführung durchs Waldstraßenviertel zu Wohn- und Wirkungsorten von Komponisten wie Gustav Mahler und dem jüdischen Kantor Samuel Lampel, ergänzt durch Live-Musik in der ehemaligen Betstube des chassidischen Rebbe Israel Friedmann.
Genau diesem Kantor Samuel Lampel widmet sich am 17. November im Ariowitsch-Haus das Konzert „(Un)vergessen“: Der Leipziger Synagogalchor unter Philipp Goldmann, Tenor Falk Hoffmann und Thomasorganist Johannes Lang erinnern gemeinsam mit einem Vortrag des Musikwissenschaftlers Dr. Thomas Schinköth an den fast 30 Jahre in Leipzig wirkenden Musiklehrer und Kantor, der 1942 deportiert und ermordet wurde.
Am 18. November lässt das Salonorchester „Salon Krause“ im Schauspiel Leipzig das Repertoire des einstigen Neuen Leipziger Operettentheaters wiederaufleben, das bis 1944 als Impulsgeber jüdischer Unterhaltungskultur direkt neben der ehemaligen Großen Gemeindesynagoge beheimatet war. Eine Stadtführung durchs Kolonnadenviertel am Nachmittag führt zu den einstigen Standorten der beiden größten Leipziger Synagogen und des Operettentheaters.
Mit „Rak rega – nur ein Augenblick“ lässt die Leipziger Balkan-Band Herje Mine gemeinsam mit Sängerin Walburga Walde am 19. November im Museum der bildenden Künste sephardische Lieder, Pijjutim und Klezmer-Musik zwischen Melancholie und tänzerischer Lebensfreude aufleben. Am selben Tag lädt die Stadtbibliothek zu einer Führung durch die 1893 gegründete Musikbibliothek Peters ein, die ihre Existenz den Verlegern Henri Hinrichsen und seinem Onkel Max Abraham verdankt. Am 20. November widmet sich dort im Oberlichtsaal das Konzert „Hört hört! Schätze der Musikbibliothek Peters“ selten gehörten Werken von Felix Mendelssohn, Anton Rubinstein und Erwin Schulhoff, interpretiert vom Niels Gade Chamber Orchestra.
Den Abschluss des Festivals bildet am 21. November die beliebte Notenspur-Nacht der Hausmusik: In Wohnzimmern, Läden und Büros in ganz Leipzig musizieren Amateure wie Profis, Alt wie Jung gemeinsam. Wer als Gastgeber:in oder Musiker:in mitmachen möchte, kann sich noch bis zum 31.10.2026 unter http://www.notenspur-leipzig.de/hausmusik anmelden. Auch der Besuch der einzelnen Konzerte ist ausschließlich mit vorheriger Anmeldung möglich, der Eintritt ist frei.
Begleitend besuchen Festivalmusikerinnen und -musiker an mehreren Vormittagen Leipziger Schulen und es gibt am 19. November ein Konzert „Reise durchs Jahr – Musik an jüdischen Feiertagen“ für 3. bis 6. Klassen im Ariowitsch-Haus.
- Weitere Informationen: http://www.notenspur-leipzig.de/festivaleuropa