Das Ende der Nahrungskette?

Fachtagung „Kreative & Interpreten als Global Players zwischen Kulturförderung und Kreativwirtschaft?“ in Köln


(nmz) -
Wer erwägt, von seiner künstlerischen Kreativität leben zu wollen, mag angesichts der derzeitigen Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft wie das Kaninchen auf die Schlange blicken. Er sieht nicht nur zahlungsunwillige Tarifpartner, sondern auch generelles Unverständnis für die Bedingungen und Prinzipien seiner Arbeit – auch auf Seiten der Musikhörer und Kulturteilhabenden.
Ein Artikel von Matthias Hornschuh, Robert v. Zahn

Vielen Künstlern und Kulturschaffenden fällt es schwer, sich auf die Terminologie und Denkweise eines wirtschaftlichen Systemzusammenhangs einzulassen: Wertschöpfungsketten, Erlösmodelle, Lizenzerlöse, Urheber- und Leistungsschutzrechte – wie soll einer all das beherrschen und gleichzeitig Kunst schaffen? Kann ein Musikschaffender noch vom Musikmachen leben, ein Texter vom Texten? Stopp: Falscher Ansatz, falsche Frage! Kunst und Kommerz sind keine unvereinbaren Gegensätze. Doch kein Musikschaffender kann vom Musikmachen leben, sei er Autor oder Interpret.

Das Erlösmodell jedes professionellen Autoren in Musik oder anderen Kultursparten ist jedenfalls das der Lizenzierung. Die Wertschöpfung erfolgt durch die Verwertung, das heißt durch den Handel mit Nutzungsrechten am geschaffenen oder interpretierten Repertoire. Ausgangspunkt jeder Wertschöpfung innerhalb der Medien- und Kulturwirtschaft ist der Schöpfer eines Inhalts. Doch steht der, der am Anfang der Wertschöpfungskette steht, nicht eher am Ende der Nahrungskette? Sind die Verwerter nicht größer, kapitalstärker und politisch durchsetzungsfähiger? Für den Einzelnen erscheint das existenziell bedrohlich, für die Gesellschaft bedeutet es die handfeste Gefahr des Verlusts überlebensnotwendiger Innovationskraft.

Welche Möglichkeiten gibt es, dieser Entwicklung zu begegnen – individuell oder im Kollegenkreis/Kollektiv? Sollte sich ein künstlerisch Kreativer auf dieses System noch beruflich einlassen? Wo ist „mein“ Platz in diesem System? Die Tagung sucht nach Antworten auf solche Fragen, durch Beiträge von Experten und durch den unmittelbaren Austausch untereinander.

Landesmusikrat, Kulturrat NRW, mediamusic und Frauenkulturbüro laden ein zur Expertendiskussion, zur Beratung und zum Gespräch am 15. April, 14.30 Uhr, ins Alte Pfandhaus, Kartäuserwall 20, 50678 Köln. Es begrüßt Dr. Gerhart Baum (Kulturrat NRW). Durch die Diskussionen führen Ursula Theissen, Matthias Hornschuh sowie die Rechtsanwälte Thomas Kipp und Stephan Benn. Anmeldung bitte an anmeldung@lmr-nrw.de (keine Teilnehmergebühr).
 

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