Dinos im Dezember

Veröffentlichungen der Popindustrie im Dezember


(nmz) -
Mumford & Sons – Babel +++ Soundgarden – King Animal +++ Led Zeppelin – Celebration Day +++ Birdy – Birdy +++ AC/DC – Live at River Plate +++ The Rollings Stones – Grrr!
Ein Artikel von Sven Ferchow

Wer die Briten Mumford & Sons nicht kennt, hat eine Bildungslücke. Endlich da, ihr zweites Album. „Babel“ nennt es sich. Die vier Musiker geben darauf alles. Und weil alles eine Schublade braucht, schieben wir Mumford & Sons gleich mal in eine neue. Country-Grunge, unabhängiger Folk oder zeitloser Bluegrass-Pop mag das sein. Angefüllt mit Intimitäten oder stillen Momenten, die umso lauter sprechen. Vorwärts heißt der Gang, den die vier einlegen. Nie rückwärts. Eng sind die Songs geworden. Einbahnstraßen, denen man gerne folgt. Labyrinthisch auch zuweilen. Aber so wegweisend. Erhellend. Hörhinweis: ausnahmslos alles.

Wieder zurück, nach gefühlten Jahrhunderten, melden sich tatsächlich Soundgarden. In Originalbesetzung. Soll heißen: Chris Cornell singt und Matt Cameron, ausgeliehen von Pearl Jam, trommelt. Warum vor allem Cornell seine Soloausflüge unternahm, mag sein Geheimnis bleiben, mit „King Animal“ steht zweifelsfrei fest: Er hätte sie nie angehen dürfen. Soundgarden sind freilich nicht mehr die Grunge­band der 90er. Weg ist der Dreck der sagenumwobenen Generation „Scheiß drauf“ und insbesondere die ausweglosen Hymnen dieser Zeit. Aber, „King Animal“ ist ein Stück Rockmusik, das genug Seele atmet und sich freischwimmt aus dem ganzen Alternative-Kram, der die Rockmusik da seit Jahren heimsucht und verunreinigt. Hervorzuheben ist die klare wie innovative Gitarrenriffarbeit sowie Cornells Gesang, der zwar Einbußen hinnehmen musste, aber zackig genug ist, dieser Musik Charakter einzuhauchen. Gerettet in die neue Zeit. Soundgarden 2012. Hörhinweis: alles.

Kurz und knackig darf man eine weitere Veröffentlichung aus dem Nachlass-Hause Led Zeppelin beschreiben: „Celebration Day“. Zwei CDs und zwei DVDs erscheinen als so genanntes Box-Set. Inhaltlich wird das 2007er-Tribut-Konzert in London repräsentiert, als Led Zeppelin Atlantic-Gründer Ahmet Ertegun huldigten. John Paul Jones, Jimmy Page und Robert Plant wurden vom Sohn des verstorbenen Drummers John Bonham, Jason Bonham, ver­stärkt. 16 Songs am Stück spielten die, festgehalten auf CD und DVD. Pflichtbesorgung. Hörhinweis: alles.

Birdy nennt sich eine 15-jährige Britin, die mit „Birdy“ ihr erstes Album veröffentlicht. Sehr eigen und mit erstaunlich charakterfester Stimme interpretiert sie Songs von Cherry Ghost, The National, Phoenix, The Postal Service oder James Taylor. Ist ja immer schwierig, in dem Alter diese alten verstaubten Stücke zu befruchten. Aber, es gelingt ihr. Fast zu abgeklärt manöv­riert sie sich durch manchen Klassiker und schafft es ausnahmslos mit jedem Song Wärme, Eleganz und Leidenschaft zu transportieren. Hörhinweis: 1901, Shelter, Young Blood.

Lumpige 20 Jahre nach der Veröffentlichung der letzten AC/DC-Liveplatte erwischt es uns nun mit „Live at River Plate“. Im Jahr 2009 wurde das Konzert in Argentinien mitgeschnitten, knapp 200.000 wahnsinnige Fans verleihen der Aufnahme aus dem River Plate Stadion eine legendäre Aura. Drei Konzerte spielten AC/DC hintereinander, das Ergebnis ist hörenswert, für Fans sowieso unverzichtbar. Die Platte wird es in unterschiedlichen Varianten geben, so ist unter anderem die CD-Ausgabe als Special-Doppel-CD mit Vielfach-Cover und 24-seitigem Booklet erhältlich. Hörhinweis: alles.

Und weil der Plattenindustrie gen Weihnachten nichts mehr einfällt, dürfen auch die Rollings Stones im Box-Set-Greatest-Hits-Wahnsinn nicht fehlen. „Grrr!“ nennt sich das Potpourri und hat folgende Koordinaten: Hits wie Satisfaction oder Jumping Jack treffen neue Studioaufnahmen, die da „One More Shot“ und „Doom and Gloom“ heißen. Für Sammler: Das Album erscheint in fünf verschiedenen Formaten, die 50 Songs werden begleitet von einem ausgiebigen Booklet und dem Coverartwork des amerikanischen Künstlers Walton Ford. Hörhinweis: alles.

 Diskografie

  • Mumford & Sons – Babel (Cooperative Music, 21.09.2012)
  • Soundgarden – King Animal (Mercury, 13.11.2012)
  • Led Zeppelin – Celebration Day (Atlantic, 16.11.2012)
  • Birdy – Birdy (Warner, 04.11.2012)
  • AC/DC – Live at River Plate (Sony Music, 16.11.2012)
  • The Rollings Stones – Grrr! (Polydor, 09.11.2012)

 

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