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16. Tag: Nun also doch: Ferienkurse abgeschafft!

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Seit 11.30 Uhr wieder in Berlin. Darmstadt ist Vergangenheit. Dort fand gestern Abend das Abschlußkonzert der Ferienkurse für "Neue" Musik in der Sporthalle am Böllenfalltor mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg unter dem "schönsten Dirigenten der Welt" (BILD) Johannes A. Kalitzke (wofür das "A" steht: ich sage es nicht...) statt. Nach einem etwas sperrigen Werk von Vykintas Baltakas ("Poussla") bewies Misato Mochizuki ("Homebox" - damit hätte sie gerne zuhause bleiben können...), was für eine schlechte Komponistin sie ist. Manche Stellen klangen wie Rihm (nur in noch dümmer), andere Passagen des Quasi-Doppelkonzerts für Violine, Klavier und Orchester wie Hindemith (was den Geigenpart anbelangt). Am Ende mußte uns Wolfgang Rihm mit seinem 1995 sicherlich wieder schnell zu Papier gebrachten (toll, Wolfgang! *streichel*) Orchesterschinken "IN-SCHRIFT" (der Titel und das, was dazu im Programmheft steht, hat mit dem klingenden Ergebnis übrigens nichts zu tun) dann einmal mehr vorheucheln, daß er noch nicht zu den golfspielenden Opas gehört, sondern: na, Sie wissen schon... Überzeugt hat es mich nicht. Als instrumentatorische Übung war es recht gelungen. Dann gab es eine Pause. Und danach die Riesenüberraschung.

Solf Schaefer, der scheidende Darmstadt-Chef griff zum Mikrophon und mußte den entsetzten Massen mitteilen, daß es die Ferienkurse nie wieder geben wird. Nicht allein Geldmangel sei für diese Entscheidung ausschlaggebend gewesen, sondern die Einsicht in die totale Unnötigkeit und Beliebigkeit dieses mehr als nur verstaubten (*hust*, *wegpust*) Festivals.

Um die ganze "Kiste" (Zitat Solf Schaefer) aber zu einem dazu passenden Abschluß zu bringen, entschied man sich, die Preisträger (mit Ausnahme von Simon Steen-Andersen, der den unter den Komponisten gedrittelten Hauptpreis als einziger verdient hat) auszulosen, beziehungsweise sie den am bösesten Ausgebuhten, Häßlichen und/oder aus exotischen Ländern (Island, USA) Stammenden zu überreichen.

Ganz im Ernst: nur einzelne Entscheidungen (was die Preisvergabe an bestimmte Instrumentalisten angeht) konnte ich nachvollziehen. Der Rest... naja, ist ja auch egal. Die Neue Musik hat sich in Darmstadt erledigt. (Übrigens gab es unter den zahlreichen Ausgezeichneten nur einen Deutschen, den Gitarristen Johannes Öllinger.)

Darmstadt hat sich dafür entschieden, sich selbst aufzulösen - als deutliches Zeichen dafür hatte man bereits die fast totale Abwesenheit deutscher Teilnehmer gewertet (und folglich auch die wenigen, die es verdient hätten, bei der Preisvergabe übergangen; besser ist ja das Prinzip: je ein Preis pro Land. Egal wie, egal warum. Hauptsache "international". Lächerlich. Klaus Langs Kommentar zu dieser schönen Idee: "...".)

Endlich wieder Berlin. Endlich wieder Kultur.

Am Hauptbahnhof steige ich in den Bus der Linie M85. Vor der Brücke zum Reichstagsgelände plötzlich eine Straßensperre (ja ist denn heut' schon Obama?). Der Busfahrer seufzt auf, nimmt das Mikro: "Ich hoffe, Sie haben ein wenig Zeit mitgebracht! Jetzt müssen wir eine hübsche Stadtrundfahrt machen." Ich fordere: "Dann spielen Sie aber wenigsten ein bißchen den Reiseführer - für die Touristen unter uns!" Und: er macht es! "Auf der linken Seite sehen Sie eine wunderschöne Spontan-Straßensperre...".

Hier hat man wenigstens Humor. (Zaunpfahl-Baumarkt-Wink nach Darmstadt.)

PS: Wo wir gerade dabei sind. Ein guter Freund von mir sucht ab sofort eine Wohnung. Zwei Zimmer in Kreuzberg oder Prenzlauerberg. Gute U/S-Bahnanbindung. Mails bitte an mich: op.1[at]gmx.de.

PPS: Danke für die Wohnungstipps per Email. Und für's Lesen. Bis bald.

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