Das digitale Klassenzimmer wird kommen

Notizen vom 4. Bundeskongress Musikunterricht in Hannover


(nmz) -
Die typischen Workshopangebote beim BMU Kongress heißen bis heute „Schulpraktisches Klavierspiel“, „Die Stimme des Schulmusikers“ oder „Trommeln auf allem, was im Klassenraum steht“. Der Tendenz 2018 in Hannover lag aber eindeutig auf der Digitalisierung des Klassenzimmers. „APP Best Practice“, „Einsatz von Tablet im Musikunterricht“ oder „Live Coding mit Pi“ setzten die digitalen musikpädagogischen Trends.
Ein Artikel von Andreas Kolb

Im Zentrum dieser Aktivitäten auf dem Kongress stand der neu formierte Arbeitskreis Digitalisierung, den Prof. Phillip Ahner von der Musikhochschule Trossingen und Jürgen Oberschmidt, Professor an der PH Heidelberg, leitete. Aus der lockeren Runde von Interessierten, die sich hier trafen, konstituierte sich der Arbeitskreis Digitalisierung des BMU.

Ahner und Oberschmidt diskutierten mit Kollegen aus der Schule über digitale Dauervernetzung und die damit verbundenen Unsicherheiten und offenen Fragen im Kontext des Musizierens, Komponierens, Reflektierens und Konsumierens mit digitalen Endgeräten und Instrumenten.

Die Vorschläge des Arbeitskreises, sowie die mehr als hundert Kommentare, die Philipp Ahner im Nachgang erreicht hatten, flossen in ein Positionspapier ein, das als Vorschlag für den Vorstand sowie die Bund-Länder-Versammlung des BMU dient. Neben gesellschaftlichen, pädagogischen und didaktischen Fragestellungen wurden hier auch Forderungen laut für die Schaffung und Gewährleis­tung einer den aktuellen Technologien entsprechenden administrativen, materiellen und rechtlichen Infrastruktur.

Das Problem der Ausstattung rückt  noch einmal anders in den Mittelpunkt, wenn man sich zum Beispiel den neuen Lehrplan Sekundarstufe I des rheinland-pfälzischen Kultusministeriums anschaut. In der Vorbemerkung hat das Ministerium folgende fettgedruckte Passage einrücken lassen.

„Dabei ist zu beachten, dass die räumliche, technische und instrumentale Ausstattung der Musikräume im Bereich des Schulträgers verortet ist, durch den Lehrplan nicht vorgeschrieben wird und unter kommunalem Haushaltsvorbehalt steht. In diesem Hinblick fügt sich der Lehrplan den vor Ort gegebenen Möglichkeiten.“

Geht man davon aus, dass diese Praxis auch ohne Fettdruck in den meisten Bundesländern gängig ist, stimmt einen das bezüglich der Herausforderungen durch die neue digitale Musizierpraxis doch sehr nachdenklich. Auf der anderen Seite ist es offensichtlich, dass jedem Kind ein Tablet beziehungsweise Mobiltelefon eine leichter zu erfüllende Forderung ist, als jedem Kind ein Instrument. Denn die Schüler bringen ihre mobilen Endgeräte ja gerne mit in den Unterricht.

Neuer Bundesvorstand

Nach Angaben des BMU konnte der 4. Bundeskongress Musikunterricht unter dem Motto „Am Puls der Zeit“ mit einem Teilnehmerrekord aufwarten: Insgesamt waren über 2.600 Personen an der fünftägigen Veranstaltung beteiligt: 1.600 Teilnehmende haben sich aktiv an den Workshops, Arbeitskreisen, den Preisverleihungen zu den ausgeschriebenen Wettbewerben, den Vorträgen und Diskussionsforen beteiligt. 200 aus dem In- und Ausland angereiste Referentinnen und Referenten sorgten für ein breites Spektrum eines musizierenden, hörenden und reflektierenden Umgangs mit Musik. Im Rahmen der turnusmäßigen Bundesmitgliederversammlung des BMU, die am 29. September 2018 beim 4. Bundeskongress Musikunterricht im Congress Centrum Hannover (HCC) stattfand, haben die Mitglieder einen neuen Bundesvorstand gewählt. Der neue Bundesvorstand setzt sich aus folgenden Personen zusammen:

Präsidenten sind Prof. Dr. Jürgen Oberschmidt und Dr. Michael Pabst-Krueger. Die Vize-Präsidenten sind Evelyn Beißel und Dr. Georg Biegholdt. Der weitere Vorstand setzt sich zusammen aus Prof. Dr. Philipp Ahner, Michael Huhn, Christine Löbbert, Friedrich Neumann, Carl Parma, Sonja Schmitt, Andreas Wickel sowie Dr. Annette Ziegenmeyer. Der scheidende Präsident Prof. Dr. Ortwin Nimczik bleibt dem BMU als Ehrenpräsident erhalten.

Die Preise des BMU

Auch 2018 gab es einen musikpädagogischen Preisregen auf dem Kongress des Schulmusikverbandes: Der BMU vergab Preise bei seinem Medienwettbewerb, beim  Bundeswettbewerb „musik gewinnt! – Musikalisches Leben in Schulen“ 2018, beim 10. BMU-Wettbewerb „teamwork! neue musik erfinden“ 2018 sowie beim Bundeswettbewerb Klassenmusizieren 2018. Mehr unter: www.bmu-musik.de

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